Hotspot-Wüste Deutschland: ein Vorschlag

Jürgen Vielmeier


Wenn einer der gleichen Meinung ist, wie wir selbst, halten wir ihn für intelligent. Ich verleihe diese Eigenschaft damit Dells Marketing Director Petra Wolf. Die hat unlängst gefordert, Deutschland dürfe nicht Nachzügler bei öffentlichen WLANs sein, sondern könnte mühelos Vorreiter werden. „Mobile Systeme boomen, aber beim Ausbau einer kostenfreien WLAN-Infrastruktur hinkt Deutschland deutlich hinterher“, sagte Wolf. In anderen Ländern sei ein öffentliches, leicht zugängliches WLAN längst gang und gäbe und technisch wäre das gar kein großes Problem, es auch hierzulande einzuführen.

Ihre Lösung dafür: „Auch öffentliche Einrichtungen müssen nachlegen, damit etwa Reisende in Bahnhöfen, Zügen oder Flughäfen einfachen WLAN-Zugang erhalten.“ Damit meint sie zusätzliche, vergleichsweise geringe Investitionen von Unternehmen und der öffentlichen Hand. Dabei ginge es eigentlich noch viel, viel einfacher.

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Und zwar, indem Privatleute ihr WLAN einfach unverschlüsselt lassen. „Bist du noch zu retten?“, werdet ihr jetzt fragen. Dann kann doch jeder Kriminelle über meinen Anschluss Kinderpornos verbreiten oder Bankkonten knacken und ich muss dafür haften. Nicht, wenn man das Gesetz ändert und derjenige haften müsste, der sich eingewählt hat, was eben nicht zwingend der Anschlussinhaber ist. Ihr werdet mir hundert Gründe nennen können, warum das nicht so einfach ist und warum man Gesetze nicht so einfach ändern kann. Das ist sicher richtig. Ich wollte auch nichts mehr, als die Idee einmal zur Diskussion stellen. Vielleicht findet sich ja ein Weg. Ähnlich versuchen das ja bereits die fon- und die Freifunk-Initiative.

Wie es noch ginge? Ein Breitbandanbieter, ich sag einfach mal: die Telekom, könnte ihr Hotspot-Netz mit Privatkundenanschlüssen erweitern. Wer sein WLAN für andere öffnet, zahlt im Monat weniger Grundgebühren. Wenn das mal kein Anreiz wäre. Die Telekom sorgt für eine Verschlüsselung und der Rabatt würde gewährt, wenn ein anderer Telekom-Kunde nachweislich auf meinen Anschluss zugegriffen hätte. Es wäre also eine Art Gutschrift. Erweitern ließe sich das noch über ein Bonusprogramm: Greift ein Telekom-Kunde auf meinen Anschluss zu, zahle ich 5 Euro weniger, bei zwei Kunden 10 Euro und so weiter. Das WLAN-Netz in deutschen Städten ist erstaunlich dicht. Das Potenzial ist zumindest da. Wo es doch immer heißt: Sehe erst die Möglichkeiten, dann die Probleme. Discuss!

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Telekom)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.