Sonstiges

Kampagne gegen Sex-Domains: Christliche US-Organisation will .sex, .porn und .adult stoppen

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Und überschreitet dennoch vielfach individuelle, gesellschaftliche sowie moralische Grenzen. Das gilt auch und insbesondere für Pornografie. Vor allem in den USA sorgt die exzessive Nacktheit im Netz seit Jahren für erbitterte Kämpfe zwischen einer starken religiösen Rechten und den Betreibern einschlägiger Websites. Einer der ältesten Gegner der Rotlichtindustrie ist dabei die christliche Non-Profit-Organisation Morality in Media, die seit 1962 gegen Pornografie in jeder Form zu Felde zieht.

Im Rahmen ihrer Kampagne Porn Harms trommelte MiM dabei auch jahrelang gegen die Sex-Domain .xxx – ironischerweise Seite an Seite mit der Free Speech Coalition, dem Verband der US-Pornobranche, der sich nicht in einen digitalen Sperrbezirk drängen lassen wollte.

Die Moralwächter setzen hingegen alles daran, (wissenschaftlich) zu beweisen, dass so ziemlich jedes gesellschaftliche Übel in den USA irgendwie mit harter Pornografie in Verbindung steht – von Menschenhandel über Gewalt gegen Frauen bis hin zum Drogenmissbrauch. Und wer gegen ihre Prinzipien agiert, wird öffentlichkeitswirksam angegriffen.

Auch Groupon machte damit bereits Bekanntschaft: Nach einem MiM-Boykott-Aufruf nahm die Rabatt-Plattform im April ein Angebot aus dem Programm, bei dem Gutscheine für den Besuch eines Porno-Studios offeriert wurden und versprach, derartige Inhalte künftig nicht mehr zuzulassen. Mehr als 20.000 MiM-Anhänger hatten das Portal zuvor mit einer Flut an Protestmails überhäuft und so zum Einlenken gezwungen.

Ähnliches könnte nun der Domain-Verwaltungsorganisation ICANN bevorstehen, die gerade mit der Vergabe neuer Top Level Domains (new TLDs) beschäftigt ist – darunter ebenfalls die Endungen .sex, .porn und .adult. Angesichts des laufenden Zulassungs- und Prüfungsverfahrens will MiM im Rahmen einer neuen Protest-Kampagne nun massiv auf die Ablehnung der Anträge drängen – und nimmt einen alten Gegner ins Visier. Denn alle drei nTLDs wurden von ICM Registry beantragt, dem gleichen Unternehmen, das bereits die Endung .xxx verwaltet. Dessen Griff nach weiteren schlüpfrigen Adressbereichen soll nun durch eine Flut von Beschwerden gestoppt werden.

Die nötige Plattform für Beschwerden bietet die ICANN selbst. So ist es noch bis zum 12. August möglich, Anmerkungen und Kommentare gegen einzelne Domain-Vorschläge einzureichen. Zusätzlich stellt MiM auf seiner Website noch ein Online-Formular zur Verfügung, über das sich vorformulierte Protestschreiben an den US-Präsidenten und Vize-Präsidenten sowie hochrangige Kongress-Abgeordnete versenden lassen.

Dabei geht es womöglich auch um das Begleichen offener Rechnungen. So weist Domain-Experte Kevin Murphy von domainincite.com darauf hin, dass .sex noch von einem zweiten Bewerber beansprucht werde, MiM aber ausschließlich dazu aufrufe, gegen ICM Registry vorzugehen. Offiziell begründet die Organisation ihre Aktion derweil vor allem damit, dass zusätzliche Sex-Domains eine Ausweitung von Pornografie im Netz nach sich zögen. Dies habe bereits die Einführung der .xxx-Domain gezeigt.

Darüber hinaus seien Universitäten, Politiker, Künstler oder Unternehmen gezwungen, wiederholt „Schutzgeld“ an den Domain-Inhaber zu zahlen, um ihre Namen vorsorglich gegen Missbrauch registrieren zu können. Zumindest letzteres ist laut Murphy allerdings Panikmache. So habe ICM Registry offiziell zugesichert, in derartigen Fällen automatisch Vorab-Reservierungen einzuräumen.

(Christian Wolf)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Naja man kann es auch übertreiben. Es sollten die ganzen Portale gesperrt werden, die ohne Jugendschutz im Internet erreichbar sind. Wenn ein Jugendschutz vorhanden ist, sehe ich kein Problem.

  • […] Kampagne gegen Sex-Domains: Christliche US-Organisation will .sex, .porn und …Basic Thinking (Blog)Im Rahmen ihrer Kampagne Porn Harms trommelte MiM dabei auch jahrelang gegen die Sex-Domain .xxx – ironischerweise Seite an Seite mit der Free Speech Coalition, dem Verband der US-Pornobranche, der sich nicht in einen digitalen Sperrbezirk … […]

  • Ziemlich wirsch was die selbsternannten Moralwächter da tun und versuchen in den Griff zu kriegen mit Massenprotesten. Herrscht dort Langeweile? Besser wäre es doch sich so akribisch für Jugendschutz einzusetzen, dass bestehende Online-Inhalte einfach sicherer werden. Da ist es wirklich völlig egal, welche Endung eine Seite hat.

