Sonstiges

Vom Chef zum Hausmeister: Mit Betriebssystemen ist kaum noch Geld zu machen

Seid lieber vorsichtig mit all zu wohl klingenden Erfolgsmeldungen, denn es könnte sein, dass ihr sie schon wenig später selbst relativieren müsst. Vor einer Woche gab Microsoft noch die durchaus bemerkenswerte Zahl von 350 Millionen verkauften Windows-7-Lizenzen in 18 Monaten bekannt. Gestern Nacht dann im aktuellen Quartalsergebnis musste Microsoft einräumen, dass der Umsatz mit Windows im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4 Prozent gesunken ist. Ein Erfolg also nur, was die Verbreitung angeht. Denn geht es ums Geld, ist mit Betriebssystemen kaum noch eine Marge zu machen.

Das dürfte vor allem einen Grund haben: weniger Interesse – sowohl bei den Kunden als auch bei den Herstellern. Ein Betriebssystem ist ein Betriebssystem und eben kein Highlight mehr. Das mag bei Windows 95 und der ersten Version von Mac OS X noch anders gewesen sein. Heute unterscheiden sich die gängigen Desktop-Systeme immer weniger voneinander – und die Erwartungshaltung der Kunden hat sich geändert. Man will, dass das Ding nicht zickt, sondern schön brav und stabil läuft, mehr nicht. Oder anders ausgedrückt: Es soll sich nicht aufspielen wie der Chef, sondern lieber im Hintergrund arbeiten wie der Hausmeister. Und es soll nicht in Dinge einmischen, die ihn nichts angehen.

Einfach laufen und ruhig verhalten

Und egal ob Windows 7, Mac OS X 10.6 oder Ubuntu 11. Genau dieses dezente Verhalten beherrschen alle aktuellen Betriebssysteme inzwischen. Das System läuft einfach. Es meldet sich nicht ständig und hat etwas zu meckern oder zu bestimmen. Wenn das Betriebssystem aber heute der Hausmeister ist, wer ist dann der Chef? Der Browser ist es nicht, der ist nur Abteilungsleiter. Chef ist inzwischen der Anwender, der alle Software für sein Nutzererlebnis nimmt und sie fast beliebig austauschen kann.

Das zeigt sich zum einen in den Preisen der Betriebssysteme, die in den letzten Jahren immer weiter gesunken sind. Windows 7 kostet in der einfachsten Vollversion (Home Premium 32 bit) nur noch rund 70 Euro. Apple berechnet rund 30 Euro für den Snow Leopard (Mac OS X 10.6), der nur noch als Update von Mac OS 10.5 zur Verfügung steht. Gestern hat Canonical das neue Ubuntu in der Version 11.04 vorgestellt. Die kostenlose Linux-Distribution steht der Konkurrenz von Windows und Mac in fast nichts mehr nach.

Das wissen auch die Anbieter und so konzentrieren sich Microsoft und Apple auf Geschäftsbereiche, die mehr Geld versprechen. Apple etwa auf mobile Geräte, hochpreisige Hardware und Inhalte wie Apps, Filme und Musik. Microsoft, das zeigte man beim Finanzergebnis gestern, profitiert von seinen Wachstumstreibern Office 2010, der Server-Sparte, der Spielekonsole Xbox 360 und der dazu passenden Gestensteuerung Kinect. Die Zukunft liegt in mobilen Geräten. Und da hat der Kunde inzwischen so viel Auswahl ähnlich guter mobiler Systeme, dass er nicht bereit wäre, dafür noch Geld auszugeben. Das tut er nur noch für seine Lieblingshardware und für Inhalte, die ihm wirklich etwas nützen. Und das ist gut so. Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass ein Hersteller mit einem Betriebssystem den ganzen IT-Markt beherrschen konnte. Wir erinnern uns daran, aber wir erinnern uns nicht gerne.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Ein Betriebssystem ist eben keine CashCow mehr, da sich der Markt weiter entwickelt hat, sowohl mit kostenlosen, als auch mit kostenpflichtigen Produkten.

  • Ich denke, vor allem die Gratis-Betriebssysteme sind an dieser Entwicklung schuld. Und natürlich auch die ständigen Bugs in den neuen Windows-Versionen. Der Kunde möchte halt nicht weiterhin das Versuchskaninchen sein.

  • Also das mit dem Gratis Betirebsystemen würde mich wundern. (siehe MArkt: weniger als 1%).
    Bugs bei Windows??? und wie siehts mit Linux aus? oder Apple??
    Der Grund ist ganz einfach (Drei-Satz). Senkst du den Preis um 5% musste 30% mehr verkaufen um auf den selben umsatz zu kommen.
    BWL 2 Semester….^^.
    DA sind die Hersteller selbst schuld.

