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Facebook steigt (ein bisschen) ins Ticketgeschäft ein – doch warum nur so halbherzig?

fb buy tickets

Vor zwei Tagen testete Facebook einen neuen Button bei seinen Veranstaltungen, um direkt auf der Seite Tickets kaufen zu können. Nun hat der Ticketdienstleister Eventbrite die Funktionen für seine Veranstalter zugänglich gemacht. Doch auch wenn da von Facebooks Seite vielleicht noch mehr kommt, bleibt die Frage offen, warum das Feature bislang nur halbherzig umgesetzt wird.

„Buy Tickets“ linkt zur Ticketseite

Das Konzept ist schnell erklärt: Wer über Eventbrite, einen amerikanischer Veranstaltungsmanager, ähnlich wie das deutsche amiando*, eine Veranstaltung erstellt, kann mit einem Klick einstellen, dass das Event auf Facebook gespiegelt wird und eingeladene Gäste einfach die Tickets kaufen können. Realisiert wird das bislang über den „Buy Tickets“-Button, der allerdings lediglich auf die entsprechende Ticket-Seite außerhalb von Facebook linkt. Natürlich geht das auch ohne Eventbrite, wobei der Button noch nicht global verfügbar zu sein scheint.

Doch wieso außerhalb? Wieso weg von Facebook? Wieso kreiert Facebook nicht ein Formular, das den direkten Ticketkauf auf der Veranstaltungsseite ermöglicht? Ich weiß es nicht. Man könnte sich eine nette Provision abzweigen, die zumindest Eventbrite sicherlich gerne zahlen würden, schließlich ist Facebook schon jetzt der Traffic-Lieferant Nummer 1. Nachdem man 2010 Facebook Connect integriert hat, konnten die Ticketzahlen verdoppelt werden – senkt man die Hürden beim Ticketkauf noch weiter, wäre sicherlich noch mehr Wachstum drin.

Detailfragen noch ungeklärt

Auch andere Ticketdienstleister von den großen Live Nation über CTS Eventim* bis hin zu dem Event-Manager amiando wären sicherlich erfreut über die Möglichkeit, direkt auf Facebook Tickets verkaufen zu können. Sicherlich gäbe es da noch ein paar Fragen zu klären: Bekommt Facebook eine Provision pro Ticket oder eine Gebühr für die Nutzung der API? Wer ist für das Payment verantwortlich? Fließt Geld bei kostenlosen Veranstaltungen? Und schließlich: Wie realisiert man eine sitzplatzgenaue Buchung?

Gerade die letztere Option ist bei professionellen Veranstaltungen wie Konzerten oder Sportveranstaltungen sehr beliebt und dennoch mühsam auf einer externen Seite umzusetzen – ich spreche leider aus Erfahrung*. Und dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass das etwas ist, woran Facebooks Entwickler scheitern und wogegen Eventim & Co. Widerstand einlegen würden.

Wozu braucht man Eventbrite?

Auch könnte man den Gedanken noch weiterführen – wozu braucht man Eventbrite, wenn man eine Veranstaltung über Facebook erstellen kann und das gesamte Ticketmanagement über das soziale Netzwerk möglich wäre? Sicherlich, die Justin Timberlake-Tournee wird so sicherlich nicht organisiert werden, aber für zahlreiche Kleinveranstalter wäre das bestimmt eine interessante Option. Und wieder höre ich das imaginäre Kassenklingeln bei einer schicken Facebook-Provision pro verkauftem Ticket.

Wer weiß, wie viel Ticketgebühren zum Beispiel Eventim auf den Grundpreis eines Tickets aufschlägt, kann sich ausrechnen, was das für ein Geschäft für Facebook sein könnte. Kleiner Hinweis: Eventims EBITDA-Marge liegt bei 20 Prozent. Doch zugegeben, Eventim leistet auch etwas dafür – von der reibungslosen Buchung bis hin zu einem gut organisierten Marketing. Trotzdem: Facebook könnte und sollte sich meiner Meinung da einen Teil des Kuchens sichern.

Es ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass Facebook letztendlich da hin möchte und daran arbeitet. Doch mit dem Link-Button, der derzeit getestet wird, ist man anscheinend noch ziemlich weit davon entfernt und mangels Ankündigung gehe ich eigentlich auch nicht davon aus, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Schade eigentlich.

 Bild: Screenshot

*Hinweis: Ich habe das Ticketing der Deutschlandtournee einer deutschen Künstlerin organisiert und sowohl mit Eventim als auch mit amiando zusammengearbeitet.


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

2 Kommentare

  • Man ist es ja gewohnt, dass Facebook immer erst antestet bzw. nur einer kleinen Gruppe gewisse Designänderungen oder neue Tools zur Verfügung stellt.
    Dann wird schön Monitoring betrieben und einige Wochen später wird es schrittweise bei allen angeschaltet… oder auch nicht. 🙂

    Aber ich finde das Ticket verkaufen macht definitiv Sinn bei Facebook. Sie wären blöd wenn sie sich das durch die Lappen gehen lassen, da Facebook sehr stark aufgebaut ist in Sachen Veranstaltungen promoten. Und diese Option wird auch gerne von den Usern angenommen.

    Bin gespannt wie sich das entwickelt.

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