Sonstiges

Der steinige Weg zur designierten Zukunft der Musik

Amazon Cloud Drive

Drehen wir die Zeit mal um zehn Jahre weiter, werden die meisten von uns einen mobilen Breitbandanschluss haben, der uns das Streaming mit nahezu unbegrenztem Datenvolumen an praktisch jedem Ort Europas ermöglicht. Die unsäglichen Wucherpreise beim Roaming werden dann ebenso Vergangenheit sein wie CDs. Es wird dann Musikdienste für mobile Geräte geben, auf die ihr von jedem Ort aus zugreifen könnt. Unterschieden werden wird dann höchstens noch, ob die Musik euch selbst gehört oder ihr sie für einen Monatspreis bei einem Anbieter hören dürft.

Das alles wird kommen. Und es wird technisch schon in weit geringerer Zeit möglich sein. Wer sich aber dagegen stemmen wird, ist die Musikindustrie. Google und Amazon verhandeln derzeit in Deutschland mit der Gema-Tochter Celas über eigene Cloud-Musikangebote. Das bestätigte Celas-Chef Nick Williamson der „Wirtschaftswoche“. Das klingt nach einer guten Nachricht, und doch bedeutet das noch lange nicht den Beginn der Glückseligkeit.

Denn bislang überwiegen die ebenso wahrscheinlichen wie unbestätigten Meldungen: Google wird wohl in Kürze einen Musikstreaming-Dienst starten, den man vor allem braucht, um auf seinen Android-Handys eine konkurrenzfähige Software zum iTunes Store auf dem iPhone anzubieten. Apple hat sich die Domain iCloud.com gekauft und baut an einem eigenen Rechenzentrum. Dass beide mit Meldungen noch nicht selbst an die Öffentlichkeit gegangen sind, dürfte den Grund haben, dass man immer noch verhandelt.

Astronomische Forderungen der Plattenfirmen

Ich habe großen Respekt für Amazons Vorstoß Ende März. Der Online-Händler hat in den USA einen eigenen Cloud-Musik-Service gestartet – und die Musikindustrie erst nachher darüber informiert. Das war auch eine politische Aussage, die da lautete: Wir geben den Kunden, was sie wollen, und kümmern uns dann erst um die üblichen Ängste der Plattenfirmen. Dank der eigenen Marktmacht konnte Amazon dieses Risiko eingehen, was von der Industrie zwar nicht begrüßt wurde aber bislang ohne Folgen blieb. In Deutschland setzte sich Amazon lieber an den Verhandlungstisch.

Dass es dort sehr frustrierend zugehen kann, berichtete Michael Robertson, Ex-Chef von MP3.com und aktuell Chef von MP3tunes, am vergangenen Wochenende auf Techcrunch. Abgesehen von Kontrollen über hochzuladende Musik und eine übergeordnete Instanz, die Nutzerkonten bei verschiedenen Diensten kontrolliert, stellen die Plattenfirmen demnach vor allem astronomische Forderungen an die Cloud-Dienste. Robertson schreibt dort in einem Gastbeitrag:

Zusätzlich zur eingeschränkten Nutzbarkeit verlangen die Plattenfirmen, dass Clouddienste ihnen eine jährliche Nutzergebühr zahlen. Plattenfirmen werden eine Mindestgebühr pro Nutzer und Jahr verlangen und nicht das geschäftsfreundlichere Prozentmodell wählen. Eine solche Flatrate-Gebühr wird bedeuten, dass kein kostenloser oder werbefinanzierter Dienst möglich sein wird. Für Abo-Angebote wie [in den USA] Rhapsody und MOG bedeutet die Forderung das jeweils höhere von: Gebühr pro Nutzer, prozentualer Umsatzanteil oder Gebühr pro Stream. Das begrenzt die Möglichkeiten dieser Dienste und stellt sicher, dass sie niemals in der Lage sein werden, einen Gewinn zu erzielen.

