Digitales

SOPA: So protestiert das Web


Junge, Junge. Hitzige Diskussionen gleich heute Morgen hier im Büro. Viele Webseiten in den USA und in Deutschland protestieren heute auf verschiedene Weise gegen SOPA. Die Frage, die sich stellt, ist: Betrifft uns das überhaupt? Wie sinnvoll ist es, in Deutschland dagegen zu protestieren? Und warum trägt man in Deutschland nicht Schwarz wegen Ungarn oder Weißrussland?

Immerhin: Ein Protest innerhalb der USA ist sehr löblich: Viele millionenfach besuchten Websites protestieren in irgendeiner Weise gegen das fragwürdige Gesetz, erregen damit Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und erhöhen damit den Druck auf den Kongress. Wir haben euch kurz zusammengestellt, wie das Web heute protestiert.

Ruft man die englischsprachige Wikipedia auf, erscheint für einige Sekunden ein Ausschnitt der Startseite mit dem Artikel des Tages über den Singer-Songwriter Nick Drake. Danach leitet die Seite um und Wikipedia wird schwarz:


Viele Websites sind heute geschwärzt, wie die Website von Michael Moore:


Google hat kein eigenes Doodle geschaltet, das nur mit einer US-amerikanischen IP-Adresse zu erreichen ist. Ferner gibt es unter diesem Motto eine Unterschriftenaktion gegen SOPA:


WordPress bietet ein Plugin an und warnt auf der Startseite in Form geschwärzter Blogs vor möglichen Auswirkungen, sollte SOPA in Kraft treten.


Die Huffington Post begrüßt ihre Leser an Stelle des ansonsten prominent platzierten Fotos mit einem schwarzen Aufmacher. Darunter allerdings finden sich, wie gehabt, die täglichen Nachrichten.


Auch nicht schlecht: Wired hat Textpassagen auf seiner Startseite geschwärzt:


Auf der Startseite der Webkuriositätensammlung BoingBoing erscheint heute ein Error 503, Website heute nicht verfügbar:


Mozilla warnt direkt im Browser Firefox beim Öffnen eines neuen Tabs vor SOPA:


Und Web-Cartoonist „The Oatmeal“ hat in einem animierten GIF seinen Protest gegen SOPA zum Ausdruck gebracht:


In Deutschland warnt unter anderem Netzpolitik vor SOPA. Die Startseite leitet auf diese Seite um:


Auch Spreeblick ist mit von der Partie:


Und der Blog-Aggregator Rivva:


Auch Reddit und das Cheezburger-Network haben zumindest temporäre Proteste angekündigt, von denen zur Zeit (11 Uhr deutscher Zeit) aber noch nichts zu sehen ist – es ist noch Nacht in den USA. Reddits Blackout soll gegen Mittag unserer Zeit starten und 12 Stunden dauern. Was es jetzt schon gibt, ist ein Song im Stile des Klassikers „American Pie“: „The Day the LOLcats died“:

Eine gemeinsame Aktion wird nicht gefahren und in den USA ist umstritten, wie protestiert werden soll. Zur Stunde ist auf den US-Startseiten etwa von Twitter, Facebook und Tumblr nichts von einem Protest zu sehen. Auch die größten US-Techblogs wie Mashable une Techcrunch halten sich zurück. Sie protestieren zwar gegen SOPA, berichten vom Protest, aber tragen kein Schwarz.

Im US-Kongress wurde eine Abstimmung über SOPA auf den Februar vertagt, was aber noch nicht heißt, dass der Entwurf vom Tisch wäre. Warum das geplante Gesetz auch Auswirkungen auf Europa haben könnte, schreibt die Digitale Gesellschaft in dieser Stellungnahme. In Europa steht derzeit mit ACTA ein Gesetzesentwurf mit ähnlichen Auswirkungen zur Debatte.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

23 Kommentare

  • Ich finde die Initiative gut. Ist nur lustig wie oft ich auf Wiki unterwegs bin. Ich bin heute schon paar mal vor der geschlossenen Tür gelandet! 😉

  • Bei WordPress.com gibt es unter „Dashboard -> Einstellungen -> Protest SOPA/PIPA!“ auf die Möglichkeit, das eigene Blog zwischen 8AM und 8PM EST abzuschalten.

