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Das neue Video von Psy und die Kraft des Internets

psy

Gangnam Style ist out, Harlem Shake erst recht – jetzt ist Gentleman da! Am Samstag hat der koreanische Popstar Psy seine neue Single vorgestellt. Als ich mit Schreiben angefangen habe, hatte das Video auf YouTube (Proxy nutzen!) ziemlich exakt 44,5 Millionen Views. Doch wie lässt sich der Hype erklären und vor allem kann Psy ihn wiederholen?

Wie erzeugt man Viralität?

Mit dem Internet ist es natürlich einfacher denn je, Dinge zu verbreiten – Link geteilt, angeklickt, zack, ein View mehr. Doch wie genau man Viralität erzeugt, ist nach wie vor unklar. Es gibt ein paar Grundregeln, die befolgt werden sollten, doch die garantieren noch längst keine globale Verbreitung.

Zum Beispiel sollte man bei Videos Parodien und Cover-Versionen zulassen und auch begünstigen. Der Gangnam Style und Harlem Shake waren dafür perfekte Vorlagen. Auch Aaron DeBevoise von Machinima sagte vor einer gute Woche bei einer Podiumsdiskussion in Los Angeles, dass der YouTube-Produzent versuche, seine User zum Nachmachen einzuladen.

Dass scheint Machinima zwar ganz gut zu gelingen, schließlich ist man einer der erfolgreichsten YouTube-Partner, aber das beliebteste Video kommt „lediglich“ auf 23 Millionen Views – und das ist auch noch ein Kinotrailer von Avatar. Eine Garantie auf viralen Erfolg gibt es also nicht.

Gangnam Style hatte Startschwierigkeiten

Das ist auch allein aus philosophischer Sicht nicht möglich: Wenn alles viral wäre, gäbe es keinen herausragenden Erfolg mehr. Doch wie hat es Psy dann geschafft? Genau genommen hat es auch bei ihm gedauert: Gangnam Style war seine 18. K-Pop-Single und wurde im Juli 2012 auf YouTube hochgeladen, Anfang September hatte es erst 90 Millionen Views. Sicherlich nicht schlecht, aber doch noch sehr weit weg von den eine Milliarde Views kurz vor Weihnachten 2012 – inzwischen hat das Video 1,5 Milliarden Views.

Wie kommt es also, dass das neue Video innerhalb von 24 Stunden knapp 30 Millionen Views auf sich vereinen kann? Und vor allem: Kann Psy mit „Gentleman“ an den Erfolg von Gangnam Style anknüpfen?

Perfektes Marketing für „Gentleman“

Ich weiß nicht, ob Psy mit „Gentleman“ schon einen Rekord für die meisten Views innerhalb von 24 Stunden gebrochen hat, aber der schnelle Erfolg lässt sich vor allem durch eins erklären: perfektes Marketing. Der Song und eine kleine Preview wurden bei einem Konzert in Seoul vor 50.000 Zuschauern vorgestellt und zeitgleich in 119 Ländern veröffentlicht. 50.000 Zuschauer und 119 Länder – das sind ziemlich große Zahlen in der Musikindustrie!

Doch damit nicht genug: Die Weltpresse ist sofort auf den Zug aufgesprungen. Eine Google News-Suche nach „psy gentleman“ fördert 46,5 Millionen Ergebnisse zu Tage – auf der ersten Seite finden sich bei mir unter anderem Spiegel Online, Süddeutsche und der Business Insider, das dem an Wirtschaftsnachrichten interessierten Leser den koreanischen Songtext auf Englisch übersetzt.

Verbreitung erfolgt nach wie vor durch Massenmedien

Es sind also die Online-Ableger der Massenmedien, die für diesen Über-Nacht-Erfolg verantwortlich sind. Sicherlich, die sozialen Netzwerke verstärken den Trend weiter: Laut einer Studie des renommierten Pew Research Center beziehen sich 99 Prozent der Links aus Social Media-Nachrichten auf Mainstream-Medien. Bei „Gentleman“ bestätigt sich das Studienergebnis. Das erste Mal habe ich bei Spiegel Online von dem neuen Video gelesen. In meinem Facebook-Feed ist das Video jedoch noch nicht einmal aufgetaucht.

