AOL will "Huffington Post" und Techcrunch nach Deutschland bringen

Jürgen Vielmeier

Contentoffensive auch in Deutschland? AOL will einige seiner bekannten Webportale aus den USA auch nach Deutschland bringen. Allen voran die „Huffington Post“ im kommenden Frühjahr. Das sagte AOL-Manager Jimmy Maymann auf der Konferenz DLD in Tel Aviv dem Magazin „Meedia“. Für eine deutsche Ausgabe des Bürgerportals „Huffington Post“ sucht AOL aktuell Partner. Los gehen soll binnen eines halben Jahres mit gut einem Dutzend Redakteuren.

Es wäre ein mutiger Schritt, denn ein erfolgreiches, professionell umgesetztes Portal für alternativen, politischen Journalismus habe ich hierzulande noch nicht gesehen. Einmal abgesehen von Carta, das ja mehr oder weniger an den herrschenden Vermarktungsstrukturen gescheitert ist. Wenn AOL die „Huff Po“ hierzulande etablieren will, wird man auch bei der Vermarktung neue Wege gehen müssen und das könnte in der Tat etwas anstoßen. Und dann war auch noch von einem deutschen Techcrunch die Rede.

Es könnte erst der Anfang sein

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Hier wollte Maymann weder etwas bestätigen, noch einen Termin nennen. Er sagte aber: „Ich habe keinen Zweifel, dass Techcrunch in Deutschland funktionieren könnte, es ist eine fantastische Marke“. Techcrunch ist ein US-Mehrautorenblog, das sich vor allem mit Finanzierung und Innovationen von US-Startups und der US-Internetszene befasst. Gut 20 Mitarbeiter hat das Blog in den USA, das vor einem Jahr von AOL gekauft wurde. Eine deutlich kleinere Mannschaft schreibt für Techcrunch EU über die europäische Startup-Szene, in der gerade Berlin derzeit in den Fokus rückt. Wenn man so will, gibt es aber bereits mit t3n oder Golem vergleichbare, deutschsprachige Angebote.

Engadget ist ein US-Blog, das seit einigen Jahren in einer deutschen Version erscheint. Noch im November soll eine französische Ausgabe der „Huff Po“ an den Start gehen, die redaktionelle Unterstützung der renommierten Tageszeitung „Le Monde“ erhält. Auch eine französischsprachige Ausgabe von Techcrunch gibt es bereits.

Hinter AOL steckt viel Geld und Erfahrung in Sachen Vermarktung. In Deutschland allerdings würde man wieder fast bei null beginnen müssen, nachdem man Anfang 2010 alle hiesigen Büros geschlossen hat. Trotzdem: Ich bin guter Dinge, dass deutsche Content-Offensiven von Seiten der Amerikaner hier in Sachen Webvermarktung einen Stein ins Rollen bringen, von dem andere Blogs profitieren können. Spannend wird zu sehen, welchen Partner sich AOL für die „Huff Po“ hier ins Boot holen wird. Nicht ausgeschlossen, dass einer der großen Verlage wie Holtzbrinck oder Burda sich da mal etwas traut.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.