Sonstiges

50 Millionen Dollar für Flipboard: Wir geben euch Geld, auch wenn ihr keinen Cent verdient

Die Welt ist schön. iPad und iPad 2 sind die bislang erfolgreichsten Tablets auf dem Markt, Rettung und Zukunft des Contents gleichzeitig. Das Startup Flipboard hat die passende App dazu: Linkwertige Inhalte aus den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook werden zusammengestellt und optisch schönst aufbereitet auf dem iPad dargestellt. Damit man morgens im sonnendurchfluteten Loft bei einem Café Latte mit Sojamilch durch das Interessanteste vom Tage flippen kann. Passend dazu hat die Firma gestern Oprah Winfrey als Werbe- und Inhaltsikone für sich gewonnen.

In schönen Videos sehen wir einen bärtigen Flipboard-Offiziellen die Vorzüge seiner App präsentieren, während im Hintergrund die Titelmusik von „Stromberg“ läuft. (Oder? s.u.) Kein Wunder, dass das Startup gestern eine weitere Kapitalspritze in Höhe von 50 Millionen US-Dollar erhalten hat und jetzt auf 200 Millionen Dollar bewertet wird. Hinter dem Unternehmen steckt Potenzial, es ist die Zukunft medialer Inhalte von morgen. Denken offenbar die Geldgeber. So, und jetzt machen wir bitte alle mal wieder die Augen auf.

Wer verdient jetzt eigentlich Geld mit dem iPad?

Was bitte geht bloß in den Investoren vor, die ihr Geld so zum Fenster heraus werfen? Flipboard mag eine hübsche Software sein, zur Zeit verdient man damit aber keinen Cent. Die Verlage sind zunehmend vom iPad enttäuscht, von Apple sowieso, und sie dürften auch über einen Erfolg von Flipboard nicht gerade begeistert sein. Immerhin werden ihre für Geld produzierten Inhalte hier kostenlos weiterverbreitet, dabei wollte man mit dem iPad doch Geld verdienen.

US-Investoren bauen immer mehr auf das Potenzial personalisierter Werbung und hoffen offenbar darauf, dass wir Werbung in sozialen Netzwerken lieben. Dabei hat der Fall Twitter gezeigt, dass das eben nicht so ist. Wenn Investoren zunehmend die Macht bei den sozialen Netzwerken übernehmen, dürfte das unschöne Folgen wie mehr Werbung nach sich ziehen. Womit man wieder die Nutzer verschreckt. Ibo Evsan, Gründer des Social Games Fliplife (nicht zu verwechseln mit Flipboard), kommentierte das heute auf Facebook:

Deutsche Investoren aufgepasst: 50 Mio $ Wagniskapital kann Flipboard, Anbieter einer personalisierten iPad-Zeitung, als Geldspritze einsammeln, ohne einen einzigen zahlenden Kunden. In Deutschland hätten die 50.000 Euro bekommen.

Deutsche Nüchternheit. Manchmal gar nicht so falsch.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

22 Kommentare

  • Immer wieder zeigt sich aber auch, dass die deutsche Nüchternheit am Ende das Nachsehen hat. Oder hätte einer gedacht, dass man mit einer Suchmaschine, einem Kurznachrichtendienst oder einem sozialen Netzwerk milliardenschwere Firmen aufbauen kann? 🙂

  • Das ist mindestens genau so verrückt wie ein Ex Google VP in China, der schon sein X-tes Copycat Projekt dort startet und dafür 11 Millionen Dollar eingesackt hat. Dieses Mal ist es ein 1:1 Tumblr Klon, vorher Quora … auch 1:1 (Design, Funktion, etc).