Für die Zukunft ist der Wunsch vieler Anbieter, dass wir Musik streamen. Zwei Modelle haben sie dabei vorgesehen: Entweder wir laden unsere eigene Musik in die Cloud oder wir streamen Musik aus der unerschöpflichen Plattensammlung der Anbieter. Einen dritten Weg hat leider noch keiner ins Gespräch gebracht: das Streamen vom eigenen Rechner oder Medienserver mit einer entsprechenden Software über das Netz. So dass die Daten uns gehören, bei uns bleiben und wir keinen Dritten dazwischen schalten müssen. Oder wir bleiben einfach beim bisherigen, von der Plattenindustrie forcierten Modell, uns Musik irgendwie irgendwo zu besorgen und sie auf unser Smartphone oder unseren MP3-Player zu laden. Erst einmal bleibt uns wohl nicht viel anderes übrig.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

15 Kommentare

  • Napster, 15 Euro pro Monat, mit eigener iPhone App in der ich Alben und Playlisten offline abspeichern kann. Da ist mir völlig egal, was die schon wieder mit ihrer „Cloud“ wollen – die hab ich heute schon. Hat bei mir weitgehend den klassischen Musikdownload abgelöst, nur ein paar Sachen, die US Only sind, lade ich noch mit amerikanischem Account über iTunes.

  • „Einen dritten Weg hat leider noch keiner ins Gespräch gebracht: das Streamen vom eigenen Rechner oder Medienserver mit einer entsprechenden Software über das Netz.“

    Muss man auch nicht ins Gespräch bringen, ist ja schliesslich schon problemlos möglich, auch für unbedarfte Nutzer. Das einzige was mir an solchen Lösungen noch nicht gefällt ist die Usability und das liegt schlicht an Faulheit meinerseits denn einiges basiert auf php und ist simpel modifizierbar. Beispiel: zina is not andromeda.

  • Es wird NIE eine Plattform geben in der ALLE Musik drin ist, die ich hören möchte. Deswegen bin ich raus bei solchen Diensten.

  • Streamen bringt nur was, wenn ich ALLE Lieder von einem Portal ziehen kann…

    Ein Streaming beim Kommerzanbieter Musicload bringt mir z.B. nichts…

  • „Es wird NIE eine Plattform geben in der ALLE Musik drin ist, die ich hören möchte. Deswegen bin ich raus bei solchen Diensten.“

    Ist auch Unsinn. Bei Grooveshark kann man schon heute das ganze mit eigenen Stücken ergänzen. Das wird auch bei anderen Portalen möglich sein. So ganz auf legalen Füssen steht das leider aber noch nicht.

    Am Schluss gewinnt das Portal mit den aktivsten Nutzern/dem besten Tagging.

  • also eigentlich hätte ich mal dieses vorgehen von Google erwartet…
    Es gibt einen vierten Weg:
    Wieso gründet Google nicht einfach ihre eigene Plattenfirma? und hollen sich die Künstler ins Haus.
    Dann hätten Sie keine Probleme bei Youtube, mit Ihrer Cloud Plattform und und…
    und die Künstler würden endlich mal fair entlohnt werden!

    Ich hoffe ein google Mitarbeiter liesst das und wirft einen Zettel (sowas von 80′) in der Google Vorschlags Kasten. 🙂

    Biittee!

  • Leider wirft der Artikel hier vieles in einen Topf , was nicht unbedingt Zusammenpasst .
    Musikstreaming Dienste und Cloud-Musikangebote sind zZ. völlig verschiedene Angebote.

    Musikstreaming Dienste wie Napster , Simfy oder Spotify sind eigentlich Online Musik Flatrates , die Weiterentwicklung des Online Radio als sein eigener DJ.
    Cloud-Musikangebote sind Online Festplatten auf denen man nur seine eigene Musik speichern kann um sie mit jeden Gerät anhören zu können.
    Sie bieten selbst keine Musik zu Streamen an, nur wie bei Amazon im MP3 Shop gekaufte Musik gleich zu Speichern.

    …das Streamen vom eigenen Rechner oder Medienserver mit einer entsprechenden Software über das Netz….

    Fürchten sicher Viele mit steigender Upload Bandbreite, nicht nur die Musikindustrie , denn viele die heute in große Serverfarmen und Cloud Angebote Investieren könnten künftige Upload Bandbreiten, die heute noch Download Niveau sind, das Geschäft ruinieren …. darunter auch Microsoft oder Apple.
    Aber es könnte zukünftig so kommen , schon heute nutzen die wenigsten ihre Upload Bandbreite gegenüber den Download voll aus, haben wir zukünftig im Festnetz vielleicht 20 – 50 Mbit Uploadbandbreite würde das Internet erst richtig zu einem Dezentralen Netz werden und auch noch schlechter Kontrollierbar.
    Vermutlich für viele Rechteinhaber oder Kontrolleure wiederum eine neuerliche Horror Vorstellung ?

