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Sony Tablet S im Hands-on: Der Android-Keil kommt spät zur Party, bringt aber ein Geschenk mit

Vergleicht man den Werdegang der Netbooks mit dem der Tablets, lassen sich durchaus Ähnlichkeiten feststellen: Die Mini-Rechner gab es zunächst nur als UMPC, sie waren aber teuer und nur etwas für Geschäftsleute. Tablets gab es früher auch nur für den Job und zu hohen Preisen. Dann wagten die PC-Hersteller die Kombination aus den Eigenschaften günstig und einfach zu bedienen und voilà – Massenmarkt statt Nische.

Was außerdem auffällt: Sony stand beiden Gerätschaften offenbar zunächst skeptisch gegenüber. Anstelle eines günstigen Netbooks brachte der japanische Konzern seinerzeit das Vaio P heraus, irgendwie schon ein Netbook, aber doch ganz anders. Auch zur Tablet-PC-Party erscheint Sony sehr spät. Alle anderen sind schon da, haben sich in Ruhe umgesehen und können zum Teil bereits Fotos mehrerer Sprösslinge herumzeigen. Trotzdem bleibt der Hersteller nicht unbeachtet in der Ecke stehen, sondern zückt mit dem Tablet S das etwas andere Android-Tablet. Was hat es, was die anderen nicht haben?

1. Angewinkelte Form

Wer sich die Produktbilder anschaut oder das Gerät im Laden begutachtet, wird sich über die Form des Honeycomb-Tablets wundern. Das Gehäuse sieht so aus, als hätte jemand ein Blatt Papier nicht ganz in der Mitte gefaltet beziehungsweise gebogen. Dadurch ergibt sich eine leichte Keilform. Was zunächst etwas komisch aussieht, erweist sich in der Praxis als absolut tauglich. Das Tablet S liegt sehr gut in der Hand und lässt sich quer fast besser festhalten als ein gleichförmiges Tablet. Das liegt auch am geringen Gewicht; mit 598 Gramm ist das 241x174x10 bis 20 Millimeter große Gerät so leicht wie das iPad 2 (601 Gramm). Eine größere Wirkung entfaltet das kleine Detail, wenn das Tablet auf den Tisch abgelegt wird. Wie auf einer hochgestellten Tastatur lässt es sich angenehmer tippen und auch surfen, als wenn das Tablet plan aufliegen würde.

2. 9,4-Zoll-Display

Punkt 2 springt beim Sichten des Datenblatts ins Auge: ein 9,4-Zoll-Display. 5 Zoll, 7 Zoll, 8,9 Zoll, 10,1 Zoll – kennen wir alles (siehe Wie groß ist das perfekte Tablet?). Aber 9,4? Gut, das iPad setzt mit seinem 9,7-Zoll-Touchscreen auch auf ein ungewohntes Maß, viel wichtiger sind die Auflösung und der Eindruck. Mit den 1.280×800 Pixeln fühlen sich die 9,4 Zoll jedenfalls eher nach 10 Zoll an; es ist genügend Platz für Websites, mehrspaltige Anwendungen oder zum Videoschauen vorhanden. Auch die Blickwinkel fallen nicht zu klein aus.

