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Alle Jahre wieder: Wikipedia bittet um Spenden

Wer kann diesem Jimmy Wales bei diesem Blick eine Spende abschlagen?
Wer kann diesem Jimmy Wales bei diesem Blick eine Spende abschlagen?
geschrieben von Adrian Bolz

Jimmy Wales Da ist er wieder, der alljährliche Spendenaufruf von Wikipedia. Auf (scheinbar) allen Wikipedia-Seiten ist ab sofort ein grünes Banner geschaltet, auf dem in weißer Schrift die Bedeutung der Online-Enzyklopädie hervorgehoben wird. Gemeinnützigkeit, Unabhängigkeit ergo Werbefreiheit und die Selbstverständlichkeit, mit der „450 Millionen Menschen“ Wikipedia jeden Monat nutzen, werden als Kriterien genannt, die eine Spende rechtfertigen sollen. Klickt man auf das Banner erscheint der eigentliche Spendenaufruf von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Er beginnt mit den Worten „Ich bin ein Freiwilliger“… Der Rest ist bekannt: Tausende schreiben ihre Beiträge für lau, wir sind klein aber fein, arbeiten hart und wollen die Welt ein wenig besser machen. Dafür brauchen wir Sie, bzw. Ihr Geld. (sinngemäße Wiedergabe)

In einer der vergangenen Kampagnen erschien sogleich das Gesicht von Jimmy Wales auf der Website und, hach, wer könnte da schon nein sagen, wenn dieser hart arbeitende, ehrbare Webpionier unser Geld braucht? Ich konnte es nicht und habe ohne zu zögern gespendet. Wenig später habe ich die auf Wikipedia veröffentlichten Spendeneinnahmen betrachtet und mir gedacht: „Mein Gott, so viel Geld, an nur einem Tag.“ (Veröffentlicht wurden die jeweiligen Tageseinnahmen) Es handelte sich um einen Wert zwischen 20.000 und 30.000  Euro. Viel Geld. Aber nur auf den ersten Blick.

Immerhin 200 feste Mitarbeiter wollen weltweit bezahlt, Server betrieben und die Software stetig verbessert werden. In den Tätigkeitsberichten kann sich ein jeder darüber informieren, wohin seine Spende fließt. Zwischen dem 01. Juli 2010 und dem 30. Juni 2011 wurden beispielsweise 20.098.564 Dollar für den Betrieb von Wikipedia aufgewendet. Die größten Posten entfielen dabei mit 8.869.675 Dollar auf die Wartung der Website und die Verbesserung der Software, gefolgt von den allgemeinen Verwaltungskosten in Höhe von 3.636.236 Dollar. Ein teurer Spaß, verglichen mit Webunternehmen ähnlicher Größe beziehungsweise Reichweite aber vermutlich bescheiden.

Aktuelle Spendenaufruf bei wikipedia.de

Was bedeutet mir die Wikipedia eigentlich? Verdammt viel! Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich sie nicht nutze. Ein unbekannter Begriff? Wikipedia! Ein historisches Ereignis? Wikipedia! Was zum Teufel ist eigentlich der Memex? Wikipedia! Und immer so fort. Seitdem der verstaubte Brockhaus der Eltern nicht mehr griffbereit (und obendrein veraltet) ist. Ist die Wikipedia für mich das Mittel der Wahl. Sie ist ein Projekt, für das ich das Web so liebe: Innovativ, (zumeist) blitzgescheit und unendlich praktisch. Auch wenn mir der Spendenaufruf ob seiner Penetranz in spätestens drei Tagen auf die Nerven gehen wird. Wisst ihr, was ich jetzt mache? Ich spende ein paar Euronen an Wikipedia. Das ist sie mir verdammt noch mal wert.


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Über den Autor

Adrian Bolz

Adrian Bolz lebt und arbeitet als Online-Redakteur in Köln. Liebt neben den Weiten des Webs auch die Kultur – im weitesten Sinne. Adrian hat von 2012 bis 2013 für BASIC thinking geschrieben.

22 Kommentare

  • Durch das Spenden kriegst du den penetranten Banner da oben auch nicht weg. 😛

    Ich denke, ich werde dieses Mal auch was Spenden. Wikipedia nutze ich weit öfter als andere Dienste, für die ich bereit bin, zu zahlen.

