45 Euro und aus Indien: So sieht das billigste Tablet der Welt aus

Jürgen Vielmeier


Indien ist eine aufstrebende Wirtschaftsnation und mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern drauf und dran, schon in wenigen Jahrzehnten das bevölkerungsreichste Land der Welt zu werden. Da darf ein eigenes Tablet eigentlich nicht fehlen, getreu dem Motto: Was die Chinesen können, können wir schon längst. Problem nur: Weite Teile der Bevölkerung sind immer noch bettelarm. Also muss ein Tablet her, das nichts kosten darf, zumindest so gut wie nichts. Gesucht, gefunden und in Indien hergestellt: das Ubislate. Gebaut von der indisch-britischen Firma Datawind unter der Leitung von Suneet Singh Tuli, einem Kanadier mit indischen Wurzeln.

Das Ubislate wurde gestern in Neu-Delhi vorgestellt und ist heute an den Start gegangen. Kostenpunkt: 2,999 Rupien, was laut heutigem Kurs umgerechnet nur etwas mehr als 45 Euro entspricht. Der indische Staat kommt mit 2.200 Rupien (33 Euro) noch billiger dran und hat die Möglichkeit erkannt, mit dem Tablet eine Bildungsoffensive zu starten. Er bietet das Ubislate unter dem Namen „Akash“ („Himmel“) für Schüler und Studenten kostenlos an. Die Hardware? Nicht gerade ein HTC Flyer oder ein iPad 2, aber das darf man für diesen Preis auch nicht erwarten.


Das 7-Zoll-Gerät ist daumendick. Es hat 2 USB-Anschlüsse, einen Kopfhörerausgang und einen Mikro-SD-Kartenslot, mit dem sich der interne Speicher von nur 2 GByte auf 32 GByte erweitern lassen soll. Der Prozessor ist mit 366 MHz getaktet, 256 MByte Arbeitsspeicher sind verbaut. Die Auflösung beträgt 800×480 Pixel, ins Netz geht man über WLAN und angeblich auch GPRS. Das Betriebssystem ist Android 2.2 („Froyo“), also nicht die aktuellsten Versionen 2.3.6 oder 3.2. Der Akku soll den Spaß für drei Stunden mitmachen.

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Das Tablet ist damit natürlich ein absolutes Einsteigermodell. Natürlich reicht es nicht, es an Schüler und Studenten zu verteilen. Der indische Staat müsste mit WLAN in Schulen und Hochschulen dafür sorgen, dass man damit dort auch online gehen kann. Die Initiative erinnert an den Bildungsvorstoß OLPC (One Laptop per Child, im Vorfeld auch oft „100-Dollar-Laptop“ genannt), der nach Jahren der Neuentwürfe letztendlich Ende 2007 produziert wurde. Bis Mitte 2010 wurden über 2 Millionen der Billig-Laptops in Länder wie Peru, Uruguay und Ruanda ausgeliefert. Was haltet ihr von solchen elektronischen Bildungsoffensiven?

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(Jürgen Vielmeier, Bilder: Datawind)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.