  • ich bin selbst nutzer der Napster-Flatrate, finde das eigentlich auch ne gute Lösung – vor allem was das Preis-Leistungsverhältnis angeht. Was mich jedoch stört ist die Tatsache das es in D im Gegensatz zu den USA keine App zum streamen der Musik für unterwegs gibt.
    Dieses ständige gehacke zwischen Musikindustrie und Anbietern von Musikdiensten geht so langsam ziemlich allen Musikliebhabern auf die Nerven: erst ging es jahrelang darum Musik online verfügbar zu machen, nun folgt das nächste Kapitel: streamen für Nutzung unterwegs.

    Letzlich will ich doch nur eins: die Musik für die ich (durchaus gerne) zahle überall hören und mir nicht ständig Gedanken darüber machen ob ich dieses oder jene jetzt darf oder nicht.

  • Streaming-Dienste kommen mir nicht in Frage, wo meine Musiksammlung sich von heute auf Morgen im Nichts auflösen kann, weil die MI wieder mal zu gierig wird, der Anbieter Pleite geht oder schlicht mein Abo ausläuft.

    Meine Sammlung liegt (mit Backup) auf einem NAS, wo ich sie per Stream im ganzen Haus hören kann. So kann ich mir sicher sein, sie auch in 40 Jahren noch hören zu können, egal an welchem Rad die MI bis dahin gedreht hat.

  • Zum Thema: Streaming von dem heimischen Rechner hier ein Tip.

    Instinctiv streamt vom heimischen Mac auf euer Android-Device. Dabei könnt ihr durch Playlists festlegen welche Musik dauerthaft auf eurem Smartphone gespeichert werden soll. Der Rest wird wie gesagt bei einer bestehenden Internetverbindung gestreamt.

    Quelle: http://www.instinctiv.com (scheint aktuell down)

  • @aloha: interessant wird ein musikdienst erst, wenn der überwiegende teil des repertoires vorhanden ist. wenn google ein label gründet, versenken sie sinnlos einen riesenpott kohle, weil sie ja trotzdem von den etablierten labels lizenzieren müssen (alle labels kann google net aufkaufen und den backkatalog braucht ein musikservice einfach – ein service bei dem große kataloge fehlen ist einfach unattraktiv)

  • Ich habe meine CD Sammlung von 400 CD´s damals über I-Tunes umgewandelt. Ins AAC Format. Dann kamen noch mal ca. 400 Stücke dazu die ich via I-Tunes gekauft habe, damals noch kopiergeschützte AAC´s. Mittlerweile bin ich bei Napster und dort sind´s kopiergeschützte WMA´s.
    Erst mal einen Mediaplayer für den heimischen PC zu finden, der alle Dateien abspielt ist ein Abenteuer für sich. Mittlerweile nutze in den Media-Monkey. Das klappt gut.
    Ich war immer bereit für Musik zu zahlen. Aber die Musikindustrie und diese ganzen Beschränkungen gehen mir inzwischen total auf die Nerven. Es kann doch nicht sein, dass ich als ehrlicher Nutzer immer das Nachsehen habe…

  • Und die Musikindustrie hat aus dem letzten Jahrzehnt wieder nichts dazugelernt. Irgendwann wird sie an ihrer Gier ersticken.

  • Ich hätte echt nicht gedacht, dass es auch in Deutschland Napster-Nutzer gibt, die für diesen Dienst 15 Euro im Monat zahlen . Ich bin echt sprachlos.
    Ich dachte, nur in den Staaten findet man genug „einfache“ Leute für solche Geschäftskonzepte. *kopfschüttel*

  • Streaming-angebote sind für die meisten doch komplett uninteressant, wer will denn schon seine gesamte Musiksammlung im Nichts auflösen und stattdessen ein paar online-wiedergabelisten zum normalen Musikhören verwenden.

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