    • Das Geld floss (2009) also auch in „Schwesternprojekte“ und nicht ausschließlich in Wikipedia. Ein berechtigter Einwand. Die Anzahl der Mitarbeiter scheint sich wenigstens seit 2009 erheblich verändert zu haben. Von damals neun auf jetzt über 200. Auch bei karitativen Spenden kommt von dem gespendeten Euro wegen der Verwaltungskosten leider nur noch ein Bruchteil am Ziel an. Ein Dilemma. Dennoch: Wikipedia ist toll! Und finanziert sich über Spenden. Optimierungsbedarf scheint hier wie bei Spenden generell aber gegeben zu sein.

  • Wikipedia ist zum großen Teil mittlerweile eine Ideologieschleuder, die sich als Enzyklopädie tarnt. Von den eigenen Ansprüchen und Richtlinien wird nur dann etwas befolgt, wenn es den entsprechenden Leuten genehm ist. Das trifft nicht auf alle Artikel zu, aber politische, feministische und esoterische Ansichten drängen darauf, als einzige dazustehen. Ungenehme Kritik wird unterdrückt. Schade um die Idee. Man sollte das trotzdem nicht mehr unterstützen.

  • ich habe im Laufe meines Studiums viel mit Wikipedia gelernt. Oft umfangreicher als das entsprechende Kapitel im Fachbuch und meist die neuesten Leitlinien integriert. Nicht zuletzt meist auch besser geschrieben. Sicherlich muss man Wikipedia mit Bedacht nutzen, aber um sich Grundlagen anzueignen war es für mich oft den teuren Fachbüchern überlegen.

  • Mir ist letztens das aufgefallen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Mormonentum

    Ein Themenportal, als ob diese „Kirche“ völlig unproblematisch wäre. Aussteiger berichten leider anderes. Das ist schon mal ein Grund, dass Wikipedia von mir keinen Cent bekommt. Verglichen mit anderssprachigen Ausgaben ist die deutsche sogar bei Themen, die Deutschland betreffen, oft rudimentär. Beispiel:

    http://fr.wikipedia.org/wiki/Coupole_d%27Helfaut

    Um diesen Artikel in das deutsche Wikipedia zu integrieren, braucht es hier nur Übersetzungsarbeit. Diese aufdringliche Art der Bettelei hält mich sowieso ab. Was kommt als nächstes? Ein Layer und wenn ich den wegklicke, gehen 3 Pop-ups auf?

    • Also ehrlich. Prinzip nicht verstanden. 🙂 Jetzt bist DU gefragt! Übersetzte den Artikel und allen ist geholfen.

  • Wikipedia ist meine Anlaufstelle für alle Wissensfragen schlechthin – umso mehr als nun auch noch das iPad und iBooks direkt darauf zugreifen. Für die intensive Nutzung seit Jahren hat Wikimedia/pedia jetzt auch von mir mal 30 Euro bekommen – sogar absetzbar als Spende 🙂 Jedenfalls ist meine Nutzungsfrequenz das allemal wert… und ich hoffe, dass mir und meinetwegen auch Dir und Ihnen dieser noch relativ unabhängige Dienst weiterhin werbefrei und eben ohne Popups erhalten bleibt…

  • Ich habe die letzten Jahre gespendet. Jetzt tu ich das nicht mehr.
    Grund ist, dass Wikipedia, vor allem der deutsche Teil, immer mehr Wissen als „nicht relevant“ deklariert und löscht.
    Für Allgemeinwissen brauche ich Wikipedia nicht und wenn sie „unwichtiges“ löschen, also das, was man nicht weiß und wo man nachschlagen müßte, ist Wikipedia nutzlos.
    Die haben sich selber überflüssig gemacht und dafür spende ich nicht mehr.

  • Meine Überlegung dahinter ist immer: Eine der Top-10 Websiten und läuft ohne eigentliches Geschäftsmodell. Für die Bereitstellung des Dienstes haben sie es schon verdient, einmal im Jahr Spenden zu sammeln. Wikipedia-Gründer hätte genauso den Dienst kostenpflichtig, bzw. mit Werbung verunstalten können und sich damit eine goldene Nase verdienen können. Hut ab für die spendable Einstellung!

