Samsung zwingt Blogger zur Mitarbeit auf der IFA, verweigert ihnen den Rückflug [Update]

Jürgen Vielmeier

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Update unten.

Schon eine harte Geschichte, die „The Next Web“ da auftischt: Samsung lud Blogger aus Indien im Rahmen des Wettbewerbs „Samsung Mob!lers“ zur IFA nach Berlin ein und forderte dort von ihnen, der Presse Samsung-Produkte vorzustellen, Kleidung im Samsung-Outfit zu tragen und ganz allgemein für Samsung zu arbeiten. Als die Blogger das verweigerten, drohte Samsung ihnen damit, Hotel und Rückflug zu stornieren und sie in Berlin ihrem Schicksal zu überlassen. „The Next Web“ hat sich die Geschichte nach eigenen Angaben von mehreren Beteiligten verifizieren lassen, nur einer aber, Clinton Jeff von „Unleash the Phones„, stimmte zu, seinen Namen öffentlich zu nennen.

Das Thema ist der Aufreger des Morgens und klingt für mich nach einem Missverständnis. Auch wir wurden und werden zuweilen von Samsung zu Veranstaltungen eingeladen und die Zusammenarbeit ist eigentlich immer gut. Zusagen werden eingehalten. Es war für den Konzern oder die beteiligten Agenturen nie ein Problem, wenn man kritisch über Produkte berichtete, gar nicht berichtete oder im Rahmen größerer Veranstaltungen anderer Produkte auf der Messe Samsung sein ließ. Jeff erlebte es leider anders, und auch ein bislang mageres „Bedauern“ von Seiten des Herstellers gibt mir Rätsel auf.

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Vorfall sollte nicht nach außen dringen

Jeff versuchte bereits vor der Reise klarzustellen, dass er die Einladung gerne akzeptierte, aber nur über das berichten wolle, was ihn interessierte, und sei es eben vielleicht auch nicht Samsung. Das Unternehmen und die beteiligte Agentur sicherten ihm im Vorfeld zu, dass das kein Problem werden würde. Dennoch erhielt er Anfragen nach seiner Konfektionsgröße, weil er auf dem Stand ein Samsung-T-Shirt tragen solle. Einen Ansprechpartner in Indien, um das zu besprechen, erreichte er nicht.

In Berlin angekommen, sollten er und die anderen Blogger dann tatsächlich für Samsung arbeiten, mit Samsung-Produkten für die Presse posieren und auch im Rahmen einer Spaßveranstaltung im Stile von „Where the Hell is Matt“ vor der Kamera tanzen. Ein absolutes Unding für jemanden, der kritisch über Produkte berichten will. Jeff lehnte ab und erhielt am Telefon vom zuständigen Samsung-Mitarbeiter die Drohnung, wenn er nicht mitarbeite, würden sein Hotel und sein Rückflug sofort storniert.

Reporter und Promoter

Schließlich soll Samsung vor Ort einem Rückflug bereits am vergangenen Samstag zugestimmt haben, „wenn, und nur wenn, wir auf dem Samsung Unpacked Event ein blaues Samsung-T-Shirt tragen würden“, erklärt es Jeff. Und wenn er verspreche, nichts über den Vorfall nach außen dringen zu lassen. Einen Tag nach der Produktpräsentation von Samsung auf der IFA erhielt Jeff außerdem die erstaunt klingende Nachfrage per Mail, warum er nicht darüber berichtet habe.

Lars vom Blog „All About Samsung„, der von Samsung in ähnlichem Rahmen zur IFA eingeladen wurde, versucht, das Missverständnis aufzuklären: Samsung lade oft Personen zu Veranstaltungen ein und unterteile sie in „Promoter“ (Stand-Personal) oder eben „Reporter“. Jeff wurde offenbar als „Promoter“ eingestuft und auf den Kommunikationswegen zwischen Agentur und Konzern könnte diese wichtige Information verloren gegangen sein. Dennoch halte ich das Verhalten von Samsung für ein absolutes Unding, das einer Erpressung gleichkommt. Jemandem, den man eingeladen hat, damit zu drohen, ihn in einem fremden Land tausende Kilometer von der Heimat entfernt versauern zu lassen, geht überhaupt gar nicht.

Samsung bedauert Missverständnis, aber entschuldigt sich nicht

Von Samsung erhielt ich auf Nachfrage gerade eine Stellungnahme, die mir allerdings nicht wirklich ausreicht. Dort heißt es, von mir frei aus dem Englischen übersetzt und Hervorhebung ebenfalls von mir:

Samsung Mob!lers ist eine freiwillige Community aktiver Nutzer von Samsungs Mobilfunkgeräten, denen die Möglichkeit gegeben wird, an unseren Marketingveranstaltungen rund um den Globus teilzunehmen. Auf diesen Veranstaltungen sind alle Tätigkeiten, die sie übernehmen, auf freiwilliger Basis. Ihnen werden keine Tätigkeiten aufgedrängt.

Wir bedauern, dass es ein Missverständnis zwischen Koordinatoren von Samsung Mob!lers und dem betreffenden Blogger gegeben hat. Unserem Verständnis nach wurde er nicht ausreichend über die Natur der Tätigkeiten von Samsung Mob!lers auf der IFA unterrichtet. Wir haben versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Weil das bisher alles ist, seht ihr mich gerade ziemlich fassungslos: Man bedauert das Missverständnis, das es ganz offenbar gegeben hat, entschuldigt sich aber nicht dafür, dass man Jeff und anderen Bloggern damit gedroht hatte, sie in Berlin versauern zu lassen. Außerdem stimmt es nach verbriefter Aussage der Betroffenen nicht, dass ihnen angeblich keine Tätigkeiten aufgedrängt wurden. Ich hoffe, man belässt es von Samsungs Seite nicht dabei, sondern schickt schnell eine echte Entschuldigung und eine angemessene Wiedergutmachung hinterher. Sonst wäre ich schwer enttäuscht.

Update, 21.40 Uhr: Na endlich, da ist sie, die Entschuldigung. Samsung schreibt an „The Next Web“, es tue ihnen zutiefst Leid und man werde sich um eine angemessene Entschädigung bemühen. /Update

Jeff und die anderen Blogger aus Indien hatten übrigens Glück im Unglück: Ihre Rückflugtickets wurden schließlich von einer anderen Firma bezahlt. Jeff schreibt auf Twitter, dass Samsung-Rivale Nokia eingesprungen sei.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.