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"Ihr Profil ist gesperrt": Google+ substrahiert bestehende Firmenprofile – vorerst [Update]

„Wie macht man eine Party möglichst schnell möglichst interessant? Indem man nur einige Gäste reinlässt und ihnen die Macht in die Hand gibt, vielleicht noch weitere dazu zu holen“, schrieb Jürgen treffend vor ein paar Tagen, nachdem Google mit dem Start seines sozialen Netzwerks Google+ eine beachtliche Welle der Aufmerksamkeit ausgelöst hatte. Die erste Hürde war damit geschafft: der „Haben-Wollen“- oder in diesem Fall „Muss-ich-dabei-sein“-Effekt äußerte sich in allen Ecken des Netzes und auch in den Kommentaren auf Basic Thinking durch unzählige Anfragen nach Einladungen.

Nimmt man dies als Gradmesser für die Erfolgsaussichten von Google+, dann befindet sich Facebook derzeit sogar in einer schlechteren Lage als Apple im Jahr 2008. Damals war die Welt im iPhone-Fieber gegen das Google mit seinem Android-Urahnen G1 erst einmal nicht viel auszurichten vermochte. Das Wort Hype möchte ich ja lieber gar nicht erst erwähnen. Denn das G1 war angesichts der damit verbundenen Erwartungen ebenso ein Flop wie das merkwürdige E-Mail-Experiment Wave (das ich übrigens immer noch nicht wirklich verstanden habe). Und trotzdem sind Android-Smartphones heute die dicksten Stachel im saftigen Fruchtfleisch Apples.

Und was sagt uns das nun für Facebook? Zumindest so viel: Ein würdiger Herausforderer ist gefunden. Dass das auch der bisherige Platzhirsch so sieht, zeigt nicht zuletzt der Versuch von Facebook, den Export von Freunden in das Google-Netzwerk zu verhindern. Und kaum lobt etwa Jenna Wortham bei Gadgetwise das Video-Chat-Feature Hangout als die eigentliche Killeapplikation von Google+, zaubert Zuckerberg für seine Plattform etwas ähnliches aus dem Hut. Ein Schelm, der da Zusammenhänge vermutet.

Doch wie ein weises chinesisches Sprichwort sagt: Innovation ist keine Einbahnstlaße. Besser gut kopiert, als schlecht selbst gemacht, gilt daher auch für Google. So verriet Christian Oestlien, leitender Produktmanager für den Werbebereich bei Google+, nun in einem YouTube-Clip, dass man noch in diesem Jahr sogenannte Business-Profile für die Präsentation von Unternehmen und Marken anbieten will. Diese werden unter anderem Tools zur Analyse beinhalten und Verknüpfungen zu weiteren Google-Diensten wie AdWords bieten. Vorerst müssen die Privatnutzer daher noch unter sich bleiben.

„Aber es gibt doch schon ein paar solcher Accounts bei Google+“ werdet ihr nun sagen. Stimmt, sage ich, aber das wird sich, wie es aussieht, erst einmal wieder ändern. Denn Google will sein noch nicht einmal gestartetes Geschäftsmodell ja nicht bereits am Anfang torpediert sehen. Daher wurden und werden alle Profile bei Google+, die nicht einer Privatperson zuzuordnen sind, mittlerweile ohne Vorwarnung gesperrt, wie unter anderem Pascal vom GoogleWatchBlog berichtet.

