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Ein Modell für Europa? Filmflatrate Netflix schlägt illegale Angebote beim Datentraffic

„Nicht immer nur schlapp rumhängen, sondern hier auch mal ein paar Zahlen!“ hatte mein Mathelehrer immer gepredigt. Ich will dem mit 15 Jahren Verspätung gerne nachkommen und präsentiere euch hiermit überraschende Zahlen aus Sandvines „Global Internet Phenomena Report“. Demnach macht das Serien- und Filmstreamingportal Netflix in Spitzenzeiten 29,7 Prozent des nordamerikanischen Internettraffics im Downstream aus. Echtzeit-Unterhaltung, also auch Musikstreaming und Dienste wie YouTube, bringen es auf der anderen Seite des Atlantiks insgesamt auf nahezu 50 Prozent des Downstream-Traffics.

Interessant dabei: Als legale und kostenpflichtige Filmflatrate hat Netflix illegale Filesharingangebote inzwischen überholt. Facebook macht in den USA 2 Prozent des Downstream-Traffics aus, Netflix-Konkurrent Hulu interessanterweise nur 1 Prozent, YouTube bringt es auf 11 Prozent. Es ist wohl noch zu früh, vom Sieg des Legalen zu sprechen, zumal die Unterhaltungsindustrie sich noch immer nicht ganz sicher ist, ob sie Netflix für eine gute Idee hält. Die Nutzer scheinen sich da einig zu sein und sie sind durchaus bereit, verhältnismäßig schmales Geld im Monat (8 US-Dollar) für eine Filmflatrate zu bezahlen.

Klagen oder wenig Marge akzeptieren?

In Europa ist in Ermangelung eines mit Netflix vergleichbaren Angebots BitTorrent nach wie vor der Datenkrösus: 21,6 Prozent des Downstream-Traffics und stolze 59,7 Prozent des Upstreams stammen hier von dem Filesharing-Protokoll. Auch in Nordamerika (52 Prozent) ist BitTorrent beim Upstream Spitzenreiter. Laut TorrentFreak liegt das am Aus des einst beliebten Gnutella-Clients LimeWire, der im vergangenen Herbst seinen Dienst eingestellt hatte. Die LimeWire-Macher wurden von der Unterhaltungsindustrie mit astronomischen Entschädigungsforderungen vor Gericht gezerrt. Im April war noch eine Summe von einer Milliarde US-Dollar im Gespräch, letztlich einigte man sich außergerichtlich auf eine Zahlung in Höhe von 105 Millionen Dollar.

Filmstudios und auch die Musiklabels müssen sich überlegen, was für sie billiger ist. Für 8 Dollar oder Euro im Monat lohnt sich illegales Filesharing für die Nutzer kaum noch. Und wenn auch noch Qualität und Verfügbarkeit stimmen, lohnt sich der Gang zu zwielichtigen Streamingportalen wie Kino.to nicht. Fraglich ist, ob mit 8 Dollar oder Euro gut Kasse zu machen ist. Deswegen Vorsicht vor all zu schönen Angeboten: Es wird schon noch einer kommen, der den Riegel vorschiebt oder auf die Spaßbremse tritt.

(Jürgen Vielmeier, Screenshot: Netflix, Grafik: Sandvine)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

14 Kommentare

  • Was mich bei den deutschen Streamingportalen am meisten stört (bzw. sie für mich quasi komplett uninteressant macht) ist das mangelnde Angebot an Filmen in Originalsprache. Sehr schade, dass man hier wieder einen Schritt hinter die DVD zurückfällt.

    btw: Bin gerade mal kurz auf die Maxdome-Seite gegangen und die bieten auch Flatrates an. Einmal 15€/Monat für das komplette Angebot (Filme, Serien, etc.pp) und einmal 5€/Monat für das Filmangebot.

  • Es ist doch echt fraglich ob die Menge des Traffic ein geeigneter Maßstab ist. Raubkopien sind vielleicht einfach effizienter in der Nutzung der Bandbreite 😉

  • @Philip Bei Maxdome gibt es *nicht* das komplette Angebot für 15€. Für die sogenannten Blockbuster muss man nochmal extra bezahlen (ca. 4-5€ je Film)…

  • 8€ für altere Filme, ich glaube nicht das ich da z.B. jetzt Tron Legacy in FullHD sehen könnte? Ich gehe gerne und oft ins Kino für neue Filme, ältere schaue ich dann bei Maxdome oder die, die sich nicht lohnen im Kino anzusehen…. Problem dabei: Film kommt im Kino raus und ist erst Monate später bei Maxdome, illegal downloaden könnte man ihn aber schon in FullHD wenige Wochen nach Kinostart… verrückte Welt..

  • Ich denke auch, dass der Traffic nur bedingt aussagekräftig ist, aber es zeigt doch klar, dass der Preis die größte rolle spielt.
    Aber anscheinend verdienen die Medienriesen immer noch genug an denen die bereit sind diese unverschämten Preise zu zahlen und denen die sie auf Fantasie-Schadenersatz verklagen.
    Aber das passt ganz gut zum Zeitgeist. Der Kunde ist nur noch Geldquelle statt König…

    Will Maxdome wirklich 4-5€ pro „Blockbuster“? Da bin ich ja fast billiger, wenn ich die 20 km zur Videothek fahr und mir den Film da für 65Ct den Tag ausleihe!

    Ich bin zumindest gespannt, wie es sich entwickeln wird. Denn Filme mit Werbung kann man nicht genießen.

  • Es ist für mich völlig unverständlich, dass die Technologie von DVDs, mehrere Sprachen gleichzeitig anzubieten, bei Streaming-Angeboten wieder vernachlässigt wird.
    Ich möchte doch nur eine einfache, legale Möglichkeit haben, Filme zu sehen.

  • Die Illegalen Streamingportale wie Kino.to werden großenteils aus Politischen Gründen doch reichlich Überbewertet.
    Schlechte Qualität, Erreichbarkeit und Streamabbrüche disqualifizieren sie doch für viele Nutzer, da sehen sie lieber Filme mit Werbung.
    Man benötigt sie als Sündenböcke um eigene Fehler und Unzulänglichkeiten zu Überspielen.

  • Man biete mir ein grosses Archiv an Filmen, in hoher Qualität, sowohl synchronisiert als original mit Untertiteln, zu einem fairen Preis und ich bezahle! Sofort.

  • Naja, wenn einer auf älter Filme steht, kein Thema.
    Wie es aber rechtlich um neue und neuere steht, ist auch fraglich.

    … illegal downloaden könnte man ihn aber schon in FullHD wenige Wochen nach Kinostart, … <- eher nicht.

  • Ich sehe das so wie Markus. Ich würd sofort Sky kündigen für so eine „Kulturflatrate“. Die 15 Euro von Maxdome wären halt ein guter Preis, aber wie Henrik schrieb: Alles kostet extra.
    Und basic hat ganz sicher auch Recht. Gibt es keine Raubkopien mehr, wer ist dann für finanzielle Misserfolge verantwortlich? 🙂
    Gruß,
    Max

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