  • @ Mr.B. : Das als betteln zu bezeichnen, zeigt, dass du ziemlich wenig über die Gründe der Spendenfinanzierung verstanden hast. Wikipedia müsste nicht bei seinen Usern nach Unterstützung fragen, man könnte daraus im Handumdrehen ein kommerzielles Projekt schaffen und die Tür für Investoren öffnen. Dann frage ich mich aber erst recht wo deine gewünschte Neutralität und die Freiwilligenarbeit (Übersetzung) bleibt, wenn mal Kirchenträger, Staaten und Unternehmen dort den Ton mitbestimmen dürfen.

    Zu deinem Coupole d’Helfaut -Artikel gibt es übrigens einen in englischer Sprache, vielleicht hilft dir der weiter.

  • Schön, dass dies hier auch mal erwähnt wird. Ich spende jedes Jahr und dieses Jahr auch bald wieder. Wikipedia ist einfach ein Teil des Lebens geworden, jeden Tag sucht man nach Begriffen / Menschen / Formeln / Business“sachen“, die einem unbekannt sind und schwupp nach n paar Minuten kennt man sich schon aus – das finde ich toll 😉

  • @Adrian Bolz

    Mitarbeiten? Bei den Lösch-Meistern? Ne, danke. Die internen Auseinandersetzung dieses Kindergartens sind bekannt:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-70131151.html

    Früher bestand meine Unterstützung tatsächlich im Spenden, unter anderem durch den Sekten-Support aber hat sich das erledigt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Mormonentum

    Keinen Cent mehr.

    @fruchtiger

    Diese aufdringliche Gehabe bezeichne ich als Betteln. Nicht den Spendenaufruf an sich.
    „…gewünschte Neutralität…“ Neutralität? Wo? Im Wikipedia? Selten so gelacht.

  • KeinKommentar. Bitte geben Sie mir das Spendenkonto an. Ich konnte es nirgends finden.

    H.Schlosser

  • Klasse! Andere arbeiten und selber (Jimmy Wales) verdient man sich eine Goldene Nase mit anderer Leute (Millionen User) Arbeit, im Fachjargon nennt man das „Zuhälterei“, und ihr seid so naiv doof und zahlt denen was? Wie schön das es den Begriff Naivität noch in Echt gibt (schlagt mal bei Wikipedia nach) Keinen Euro von mir! Das wäre ja so als würde man seinen bereits bezahlten Brockhaus Lexika jährlich immer neu zahlen?

    Menschheitswissen ist ein Allgemeingut, ein kostenloses obendrein. Ich gebe euch aber gerne meine Kontonummer auf Anfrage.

  • So toll die Wikipedia-Idee auch ist, von mir gibt’s sicher kein Geld. Wikipedia gibt sich selbst durchaus hehre Richtlinien (was ja auch haben muss, um Seriosität zu zeigen), jedoch werden die Artikeldiskussionen in der Sprache Pubertierender und unter dem Niveau gewöhnlicher Foren geführt. Da kann es also mit dem Inhalt und dessen Wertigkeit nicht weit her sein. Vergleicht man zudem bei Firmen den Inhalt von kleinen Betrieben mit denen großer, so wird schnell deutlich, wieso nicht für jeden alle Regeln gelten!

  • Wikipedia ist nicht nur „freie“ EnZYKLOPädie, sondern (politisch) gesteuertes Manipulationsinstrument der Hochfinanz und diesen Schurken mit gespaltener Zunge schmeiße ICH ganz gewiss keinen Cent in den Rachen! Die sind schon reich genug.
    In die gleiche Kategorie fallen u.a. Google und Youtube, welche ebenfalls von gleicher Hand gesteuert werden. Würde mal ein bisschen recherchieren….

  • Ich bräuchte Eure Bankvervindung für einmalige Spenden ( no Kreditcard , no Paypal ) bin erzkonservativ mit 80zig , sprich Erlagschein . Übrigens ist es teilweise schon sehr anstrengend so manche hirnlose ( auch gemeine ) Beiträge zu lesen.

  • Das Traurigste an den Spendenaufrufen (ich verkneife mir passendere Worte) ist die kolossale Wirksamkeit. Das gilt nicht nur für Wikipedia.

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