Demnach lautet die offizielle Begründung, es habe einen Verstoß gegen die Community-Richtlinien gegeben. Dort heißt es: „Ihr Profil sollte Ihre Person repräsentieren.“ Getroffen haben soll es bereits etwa die Kollegen von Mashable und Chip. Letztere zumindest finde ich aber weiterhin über die Suche. [Update, 8. Juli] Mittlerweile sind auch Mashable und andere „Ausgesperrte“ wieder auf Google+ zurückgekehrt – und wissen nicht einmal unbedingt selbst, warum: „Wait. We’re back?“, hieß es heute morgen etwa bei The Next Web. Vielleicht ist sich ja Google nicht mehr so sicher, ob das Sperren der Profile eine gute Idee war. Andere Seiten wie etwa die des österreichischen WebStandards sind aber weiterhin nicht erreichbar. Blasphemisch gefragt: Hat Google hier etwa Angst vor schlechten Kritiken auf den großen US-Blogs und lässt daher in diesen Fällen Milde walten? Mal sehen, wie es weitergeht. [/Update] Ohnehin scheinen die Plus-Wächter vorwiegend auf Hinweis von Nutzern aktiv zu werden. Womöglich ist manche Sperraktion daher auch die Folge von kleinen Sticheleien unter Konkurrenten.

Zumindest ein kleiner Kreis ausgewählter Marken und Unternehmen soll im Rahmen einer Testphase aber schon bald eines der neuen Geschäftsprofile anlegen dürfen. Anmeldungen nimmt Google ab sofort über ein Online-Formular entgegen. Wenn dann irgendwann in ein paar Monaten der endgültige Startschuss für die Business-Accounts fällt, wird sich zeigen, ob Google+ auch in diesem Bereich das Zeug hat, Facebook langfristig die Stirn zu bieten. Mein Gefühl sagt mir jedenfalls, die Chancen stehen nicht schlecht.

(Christian Wolf)

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Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

31 Kommentare

  • Ich kann es langsam nicht mehr hören (lesen). Google+ hier, Google+ da. mein Feedreader bringt jeden Pubs den Google+ zurzeit ablässt gleich in 30facher Ausführung. Jeder Blog kann es sich nicht verkneifen auch nur über das kleinste Lüftchen von google+ zu schreiben. Und natürlich schreibt sowieso jeder das Gleiche (sogar dasselbe!) Bleibt doch alle mal locker hier. Einladungen, Sperrungen, Business-Account … Man das ganze Ding läuft noch in einer Beta und Ihr werdet schon nichts verpassen. Ich hab mich bis jetzt überhaupt noch nicht damit beschäftigt, weil ich warte erstmal in Ruhe ab und wegen 2 oder 3 Monaten später geht die Welt auch nicht unter und es ist so viel entspannter. Der Nutzen (Mehrwert) den einer hier am Anfang hat ist sowieso eher gering. Denn was nützt schon ein Netzwerk ohne Beteiligte.

  • also irgendwie geht dieser ganze google+ hype derzeit noch völlig an mir vorbei. auch wenn ich es definitiv begrüße, dass endlich ein anständiger konkurrent auf dem markt ankommt.
    jedenfalls haben wir glück, dass google bereits ein börsennotiertes unternehmen ist. ich möchte gar nicht wissen, wieviele milliarden firmenwert die finanzbranche einem startup ala google+ beimessen würde.

    substrahieren ist übrigens ein tolles wort. ;-P

  • im übrigen würde mich bei der thematik mal interessieren, wie dieser hype dazu passt, dass facebook in der jüngsten vergangenheit gerade auf dem US-markt einen user-verlust im 6-stelligen bereich verzeichnet hat.
    (ich weiß gar nicht mehr, ob auf bt darüber überhaupt berichtet wurde)

    auch wenn es für netz-afine personen und spekulanten nicht ganz einfach ist, sich das vorzustellen – aber wäre es nicht gar möglich, dass facebook doch nicht die zukunft der welt darstellt?

  • Was ist aus den Google Gadgets geworden? – Nichts!
    Was ist aus den Google Profilen geworden? – Nichts!
    Was ist aus den Google Groups geworden? – Nichts!
    Was ist aus Google Contacts geworden? – Nichts!
    Was ist aus Google Buzz geworden? – Nichts

    Also Google hat für mich mit einen + Dinge überhaupt nichts neues gemacht, außer halt Google Hangout.
    Trotzdem wird Google damit keinen Erfolg haben, außer das jetzt zu den Suchprofilen auch noch Verbindungen zu anderen Nutzer aufgebaut wird.
    Also ist Google jetzt Facebook*10^100 im Sammeln von Daten. Da werden die ihrem Namen also gleich gerecht.