  • Stimmt@Martin. Genau das erschliesst sich mir auch nicht so wirklich. Wahrscheinlich zuspammen und ihrer ganz wirschen Argumentationslinie folgen…

  • Also ein neuer Kampf den Porno-Terrorismus …… 😉
    Als hätten die USA keine anderen Sorgen.
    ich denke aber das selbst Amerikaner Nackt auf die Welt kommen zum Entsetzen der Moralwächter.

  • Als Inhaber einer Domain, die nur das Wörtchen beinhaltet, muss ich mir vorerst wohl keine Sorgen machen?
    Aber da jede Medaille eine zweite Seite hat, sollte man zumindest mal den Ansatz der Moralaposteln in seine eigenen Überlegungen einbeziehen.

  • …also ich wüsste da einen Weg, wie (besonders die weiblichen) Mitglieder Leute am betreten von Pornoseiten abhalten könnten! :p

  • Durch das Internet haben es die Moralisten immer schwerer. Früher war es einfach einen Film oder ein Buch zu verbieten. Die Zeiten sind vorbei. Das Internet lässt keine Zensur mehr zu.

  • Was bitte ist so wichtig an Porno Seiten im Internet. diejenigen die sich damit befassen, sollen sich lieber mit dem Zwischenmenschlichen mal befassen und wohl eher mal anfangen Kontakte in der Öffentlichkeit zu suchen um das Bedürfnis zu befriedigen. Man wir es eh nicht schaffen alle Seiten aus dem Netz zu bekommen. Man sollte liebe die Nachfrage stoppen um das Angebot zu schrumpfen. Betriebswirtschaftliche Realität wenn die Nachfrage groß ist wächst auch das Angebot. Ist die Nachfrage null wir es auch keine Anbieter mehr geben. Aber das wird wohl nur ein Traum bleiben und nicht zur Realität werden.

  • Die Erotik- und Pornoindustrie war immer eine der Ersten, welche derartige Medien für sich entdeckte und diese wohl auch mit dem Traffic dominiert. Das war schon beim BTX so und wird immer so sein. Selbst bei den Videoabspielformaten wie VHS oder BluRay, war die Pornoindustrie das Zünglein an der Waage. Moderne Medien für uralte Triebe.

  • also ich finde es sollten aufjedenfall altersbeschränkungen eingerichtet sein.
    Im großen und ganzen kann ich mir nciht vorstellen, dass Pornoseiten jemals an Stellenwert verlieren.. Leider leider.

  • Die Frage die sich bei solchen Themen immer wieder stellt ist: „Wo beginnt die „Pornografie“ ? Als Unterhaltungskünstler werde ich zwangsläufig immer wieder aufs Neue mit dieser Branche konfrontiert.
    Verschwinden wird sie nie. Es gab sie schon im „alten Rom“, nur wurde das Wort: „Porno“ erst später erfunden.
    Der Blickwinkel ändert sich drastisch je nach Kultur, Religion , Erziehung der Zeitepochen sowie der rein persönlichen Betrachtungsweise. Was vesteht man unter „Pornografie ? Was die einen als harmloses Sexfilmchen einstufen und dazu belustigend gesalzene Erdnüsse knappern, kann für einen tiefreligiösen Menschen bereits „Teufelswerk“ sein. Was noch vor 30 Jahren die Sittenwächter und die Gerichte beschäftigt hat, wird heue nur noch mitleidvoll belächelt. Es gab Zeiten ( für die heutige junge Generation nicht nachvollziehbar) da galt selbst das Zusammenleben ohne Trauschein als „unmoralisch“ und wurde bestraft! ( sogenannte „wilde Ehe“ )
    Auch heute noch ( besonders in der islamischen Kultur) gilt dies als „undenkbar“ und wird entsprechend hart bestraft.
    Ingmar Bergmanns Kinofilm „Das Schweigen“, sorgte vor 40 Jahren für Skandale und heisse Köpfe und entsprechende Headlines in der Boulevardpresse, obwohl die sogenannten „schlimmen Szenen“ von der heutigen Sicht aus gesehen, sich geradezu puritanisch anmuten.
    Es gibt aber auch für mich ganz klare Grenzen, nämlich dort wo die eigentliche Perversität anfängt. Dazu zählt Sex mit Kindern und Tieren. Kinderprornografie ist für mich etwas vom Fiesesten und Hinterhältigsten was es gibt. Diejenigen welche das als Stimulanz brauchen sind klare Fälle für die Psychiatrie und zu bemitleiden.
    Aber diejenigen welche solche Filme mit Kinden produzieren sind meiner Ansicht nach Schwerverbrecher und gehören hinter Schloss und Riegel.
    Ich habe deshalb auch auf der Newsseite meiner Homepage einen entsprechenden Link publiziert. Und ich möchte wirklich aus tiefster Überzeugung alle User auffordern sich für den Schutz unserer Kinder einzusetzen. Das sind wir unseren Kleinen schuldig.

  • Von diesen selbsternannten Moralwächern bloss keine Vorschriften machen lassen… Die selber hinter versschlossen Türen ihre irre Welt ausleben,diese scheinheiligen.. Bääh.. Mia

Kommentieren