    Millionen für „Potential“ … Blase Blase Blase … wie können wir schnell noch was von dem überflüssigen Geld abbekommen? Nochmal ein Facebook Klon?! Waren damals doch 100 Millionen Euro, oder? ;-)))

  • An diesen Zahlen erkennt man ganz einfach, dass – insbesondere in den USA – viel zu viel billiges Geld vorhanden ist, dass unter die Leute muss (allerdings ist bei Lichte betrachtet der Dollar auch keinen Cent mehr wert bzw. nur noch das Papier, auf dem er gedruckt wird). Insofern sind 50 Mio $ also auch nix mehr wert. Natürlich ist Flipboard aktuell (und vermutlich auch zukünftig) mehr oder weniger wertlos, die Idee ist aber ganz nett, und ab und zu verwende ich diese App sogar, wenn mir langweilig ist. Aber genau wie bei allen anderen Apps, die nachfolgend irgendwas kosten sollen, würde diese sofort vom iPad gelöscht werden. Oder meint Flopboard, wieder einmal durch Werbung den großen Reibach zu machen? Wo sollen denn die vielen Werbekunden nicht noch überall im Social Media Umfeld oder generell online kostenpflichtige Werbung schalten??

  • Eigentlich müsste man die ganzen Startup der letzten großen Blase um die Jahrtausend Wende wieder Hervorholen, die ließen sich doch sicher noch einmal zu Geld machen?
    Aber auch diese Blase des billigen Geldes wird Platzen , denn IT Unternehmen wie Facebook , Twitter sind wohl Überbewertet und nur ein Bruchteil wert.
    Dieses sind Virtuelle Spekulations Güter wie die Produkte dieser Firmen, die meiner Ansicht zu „Realen Gütern“ überbewertet sind.

  • Das ist wieder ein schönes Bsp. davor, dass es irgendwann, auch wenn noch nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann zu einer Blase kommen muss, die explodiert. Geld in etwas stecken, was keinen Umsatz macht, wo ist der Sinn??? Auf personalisierte Werbung wird immer mehr gesetzt, vor allem bei US Investoren.

    Das war bei Twitter auch so. Die haben bis heute noch kein vernünftiges Geschäftsmodell und konnten trotzdem Investoren kriegen. Und ich höre von immer mehr Freunden, dass Twitter mal ganz witzig zum probieren war, aber das wars dann auch gewesen. Laut Statistik ist es ja auch eine relativ kleine Gruppe, die für den überwiegenden Content sorgt.

    Dann gibt es da Unternehmen, die wirklich etwas verändern können, Mehrwert bieten oder für mehr Konkurrenz am Markt sorgen, aber die zunächst nur in kleinen Schritten vorwärts kommen, weil z.B. das nötige Kapital fehlt-

    Ich kenne aber immer mehr die von dieser Werbung und allg. von Werbung im Netz mehr und mehr genervt sind. Das Dienste nicht vollständig umsonst angeboten werden können, sehe ich ein, aber auf einigen Seiten übertreibt man definitiv mit Werbung.

    Auf youtube kann man mittlerweile etliche Werbeclips in Videos nach 3 Sekunden skippen. Ich gehe davon aus, dass es auch damit zusammenhängt, dass man bemerkt hat, dass zu viel Werbung vor Videos nicht bei den Usern ankommt.

  • Wenn 2.0 oder 3.0 nicht die nächste Blase wird, fresse ich einen Besen. Nur weil Facebook einen Investor nach dem anderen erhält, denken alle Investoren man muss in alle Projekte die es so im Netz gibt investieren.

  • @4:Wo wurde denn aus Facebook oder Twitter ein Milliardenwert geschaffen? Bisher nur im Rahmen von Anteilskäufen, aber keineswegs an Einnahmen (das sind vergleichsweise läppische zig Millionen – und schwarz sind die auch erst seit 2010.

    Die einzige (ursprünglich) reine Internetfirma mit Milliardenumsatz dürfte Google sein. Jedenfalls mit einem TATSÄCHLICHEN milliardenhohen GESCHÄFTSergebnis.

  • konzentriert euch dochmal auf die wirklich wichtigen dinge:
    Die musik ist NICHT die Stromberg Titelmusik, auch wenn sie sehr ähnlich klingt.

  • Google, ebay und amazon sind die Internetriesen, die wirkliche Milliardenumsätze machen.

    Facebook ist so eine Sache. Im Vergleich zu knapp 600 Mio Nutzern machen die noch relativ geringe Umsätze. Ich weiß nicht auswendig wie viel Mitglieder ebay derzeit hat, aber sicherlich um einiges weniger und trotzdem machen sie mehr Umsatz als facebook. Ich verstehe daher nicht, warum man facebook einen so überhöhten Wert zu schreit. Zu ebay fehlt mir einfach eine adäquate Konkurrenz. Traurigerweise!