  • Google ist doch eine Datenkrake (anscheinend noch schlimmer als Facebook). Ausweispapiere hochladen, Anmeldeformulare für Firmen. Google weiß bald alles. Aber wer das Hausrecht hat, kann das machen. Schön, dass es dann noch Platz für anderes gibt.

  • Ey, ich muss mich echt zurückhalten. Heult doch nicht alle rum. Glaubt ihr Google interessiert euer bekümmerliches Leben. Ihr seid anonyme Zahlen für die, mehr nicht.

    Ihr könnt froh sein, wenn sich wenigstens einer für euch interessiert.

  • Ich muss cyxxy absolut recht geben. Das interessiert absolut keinen, was so ein „blöder“ Nutzer dort an Daten angibt oder in seiner Wolke hat. Was zählt ist Content und Klicks.

    @Hase
    Blöd wenn man sich nicht auskennt, oder?

    Profiles ist jetzt google+. Mit contacts verwaltet man alle Kontakte vom gmail, android, talk, buzz, usw. google buzz hat massig Nutzer in Brasilien und Asien.
    Aber haupsache man kann trollen.

  • @Dieter B.

    “ …. Blöd wenn man sich nicht auskennt, oder? ….“

    Ich wette, Du beherrscht Deine Fernbedienung aus dem ff 🙂

  • Also kann recht wenig an google meckern, haben einige innovative Produkte… mit denen man recht gut net worken kann… das blöde ist nur, dass einige garnicht erst begreifen, was man alles damit machen kann, und das meistens für null kosten…
    Das Problem bei google ist eher das, dass irgendwie alles schei^^^ aussieht… so emotionslos… und viel zu wenig gemacht wird, dass eine echte Community entstehen kann…
    Als man Blogger noch mit eigenem FTP nutzen konnte, konnte man es für die eigene HP nutzen, jetzt ist es eher uninteressant geworden… auf der anderen Seite hatte ich mit der Blogger Integration doppel so viele Klicks auf die Seite… soviel zu Ursache und Wirkung… erst haben Sie es mit neuen Tag den Aufbau zerstört, weil man alles neu machen mußte… letztendlich wurden die Mühe damit belohnt, dass der FTP upload abgeschafft wurde… Auf der anderen Seite stellt Google massig Speicher zur Verfügung, den man aber nicht richtig sinnvoll und kreativ nutzen kann… mit jeder Innovation hacken die irgendwas sinnvolles wieder ab…

  • Jup wenn das so weitergeht ist das Niveau bald wie im Spon- Forum 😉

    Ehrlich gesagt stört es mich bei Google weit weniger als bei Facebook persönliche Daten anzugeben. Google ist bisher im Gegensatz zu denen auch immer sehr vorsichtig mit Nutzerdaten umgegangen. Google stellt den Kontakt zwischen Werbetreibenden und Nutzern her gibt aber nichts heraus. Währe auch schlecht für Google da nur an der Werbung verdient wird wenn sie über Googleplattformen läuft. Und im Gegensatz zu vielen anderen scheint Google auch sehr viel für die Sicherheit ihrer Plattformen zu tun. Mir währe ausser der China Sache (Und natürlich Staatlichen Anfragen aber da kommt kein Dienst drum herum) nichts bekannt wo sich jemand an Benutzerdaten gekommen ist die er nicht selbst freigegeben hat.

  • Google sieht immer etwas bieder aus, weil man vor allem die Funktionen präsentieren will und da ist schlicht immer sehr nutzerfreundlich.

    Android ist kein Stachel in Apples Fleisch, denn sie sind immer noch Revenue Leader was weit wichtiger ist als Marktanteile. Denn am Ende gehts immer nur ums Geld.