  • Schön, dass hier auch Linux erwähnt wird. : )
    Wie Noname zwar richtig anmerkt, ist der Marktanteil bisher verschwindend gering, es freut den Open-Source-Enthusiasten aber trotzdem. ^^

  • Ich wünschte wir hätten wieder mehr Kontrolle über unsere Betriebssysteme. Ich will ein System das nichts macht, außer ich Befehle es ihm.

    Ich will ein DOS mit grafischer Benutzeroberfläche, ohne Eigenleben. Ich könnte im Kreis springen wenn meine Festplatte rattert, der Prozessor benutzt wird und der RAM vollgeschaufelt wird ohne das ich was dazu beitrage. Das schlimmste sind darüber hinaus die ständigen Verbindungen über UDP, TCP/IP und Co wo man überhaupt nicht nachvollziehen kann wozu.

    Jetzt reg ich mich schon wieder auf… 1234567 1234567

  • Und dann kommt auch noch ChromeOS, welches ebenfalls gratis ist, keinerlei (Pflege-)Aufwand mehr erfordern soll und sich als Betriebssystem komplett hinter dem Browser versteckt. Schlechte Zeiten für OS Entwickler, die mit dem OS – und nicht mit den darauf laufenden Diensten/Programmen – Geld verdienen wollen…

  • Ein OS wird mittlerweile als Selbstverständlich angesehen. Es hat genauso einen großen Stellenwert wie Brötchen und sicherlich auch die gleiche Wichtigkeit. Diese Entwicklung haben wir allerdings vor allem dem liberalen Markt zu verdanken. Mac OS und Linux sind ernstzunehmende Alternativen geworden.

    Ist doch schön, letztendlich gewinnt der Kunde.

  • @noname Wenn man das im BWL Studium beigebracht bekommt erklärt das was in den letzten paar Jahren mit unserer Wirtschaft passiert ist…

  • wenn es stimmen würde und das OS „unwichtiger“ würde und Alternativen auf den Vormarsch müsste dieses sich ja an den Marktanteile wieder spiegeln ?
    Dort gibt es aber wenig Veränderung so das ich damit nicht Übereinstimme und es wohl eher eine Sache innerhalb der Windows Familie ist,
    Windows 7 ist jetzt 2 Jahre am Markt und Windows 8 bereits Angekündigt , also logisch das die Verkaufszahlen etwas zurück gehen, viele welche noch XP einsetzen werden einfach noch Abwarten wann denn der Nachfolger Erscheint.

    Was nützt das schönste alternative OS wenn keine Anwendung darauf läuft oder es nur im Bundel mit überteuerter Hardware gibt?
    Daher ist und wird Windows noch länger der Marktführer bleiben.
    Einzig Google hätte vielleicht mit Android eine Change sollte es den Sprung auf den Desktop schaffen?

    Übrigens ist der wahre Geldbringer sicher nicht Windows an sich , sondern meiner Meinung nach neben den „Office-Anwendungen“ vor allem „DirectX“, welches dafür sorgt das die grafisch Aufwendigen „Blockbuster – Games“ nur only Windows laufen und dadurch schon ganze Generationen von jungen Computer Nutzern spielerisch zu Windows gebracht hat, die auch später Windows treu geblieben.
    Man stelle sich einmal vor angesagte Spiele wie Crysis 2 oder Call of Duty würden nur für den Mac oder gar Linux erscheinen, bzw. die Win Version ein halbes Jahr später auf den Markt kommen.
    Wie dann wohl die OS Marktanteile aussehen würden ?

  • Ist ja immer eine Frage der Anforderungen. Die Dominanz von Windows wird nach wie vor auch vom Spiele-Angebot bestimmt. Und die Masse der heutigen Computer-Nutzer interessiert es herzlich wenig, was das System nun im Detail so toll macht. Paar Spiele, bisschen Internet und ein Happen Office. Mehr will die Masse doch nicht.

    Meine Anforderung an einen Rechner sind weitaus anspruchsloser. Ich brauche nur einen Browser 😉

  • @11 Michael schrieb
    “…hochpreisige Hardware….”
    Argh, wie mich dieser Satz immer auf die Palme bringt.

    Nun ja „Preisgünstig“ kann man sicher für die verbauten Komponenten Mac’s nicht gerade nennen , dieses hemmt sicher auch die Verbreitung von OSX.

