Twitter führt strengere Auflagen für Drittanbieter ein, treibt sie in die Arme von App.net

Jürgen Vielmeier

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Twitters Ökosystem. Bitte keine neuen Anwendungen mehr oben rechts.

Twitter hat heute früh die neue Version 1.1 der eigenen API vorgestellt. Erwartungsgemäß müssen sich die Anbieter von Twitter-Apps darin stärkeren Auflagen beugen. Der Plattformanbieter verkauft die neuen Regeln als Qualitätsvorstoß, was teilweise sogar stimmen mag. Apps müssen sich etwa künftig über OAuth identifizieren, was es Wald- und Wiesen-Apps schwieriger macht, Daten abzugreifen. Andere Funktionen als Antworten, Retweeten, Favorisieren soll Dritten nicht mehr erlaubt sein.

Praktisch jeder Client, der auf die API zugreift, muss von Twitter genehmigt werden. Drittanbieter, die mit mehr als 1 Million (bei Kernfunktionen: 100.000) Mitgliedern auf Twitter zugreifen, müssen sich mit Twitter in Verbindung setzen, um eine Genehmigung zu erhalten. Wer diese Zahl schon jetzt überschreitet, darf sie noch einmal verdoppeln, mehr aber auch nicht, bevor eine Genehmigung fällig wird. Wo man ebenfalls sehr stark in das Konzept anderer eingreift: Clients soll es nicht mehr erlaubt sein, die Twitter-Timeline mit anderen Informationen wie Facebook-Stati zu vermischen. Die Reaktion der Twitter-Entwickler geht auseinander.

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Mehr Qualität, mehr Beschränkungen

Bei GigaOM hat man einige Stimmen dazu gesammelt. YouTube-Entwickler Hunter Walk begrüßt einige der Regelungen als nachvollziehbare Qualitätsmaßnahme. Und auch Paul Haddad vom Client-Anbieter Tweetbot sieht noch keinen Grund zur Panik: „Der Himmel fällt uns damit nicht auf den Kopf.“ Das von Twitter gesetzte Limit sei ziemlich hoch, für Tweetbot ändere sich nichts. Next-Web-Redakteur Matthew Panzarino malt ein düstereres Bild: „Da gibt es nichts zu beschönigen. Diese Änderungen werden das Wachstum von Twitters Ökosystem an Drittanbietern, wie wir es kennen, effektiv töten.“

Alle sind sich allerdings einig, dass Twitter die API künftig sehr strikt kontrolliert. Die Änderung auf diese Art und Weise einzuführen, ist geschickt. Mittelfristig muss kein Drittanbieter etwas befürchten, der sich gut mit dem Dienst stellt. Allerdings hat Twitter sich offen gelassen, den Spielraum zu verringern. Und wer sein eigenes Süppchen kocht, wird nach Hause geschickt. Genau das wollte man bei Twitter erreichen: Es geht in Richtung eines geschlossenen Ökosystems mit eigenen Apps. Aber niemand, der sich an die „Spielregeln“ hält, wird öffentlich ausgeschlossen. Zumindest noch nicht. Bisherige Clients dürfen bestehen bleiben, Twitter wies allerdings schon vor Monaten darauf hin, dass man sich keine neuen Twitter-Clients wie Echofon mehr wünsche.

Neue App-Anbieter werden damit geradezu in die Arme von App.net getrieben, Dalton Caldwells bald startendem Anti-Twitter. Dort werden App-Entwickler begrüßt, sie sollen niemals irgendwelchen Beschränkungen unterlegen sein. Das dürfte für Apps wie Flipboard, die massiv vom Twitter-Content leben, nur ein schwacher Trost sein.

(Jürgen Vielmeier, Grafik: Twitter)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.