  • Schade, dass ich bisher noch keine Einladung bekommen habe von Google+ 🙁

    Aber zum Glück gibt es Leute wie euch, damit ich wenigstens einen kleinen Einblick in die Materie habe.

    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass nach so viel Fehlgeburten, Mutter Google es wahrscheinlich jetzt tatsächlich schaffen wird eine tolle innovative Idee auf die Welt zu bringen.

  • Kann mir bitte jemand eine Einladung schicken?

    Meine Email: Kai.Domroese[Ät]gmail[Punkt]com

    Schade, das Google die Firmenprofile derzeit nicht zulässt, ich hatte mich gestern schon gefragt, wie die ganzen Unternehmensprofile wohl aussehen werden.

    Dann wird es sicher bald den nächsten run geben, sobald die Firmenprofile erlaubt sind.

  • War ja nur eine Frage der Zeit bis Google auch eine richtige Social Networking Komponente bekommt.. macht ja auch durchaus Sinn, da durch Dienste wie GoogleMail ähnlich wie bei Facebook bereits sogut wie jeder angemeldet ist 😉

  • Ich glaube auch dass goolge mit ihrem plus jetzt der grosse coup gelingt bzw gelungen ist. war dieses buzz und wave und groups etc eventuell nur ein beabsichtigtes vorsichtiges antasten, um erfahrungswerte zu sammeln wie die user ticken, was sie wollen was sie nicht wollen, wie man dass ganze anstellt mit millionen von usern und enormem datenfluss- um dann im letzen finalen schlag auszuholen und das beste pferd an den start zu schicken??? ich kann mich erinnern dass buzz hier auch thematisiert wurde aber auch nicht sooo gut wegkam bzw nicht so richtig überzeugt hat. bei goolge plus sind ja durch die ganze reihe weg fast ausschliesslich positive reaktionen. ich glaube die genervte facebook welt bzw ein teil wie meiner einer hat nur auf google plus gewartet. minimalistisches design finde ich übrigens sehr gut. mag kein unnötiges bling bling. wenn ich bunte farben und aktion will gehe ich auf die kirmes. ebenso interessant der einwand vom user „negativity“. ich bin mir ebenfalls sicher- wäre google ein start up wäre es jetzt schon mal gleich 4 milliarden wert und die grossen 3 würden sich drum totschlagen es schnell aufzukaufen bevor es an die börse eilt.

  • Mir gefällt google+ auch. Würde mich kaputtlachen wenn das Milliarden-Schwer-notierte Facebook in 5 Jahren nix mehr wert ist weil alle „Deppen“ wieder zur nächsten Social-Platform gewandert sind.

  • Wieso sollte man eigentlich jetzt keine Firmenprofile erstellen? Kommt bald eine Funktion wie auf Facebook, bei der man extra Profile als Seiten erstellen kann?

  • Übrigens:
    Irgendwie verstehe ich nicht: Wieso muss ich beim teilen eines Beitrags denn überhaupt Kreise wählen? Immerhin sehen meine Beiträge doch sowieso nur Leute, bei denen ich im Kreis bin, oder?

  • Ich suche immer noch Firmen… ausserhalb von Telefon- und Computerzubehör im weiteren Sinn, die essentielle Umsätze bzw. Gewinne über Facebook generieren… warum sollte das bei Google besser werden?

  • Ich denke auch das Google+ Sinn macht, hier geht es nicht nur darum mit facebook mitzuhalten, sondern um von Usern auswertbare Daten zu erhalten, da sich dies in Testphasen bewert hat.

  • Ich denke, dass es sich auch bei Google+ für die meisten Firmen nicht rechnen wird. Und für diejenigen, die bei FB soziales Marketing erfolgreich machen, wird die Frage nicht sein ob sie umsteigen sollen sondern eher ob sie den zusätzlichen Aufwand, auf beiden Platformen vertreten zu sein, leisten wollen.
    Ich sag mal voraus, dass eines der beliebtesten tools in dem Umfeld etwas sein wird, das die posts ins jeweils andere Netzwerk transportiert.

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