3. Universalfernbedienung

Das dritte Unterscheidungsmerkmal ist die integrierte, universelle Fernbedienung, die dank Infrarot mit allen möglichen Systemen zusammenspielt. In meinem Wohnzimmer stammt jedes technische Gerät von einem anderen Hersteller und aus einem anderen Jahr, der Strauß an Fernbedienungen ist daher bunt und üppig – die idealen Voraussetzungen für einen Test. Sonys Anwendung liefert eine ellenlange Liste von Herstellern und Geräten inklusive passender Profile für die verschiedenen Fernbedienungstypen. Mein DVD-Player vom Discounter ist dabei, das Layout passt, die Fernsteuerung funktioniert sofort; auch das Wechseln der Tonspuren und Einblenden von Untertiteln. Beim Verstärker aus den 90er Jahren wird es etwas schwieriger, mehrere Layouts stehen zur Auswahl und keines stimmt perfekt überein. Zum Beispiel fehlt überall der Knopf, um den MiniDisc-Player als Soundquelle auszuwählen, aber den wird sicher niemand benötigen. Mit dem ähnlichsten Layout klappt die Ansteuerung der wichtigen Punkte wie die Regelung der Lautstärke und das Umschalten zwischen den Quellen, die noch nicht den Formattod gestorben sind, jedenfalls auf Anhieb. Auf ähnliche Weise kann ich auch den Fernseher und CD-Player schnell abhaken, für den exotischen Digital-TV-Receiver muss ich dem Tablet die Befehle beibringen. Indem die Funktionen der Fernbedienung direkt vor dem Empfänger des Tablets ausgeführt werden, schnappt das Tablet S die Signale auf und speichert sie. Auch das ist schnell erledigt.

4. DLNA-Apps

Als viertes stehen „Medien überall“ auf dem Programm. Sonys Tablet S bringt Apps für DLNA-fähiges Equipment wie Netzwerk-Player oder -Lautsprecher mit, um Videos, Fotos oder Musik von einem Gerät auf ein anderes zu streamen. Sind die Geräte daheim entsprechend ausgerüstet, ist das definitiv ein Pluspunkt.

5. Playstation-Spiele


Nummer 5 ist die Nähe zur Playstation. Das S ist das erste Tablet mit „Playstation-Zertifizierung“ und bringt von Haus aus zwei Spiele der Konsole mit: Crash Bandicoot und Pinball Heroes. Ein Jump’n’Run über eingeblendete Knöpfe auf dem Touchscreen zu steuern, ist anfangs gar nicht so einfach. Es gibt – zwar nicht von Sony, sondern von Drittherstellern – aber auch bereits Joysticks mit Saugnäpfen zum Nachrüsten. Das Flipper-Spiel lässt sich ohne Umwege über Steuerknöpfe bedienen. Wer Nachschub sucht, findet Spiele im PS Store zum Download. Mit zehn Titeln à 4,99 Euro haftet dem Einsatz als Playstation aber noch das Attribut „ausbaufähig“ an.

6. Sony Entertainment Network

Punkt 6 stammt auch aus der Medienecke: digitaler Content. Die Androiden haben es verglichen mit dem iPad beziehungsweise iOS etwas schwerer, wenn es darum geht, an Inhalte zu kommen. Natürlich hat Apples gerne als Mikrokosmos bezeichnetes System seine Nachteile, für den Kunden ist es aber vor allem bequem, alles aus einer Hand zu bekommen. Auch Android-Geräte lassen sich mit Musik, E-Books und Filmen füllen, in der Regel aber nur über separate Apps. Sony bildet mit seinem (in letzter Zeit durch Hacker-Attacken in die Schlagzeilen geratenen) Entertainment Network eine Ausnahme. Mit an Bord sind ein Film- und Musikdienst, die sich als Symbol auf dem Startbildschirm des Tablets verewigt haben. Zu den Preisen: Bei Video Unlimited kostet Transformers 3 zur Ausleihe 3,99 Euro, zum Kauf in SD-Qualität 14,99 Euro. Apples iTunes verlangt den gleichen Betrag für das Leihen und ist beim Kauf 1 Euro günstiger. Music Unlimited ist kein digitaler Plattenladen, sondern bietet eine Streaming-Flatrate im Abo. Daher lohnt sich eine Mitgliedschaft (ab 3,99 Euro pro Monat) vor allem für diejenigen, die häufig verschiedenste Musiktitel anhören möchten. Der Sony Reader Store steht in Deutschland nicht zur Verfügung, Bücher lassen sich innerhalb der App also noch nicht kaufen.

Die Eckdaten des Tablet S: mittlerweile Android 3.2, Nvidia Tegra 2 Dual-Core-Prozessor mit 1,0 Gigahertz, 16 oder 32 Gigabyte interner Speicher, 5-Megapixel-Kamera, VGA-Webcam, UMTS nur in der 3G-Version (noch nicht verfügbar), WLAN, Bluetooth, Kopfhöreranschluss, SD-Karten-Einschub, Mini-USB, UVP ab 479 Euro.

