Facebook baut Sponsored Stories im Newsfeed aus – im Ernst…?

Robert Vossen

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Facebook hat sich mal wieder ein tolles Werbeprodukt ausgedacht: Sponsored Stories, die auf der Browser-Historie basieren – sogenanntes Retargeting. Werbekunden werden es lieben, User vermutlich nicht. Es ist mal wieder ein gewagter Balance-Akt.

Wie viel Werbung erträgt ein Facebook-User?

Zugegeben, ich bin mir nicht ganz einig bei Facebook. Auf der einen Seite läuft ein Großteil meiner privaten Kommunikation über Mark Zuckerbergs Netzwerk, wenn ich am Computer sitze ist Facebook meist nie mehr als ein Browser-Tab entfernt. Eigentlich mag ich Facebook. Doch wenn ich mal aus Versehen Facebook am Smartphone aufrufe, sehe ich gefühlt mehr irrelevante Werbung als Posts meiner Freunde. Das Ergebnis: Ich checke Facebook mobil einfach seltener.

Mit der jüngsten „Produktankündigung“ soll auch der Newsfeed am Desktop weiter zur Plakatwand umgebaut werden, indem Werbetreibende Sponsored Stories künftig anhand der Browser-Historie buchen können. Sprich, wer sich im Internet über eine Jeans, einen Schuh oder einen Laptop informiert hat und damit ein vages Kaufinteresse ausdrückt, könnte den Latschen fortan auch im Newsfeed angepriesen bekommen. Immerhin wird die Werbung dadurch unter Umständen relevanter.

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Vor- und Nachteile beim Retargeting

Im Prinzip habe ich überhaupt nichts gegen Retargeting – es ist im Zweifel passender als eine Werbung für einen Rasenmäher, wenn ich selbst nur im Dachgeschoss wohne. Auch wird die Werbung an sich etwas unabhängiger vom Werbeumfeld, was aufgrund höherer Werbepreise Nischenplattformen bei der Finanzierung helfen kann.

Natürlich hat Retargeting auch seine Nachteile. Vom Datenschutz mal abgesehen habe ich es hin und wieder erlebt, dass mir weiterhin wochenlang ein Display-Banner für ein Produkt angezeigt wird, das ich schon längst gekauft habe. Rausgeschmissenes Geld aus Sicht des Werbekunden.

Doch das größte Problem ist, dass Facebooks Hauptprodukt – der Newsfeed – immer mehr zur Werbefläche verkommt und man damit die User vergrault. In den USA geht das soweit, dass Mark Zuckerberg einem Modelabel ermöglichte, die eigene E-Mail-Datenbank mit den Facebook-Daten abzugleichen. Über Kundenbindungsprogramme ähnlich der Payback-Karte kommen noch Offline-Daten vom letzten Einkauf dazu und fertig ist der gläserne User. Da werde auch ich immer mehr skeptisch, auch wenn ich sonst relativ entspannt beim Thema Datenschutz bin.

Auch wenn Werbekunden zurecht über die Datenvielfalt jubeln, so bleibt es für Facebook ein Balanceakt, den User nicht mit zu viel Werbung zu verstören. Auf dem Smartphone ist es mir jetzt schon eindeutig zu viel.

Wachstum bei Facebook-Spielen

Neben dem neuen Werbeformat hat Facebook gestern auch angekündigt, dass inzwischen 250 Millionen User monatlich auf der Plattform daddeln und in 2012 zwei Milliarden Dollar an Spiele-Entwickler ausgeschüttet hat. Es ist davon auszugehen, dass Facebook auch ganz gut mitverdient hat. Auch werden in den nächsten Wochen die schon letztes Jahr angekündigten „lokale Währungen“ eingeführt, mit denen jeder Entwickler sein eigenes Bezahlsystem entwerfen kann.

Im Ernst? Wozu? Man sorgt für Verwirrung und Unsicherheit beim User – Nepper, Schlepper und Bauernfänger werden sich hingegen freuen, wenn sie 17 Bonuspunkte für 7,37 Euro verkaufen können und keiner auf Anhieb sieht, was er denn nun wirklich für ein digitales Schaf bezahlt. Wird natürlich nicht genau so kommen, aber dennoch ist das System bestens für Nepp geeignet.

Mehrere Währungen zu kompliziert für Facebook

Laut Mitteilung hat man sich übrigens von den Facebook Credits verabschiedet, weil Entwickler mit den Preisschritten von 0,10 Dollar nicht flexibel genug waren und man jetzt eben auch andere Währungen unterstützen könne. Das ist doch ein schlechter Witz. Mit sieben Währungen (Euro, Dollar, Yen, Rubel, Renminbi, dem koreanischen Won und der indischen Rupie) würde man 3,4 Milliarden Menschen abdecken – mehr als die halbe Weltbevölkerung; da sollte eigentlich für jeden was dabei sein. Natürlich lässt sich das auch weiter ausbauen, es ist ja nicht so, als ob es in Brasilien oder in Israel keine Banken und Zahlungsdienstleister gäbe. Und trotz der festgelegten Preisstufen bei iTunes brummt der Store wie bekloppt.

Also ich verstehe wirklich nicht, warum Facebook nicht stärker eine eigene Währung bewirbt oder zumindest das Bezahlsystem stellt und sich mehr im eCommerce-Bereich engagiert – der User hätte beim Einkauf auf Facebook ein sichereres Gefühl, man würde sich für Partner und Entwickler noch unentbehrlicher machen, eine hübsche Provision kassieren und weitere wertvolle Daten gewinnen, die man dann immer noch für die Werbung ausschlachten kann.

Stattdessen sehe ich im Newsfeed künftig Werbung für Produkte, die ich im Zweifel schon gekauft habe. Weiter so, Facebook!

Bild: Flickr / Robert S. Donovan (CC BY 2.0)

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.