Dem Internet und den sozialen Netzwerken damit die Bedeutung abzusprechen, ist vielleicht etwas zu viel des Guten, doch es zeigt sich, dass die klassischen Massenmedien auch im Social Web maßgeblich bestimmen, was Erfolg hat und was nicht. Das klingt dystopischer als es ist, denn die Zeiten des Gatekeepings – die Zeitung als Torwächter über die Information – sind dank Facebook, Twitter und WikiLeaks auch vorbei.

Ob Psy den Erfolg von Gangnam Style wiederholen kann? Er ist auf einem guten Weg, aber derzeit natürlich noch meilenweit davon entfernt, erneut die Milliardenmarke zu durchbrechen. Ich habe mir das Video angeschaut – ausschließlich zu Recherchezwecken! – und sehe wenig, was sich dort parodieren lässt. Es ist ähnlich gemacht wie Gangnam Style, aber den Pferdetanz vermisst man ebenso wie eine neue Darbietung koreanischer Tanzkunst.

Rasantes Wachstum

Doch die Internet-Gemeinschaft scheint das nicht zu stören: Jetzt, wo der Post online geht, hat das Video schon mehr als zehn Millionen Views hinzu gewonnen. Auf die Kraft des Internets!

Bild: YG Entertainment


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

8 Kommentare

    • Achja, die GEMA. Da der Robert aus den USA schreibt, hat er das natürlich nicht bedacht….nehme das Video mal aus dem Text.

  • Die Massenmedeien könne jeden krönen oder stürzen so ist das halt.
    Psy verkauft sich selbst ob er dabei trotz seines aussergewöhnlichen Auftrittes letztendlich doch nach der Pfeife anderer tanzt darf jeder selber entscheiden 🙂

  • Mir gehen solche Hypevideos immer voll auf den Sack 🙂
    Daraus entsteht irgendwann immer so eine „Wie kannst du dabei nicht mitmachen???“ Welle. Dann muss man sich erklären, warum man nicht mittanzen will und wie zur Hölle man das total doof finden kann.

    Geschmackssache 😉

  • Klar gucken die Leute sich das Video an, ist ja immerhin der Nachfolger zu Gangnam Style.
    Dennoch soll so ein Internethype auch gewisse Qualitäten haben, ich fand bei Gangnam Style sowohl die Musik, als auch das Video ganz eingängig und lustig.
    Der jetzige Song ist dagegen nur langweilig. Also Rekorde in den ersten Tagen und dann flacht die Kurve ab.

    Die Rolle der Massenmedien ist ein sehr guter Einwurf, schon bei Wikileaks sah man das Ende der Medien kommen, aber nein die wenigsten Leute informieren sich selbst, recherchieren, decken Skandale auf.

    Die Massenmedien tun das gleiche wie immer- Menschen informieren, nur ist das jetzt noch leichter geworden, braucht man doch nur im 100 Mann Forum xyz nach interessanten Skandälchen „Diplomat John findet Merkel doof“ zu suchen und diese zu veröffentlichen.

    Greift Spiegel und Co. ein Thema nicht auf, egal wie wichtig es ist, bekommt die Mehrheit der Leute auch nichts davon mit.
    Von Wikileaks hat man erstaunlich wenig mitbekommen und das obwohl so viele geheime Dokumente entwendet wurden.

  • Nach der Logik müsste dieses Video ja dann mehr als 1 Mrd. Klicks in noch kürzerer Zeit erreichen, weil einfach jeder darüber berichtet. Ich fand Gangam Style besser.

    Aber da gab es noch ein anderes Video, welches schneller als Gangam Style x Millionen Views hatte. Hab gerade vergessen, welches das war ?

    • Na 100 Mio. hat er schon mal – innerhalb von einer halben Woche. Alter Vatter…nicht schelcht. Damit hat Psy auch den Rekord für das Video mit den meisten Views in 24h gebrochen. Vorher hielt Justin Bieber den Rekord mit schlappen 8 Mio. Views oder so.

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