    Warum Facebook & Co. nicht protestieren, ist mir ja ein bisschen ein Rätsel.

  • bin mir nicht sicher, ob sich die Frage „Betrifft uns das überhaupt“ wirklich stellt. Wenn uns die Internetentwicklung etwas gelehrt hat, dann doch wohl, daß wir anfangen müssen über Ländergrenzen hinweg zu denken. Die Vernetzungen sind so komplex und undurchsichtig, daß es schwierig ist zu entscheiden was uns wann betrifft. Ich kann mich z.B. erinnern, daß ich mich vor ein paar Jahren mal gefragt habe, was uns die amerikanische Immobilienkrise angeht, bis diese uns dann eine globale Wirtschaftskrise beschert hat.

  • @#3: Richtig.

    Und es ist schon ein Unterschied, ob Weißrussland oder die USA zensieren.
    Ich weiß gar nicht, was diese Anspielung und die Grundsätzliche Frage nach Solidarität überhaupt sollen.

  • Warum man in Deutschland nicht schwarz wegen Ungarn oder Weißrussland trägt ist doch eigentlich schnell erklärt. Im SOAP Fall denken viele eben an sich selber und das sie da evtl. mal betroffen sind und was weggenommen bekommen. Da demonstriert es sich eben leichter. Liegt wohl leider einfach in der Natur des Menschen. Daher auch bei uns kein schwarz, den es gibt schlimmeres auf der Welt für was sich sowas mal lohnen würde.

  • Naja, das muss halt jeder für sich selbst entscheiden. Gegen die Gesetze in Ungarn geht die EU ja jetzt vor und in Weißrussland ist es eben so, dass es die Leute vor Ort betrifft. Die Regierung interessiert es dort relativ wenig, was ausländische Seiten zu ihren Gesetzen sagen. Es ist also ein regionales Problem, was auch nur regional gelöst werden kann. Das was in den USA beschlossen werden soll, und mit ACTA ja auch in der EU, hat da schon größere Auswirkungen auf das gesamte Internet, also auch auf das Deutsche. Und da sollte dann eben jeder entscheiden, ob er dagegen Protestieren will oder nicht. Treffen könnte das Gesetz am Ende alle.

  • Danke, sehr schön zu sehen, dass sowas immer mehr mediale Beachtung bekommt – würde ich mir für Deutschland und die ganzen geplanten Zensur-Massnahmen auch wünschen – der Gaul des Kampfes gegen den Terror ist doch mittlerweile totgeritten, mit dem Milliardenmarkt KiPo wollte man uns auch verarschen, mal sehn welche Sau als nächstes durchs Dorf getrieben wird um die VDS oder DNS Sperren durchzudrücken

  • Nach der Logik gibt es immer angeblich „Schlimmeres“ wie Weißrussland oder Nordkorea, also Schnautze halten, Arbeiten, Konsumieren und Beten, genau das möchten alle unsere Regierungen.
    Niemand soll mehr Demonstieren oder eine unliebsame Meinung Äußern „müssen“, es ist in den sogenannten „guten“ Staaten zwar grundsätzlich Erlaubt, aber zwecks der Demokratie, Ruhe und Ordnung Unerwünscht.
    Die Wahrheit, es ist KEIN Unterschied ob Weißrussland oder die USA zensieren, Zensur bleibt Zensur, wie auch der Polizeiknüppel genauso Weh tut ob in Stuttgart, Minsk oder New York.
    Zudem wissen alle Beteiligten das DNS Sperren in 3 min Ausgehebelt sind , was wird wohl passieren wenn das auch die Regierenden merken und dem Gesetz Geltung verschaffen wollen?
    Genau darauf wird von der Rechteindustrie Spekuliert bald heißt es, da DNS Sperren nicht Wirken müssen bessere Methoden her, aber genau das wäre das endgültige Ende des weltweiten „freien“ Netzes und wohl die Entstehung eines vollständig überwachten Konsum Netzes.

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