    Es „gab“ und „gibt“ da einige kleinere, wie Azubo, amprice, Tamundo, Hood oder das neue revvler.com. Oft sind in diesen Bereichen die Erwartungen der User oder Händler zu hoch, so das man sich da nicht heran traut oder z.B. Investoren haben zu großen Respekt, denn es gibt ja den Riesen ebay.

  • @Lars – ich denke das der Ansatz von Bewertungen aus eCommerce und Social Networks bzw. Informationsplattformen nicht miteinander verglichen werden kann.

    Bei Portalen wie Facebook geht es eben darum zu wissen, wer (Name, Alter, Geschlecht, Ort, etc.) gerade etwas macht. Und wenn ich das von 500 Mio Menschen weiß, dann kann ich durchaus behaupten, dass mein Unternehmen viel Wert ist ohne Umsatz zu machen. Bei den anderen Modellen ist es etwas anderes – aber ohne diesen Ansatz wäre Twitter nicht dort, wo es jetzt ist.

  • @lars Das eBay-Geschäftsmodell „Auktion“ ist ein Auslaufmodell. eBay selbst sieht das auch so und forciert den Festpreis-Verkauf in Konkurrenz zu Amazon. Das richtige Geld verdient eBay aber ohnehin seit längerem hauptsächlich mit Paypal – das war ein genialer Deal, dieses Unternehmen zu kaufen (im Gegensatz zum inzwischen wieder mit Milliardenverlust verkauften Skype). eBay ist sozusagen eine Bank mit angeschlossem Auktionsspielplatz 😉

  • Ebay , Amazon, Grupon ect…. sind schon etwas Anderes sie Handeln ja Hauptsächlich mit materiellen Gütern.
    Microsoft, Apple und teilweise Google ja wenigstens noch mit Betriebssystemen, Software oder oder eigener Hardware.

    Andere wie Facebook … sind aber rein virtuelle Dienste die völlig abhängig von Dritten , Internetanbieter , Betriebssystemen und deren Hardware sind.
    Gibt es zb. keine „Netzneutralität“ mehr oder eine Plattform wie Microsoft- Windows , Apple schließen bestimmte Dienste zu Gunsten Eigener von ihrer Plattform aus? …. was wäre ein Facebook oder anderer Dienst Wert der nicht mehr unter Windows oder bestimmten Internet – Providern laufen darf?

  • Richtig! Jede Blase platzt irgendwann, sieht man ja auch täglich an der Börse. Erst wird alles aufgepumpt bis zum gehtnichtmehr und dann machts plötzlich PENG! Schade sowas…

  • Ich nutze Flipboard nicht täglich aber regelmäßig und frage mich wofür die 50 Millionen ausgegeben werden sollen. Bin gespannt auf die Veränderungen und hoffe Sie bleiben vorerst hauptsächlich dem Wohl der User vorbehalten und nicht den Einnahmen der wahrscheinlich schon in einer Schlange aufgereiten potenziellen Vermarkter für Werbung, Ding Dong und andere Sachen.

  • Das Flipboard nichts verdient, kann ich mir nicht vorstellen. Ich werde in der App jedenfalls ständig mit der US-Talkmasterin Oprah und ihren Produkten bombardiert. Unter „Featured“ findet man noch andere Angebote, die bestimmt nicht gratis dort platziert werden.

  • Den meisten Investoren geht es nicht darum, dass sie sofort schnell Geld verdienen, sondern sie investieren um in paar Jahren auf lange Sicht mehr raus zu bekommen. Wie zum Beispiel bei Twitter, soviel Millionen an Geld rein investiert wurden und immer noch kein Umsatzkonzept, damit die Investoren verdienen. Ich schätze bei Flipboard kommt es erstmal auf die Marktanteile und die Verbreitung an, ist diese gesichert und man hat genug treue Fans, kann das Geld verdienen beginnen: Premium-Accounts, die monatlich Gewinne abwerfen oder man nutzt die Reichweite für gezielte, dezente Werbung.

  • Da werden wieder mal Bedürfnisse entwickelt, die vorher noch gar nicht da waren, die aber nach dem Willen der Wirtschaft bald jeder haben soll. Bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

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