Facebooks neue Timeline imitiert Blogs, Zuck ist kein Steve Jobs

Jürgen Vielmeier

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Facebook hat heute auf der eigenen Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco eine komplette Überarbeitung der Profilseite vorgestellt, die „Timeline“ heißen wird. Mark Zuckerberg nannte sie während seiner Keynote „die Geschichte eures Lebens“. Timeline soll eine bessere Archivfunktion der eigenen Geschichte auf Facebook bieten. Dafür lassen sich wichtige Einträge aus der Vergangenheit sortiert nach Jahren anzeigen. Die neue Timeline-Profilseite lässt sich nahezu endlos nach unten scrollen und zeigt die Lebensgeschichte vor allem in Bildern. Es wirkt wie ein Foto-Blog und war das Highlight der trägen Veranstaltung, die sich über zwei Stunden zog.

Apps sollen sich in die Timeline und den leicht überarbeiteten Newsfeed integrieren lassen. Jedes Profil in der Timeline lässt sich mit einem großen Bild ausstatten. Schön: Bilder lassen sich direkt im Profil bearbeiten. Im Newsfeed dafür wieder mehr Verwirrung. Damit nicht mehr jede Kleckermeldung im Hauptfenster erscheint, werden Dinge, die Freunde gegessen, gesehen oder gehört haben, jetzt in einen Ticker einsortiert. Dieser aktualisiert sich laufend und erschien während der Präsentation teils neben der Seitenspalte, teils darin integriert. So oder so dürfte das rauschen wie der Atlantik.

Medien wie Nachrichten, Videos oder Musik, die über den neuen Social Graph eingebunden werden, erscheinen sortiert im Newsfeed. Klickt man sie an, legen sie sich in einem Layer über die Hauptseite. Darunter sind künftig Dienste wie Spotify, Rdio, Rhapsody, Pandora oder auch Netflix. Alle neuen Funktionen – Timeline, Medien und Social Graph – sollen ab sofort ausgerollt werden und den Nutzern in den kommenden Wochen zur Verfügung stehen.

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Der früher oft hölzern wirkende Zuckerberg zeigte sich auf der Bühne rhetorisch verbessert. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, übertrieb es aber mit Witzen und wirkte dabei unfreiwillig unkomisch. Auch Spotify-Chef Daniel Ek und Netflix-Chef Reed Hastings wirkten verkrampft. Facebook-CTO Bret Taylor kam und kam nicht zum Ende. Während seines Gastauftritts sank die Zuschauerzahl im offiziellen Livestream von zeitweise über 100.000 auf unter 90.000. Beim Publikum sprang der Funke selten über – und bei mir ehrlich gesagt auch nicht. Die neue Timeline macht was her, beim Newsfeed hat man die Chance eines kompletten Redesigns versäumt. Ein nicht zu verachtender Schritt ist Integration aller Arten von Medien. Hier wird Facebook aber noch optisch nachbessern müssen.


(Jürgen Vielmeier, Screenshots: Facebook/livestream)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.