Fazit

Was ist nun das Gesamtergebnis? Zieht man nur die technischen Daten heran, spricht für oder gegen das Tablet S von Sony nicht mehr oder weniger als es bei anderen Honeycomb-Tablets der Fall ist. Das Angebot an Playstation-Spielen ist noch nicht groß genug, um Fans vom Hocker zu reißen, dass Sony jedoch einen eigenen Film- und Musikverleih im Rücken hat, ist ein Vorteil. Die stärksten Argumente für das Tablet S sind aber seine praktische, angewinkelte Form und die eingebaute Universalfernbedienung – zumindest für alle, die wie ich bislang zu faul und/oder geizig waren, um sich genau das zuzulegen. Was stört: der Speicherkartenleser ist nur schwer zu erreichen. Die Karte einzulegen, ist noch okay, das Herausnehmen aber eine Fummelei. Außerdem fehlt mir ein USB-Kabel, um Daten einfach per Drag&Drop am PC auszutauschen.

(Saskia Brintrup)


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Über den Autor

Saskia Brintrup

Saskia Brintrup hat von 2010 bis 2013 insgesamt 66 Artikel zu BASIC thinking beigesteuert.

13 Kommentare

  • Hi, danke für die kurze Zusammenfassung. Habe das Tablet jetzt schon öfters in den Medien gesehen (c’t etc.) aber eigentlich unter „noch ein Tablet…“ abgespeichert. Die Eckdaten hören sich interessant an und der Punkt mit der Universalfernbedienung ist auch cool. Da steigt der WAF direkt an…

    Preis schon bekannt?

    Nachtrag: Preis gefunden, gibt es ja schon überall… 🙂

  • @Dominik:

    Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht, dass man ein solches „Detail“ bei der Vorstellung eines Produkts übersehen kann …

    Das ist sicherlich kein K.O.-Kriterium, aber es gibt schon Gründe, warum alle anderen bisher kein asymmetrisches Design gewählt haben …

  • Hm, wieso ist Hochformat nichts? Wenn ich mit einem Tablet arbeite halte ich es meistens in der Hand, da finde ich die Keilform ergonomischer als ein ultraflaches Tablet. Ich denke da zum Beispiel an eine Zeitschrift die ich aufgeklappt in der linken Hand halte zum Lesen. Aber ist nur ne Vermutung, ich hatte das Tablet S noch nicht in der Hand.

    Ich finde den Ansatz auf jeden Fall interessant.

  • @ Antonius: Richtig, ab rund 475 Euro. Wir haben die UVP jetzt ergänzt.
    Wenn man es mit einer Hand festhält und mit der anderen bedient, ist die Form auch im Hochformat praktischer, finde ich. Aber das ist sicherlich auch Ansichtssache.

    @ Chris: Ja, das Standard-Layout von Android 3 scheint zwar durch (z.B. in den Einstellungen), die Symbole haben aber größtenteils ein anderes Design und sind außerdem animiert: Wenn man durch die Apps scrollt und die Zeilen „festhält“, kann man sie ein Stück auseinanderziehen. Schwer zu beschreiben.

  • Guter Test, die Aussagen kann ich nur unterstreichen. Die Keilform des Tablet S ist wirklich sehr praktisch, innerhalb kürzester Zeit bin ich z.B. vom gedruckten Spiegel auf die App umgestiegen. Das Display ist klasse, die Fernbedienungs-Funktion genial und der Standard-Browser arbeitet extrem schnell – schneller als Opera Mini o.ä.
    Allerdings nerven hin und wieder auch kleine Details, wie das im Text beschriebene Problem mit der SD-Karte oder dass sich das WLAN im Stand-by-Betrieb immer abschaltet – auch wenn man diese Energiespar-Funktion deaktiviert hat.

    Hoffentlich gibt’s bald ein Update auf Ice Cream Sandwich…

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