    Denn geht es ums Geld, ist mit Betriebssystemen kaum noch eine Marge zu machen…..

    In diesem Zusammenhang wird die Zukunft sicher auch bei Windows Interessant , der Trend geht ja eher zu Geschlossenen Betriebssystemen wie bei iOS um dann über den Appstore Gewinn zu machen.
    Wird Microsoft der Versuchung eines Zentralen Appstore Widerstehen können um an jeder Anwendung Mitzuverdienen.
    Oder werden zukünftig diese Einschränkungen mit den Kampf gegen Schadsoftware und Raubkopien begründet ?

  • Der Entwicklung geht halt weg vom stationären Heimrechner hin zum mobilen Taschencomputer. Das Microsoft zukünftig auch auf Apps setzt bei Windows kann ich mir nicht vorstellen bzw. will es mir nicht vorstellen, das wäre doch grauselig.

  • Ich glaube nach den letzten Tagen kann ich nicht ganz zustimmen. Mein Win7 hatte sehr große Update Probleme. Und es ist von MS, einfach eine Frechheit den Benutzern dieses zuzumuten.
    Auch Ubuntu ist keine wirklich gute Wahl. Vor allem dann, wenn es um Videos und Grafikkartenteiber (Flash Videos machen die CPU dicht) geht. Also wir sind noch weit davon entfernt, das Betriebssysteme wirklich gut als Hausmeister laufen. Was wir brauchen, ist mal eine Gewährleistung die Hersteller mehr Qualitätssicherung aufdrückt. Denn immer wieder diese Fehler nerven einfach.

  • Also unwichtiger ist ein OS definitiv nicht.
    Nur sind wir bei der Entwicklung an einen Punkt gelangt, wo es einfach nicht mehr notwendig ist ein neues Betriebssystem zu kaufen. Man schaue sich nur XP an. Welche aktuelle Windows-Software wird .NET-Framework sei dank nicht von diesem 11 Jahre alten OS unterstützt?

  • Ich werfe einfach mal meinen Senf in den Raum ohne die anderen Kommentare vorher gelesen zu haben.

    Meine persönliche Meinung ist auch, dass sich ein betriebssystem ruhig verhalten sollte. Leider hat das Windows 7 noch nicht geschafft. Alleine die Nutzerkontensteuerung ist ein Gräuel sondergleichen. die meldet schon, wenn man die Maus schief anschaut. Ohne Kenntnisse wie man dies abschaltet, und das haben viele meiner Computerschülerchen nicht, ist das eine der Hauptfaktoren warum eben diese Menschen Windows 7 direkt abgelehnt haben und teilweise noch windows XP nutzen.

  • @Daniel, das fing ja schon bei Vista an mit den nervenden aufmerksamkeitssüchtigen Infoboxen. Die meisten Anwender schalten die UAC ab sofern Sie wissen wie das geht aber was dann?

    Die UAC hat ja einen Sinn im Betriebssystem und im Gegensatz zu anderen Diensten ist die Benutzerkontensteuerung auch sinnvoll um unerlaubte Zugriffe auf BS-Ebene zu unterbinden bzw. diese zumindest zu melden.

  • Ich arbeite schon seit Jahren Produktiv mit Linux.In meinem Haushalt(6PC’s,1Server) Existiert kein Windows PC mehr, da diese noch nie die oben genannten Vorraussetzungen erfüllt haben: Es läuft nicht so wie der User will:Es Müllt sich von alleine zu,es ist träge veraltet und nur noch ein Scheiterhaufen.
    Moderne Systeme werden nichts mehr kosten, Microsoft wird deutlich an Marktanteil verlieren, da die Nutzer beim PC Kauf Geld sparen wollen.Denn wer gibt schon 250€ aus, wenn genau der gleiche PC mit Linux nur 180€ kostet?
    Zudem unter Linux(Wenn auch manchmal mit Wine) Funktioniert fast jede Software die ich benutze.Vielleicht 5% der Software Funktionierte nicht.
    Auch zu bemerken ist der Trend zur Platformunabhänigkeit von Software.
    Es ist wie mit allem: Das Billigerere und Beserere setzt sich durch!
    Zu MAC kann ich nur wenig sagen, nur das ich den Hardwarepreis von MAC zu teuer finde, was aber dann den OS Preis ausgleicht(stimmt nicht ganz).Betriebssysteme wurden zu „Beilagen“ wie Airbag und Sicherheitsgurt beim Auto: Man braucht sie unbedingt, und sie zählen zum standart, trotzdem sind sie nur billige unbeachtete Beilagen.

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