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Twitter #Music für iOS ist da – Deutschlandpläne noch unklar

twitter music

So ganz überraschend ist die Nachricht nicht – schon vor einem Monat war absehbar, dass Twitter bald eine eigene Musik-App vorstellen würde. Nun ist es in Nordamerika, England, Australien und Neuseeland so weit, andere Länder sollen „mit der Zeit“ folgen. Die Plattform sieht schön aus, aber der tiefere Sinn erschließt sich mir noch nicht ganz.

Vier Tabs: Popular, Emerging, Suggested und #NowPlaying

Twitter #Music ist sowohl auf dem iPhone (Android kommt auch bald) als auch über den Browser per music.twitter.com erreichbar und ist im Wesentlichen auf Discovery ausgerichtet. Über den Tab „Popular“ findet man die Künstler, über die am meisten getweetet wird – quasi die Trending Topics – über „Emerging“ findet man „neue Talente“, wobei unklar ist, wie Twitter diese ermittelt.

Passenderweise werden bei beiden Tabs jeweils 140 Künstler angezeigt – eine kleine Referenz an den Umstand, dass Tweets auf 140 Zeichen begrenzt sind. Neben den beiden allgemeinen Tabs gibt es zwei personalisierte: „Suggested“ und „#NowPlaying“. Bei letzterem werden Songs und Künstler aufgelistet, die mit dem Hashtag #nowplaying von Leuten getweetet werden, denen man folgt.

Bei Suggested schlägt der Zwischterdienst einem Künstler vor, die einem gefallen könnten. Die Daten kommen zum einen von den Künstlern, denen man selbst folgt, aber auch den Künstlern, denen die Follower eines Users folgen. Sprich, Künstler, denen man über zwei Ecken folgt.

Nutzung ohne Spotify- oder Rdio-Premium-Account eingeschränkt

Das alles sieht ganz schick aus und funktioniert tadellos – Song-Previews lassen sich abspielen und kommen von iTunes, Premium-User von Spotify und Rdio können auch Songs in ganzer Länge hören. Doch wenn man das nicht ist, kommt nach 30 Sekunden der nächste Song. Wozu braucht man das dann?

Sicherlich, zum Rumspielen und Entdecken neuer Künstler ist der Dienst super, aber musikalische Entdeckungstouren kann man auch mit Spotify, Rdio und so ziemlich jedem anderen Streaming-Dienst machen. Ob dabei mein Musikverhalten analysiert und mit dem ähnlichen Musikverhalten anderer User abgeglichen wird, oder ob die Daten aus meinem Social Graph kommen, dürfte im weitesten Sinne aufs Gleiche hinauslaufen.

Einzig die Funktion der „Popular“ und „Emerging“ Künstler, die aus dem gesamten Twitter-Universum kompiliert werden, ist neuartig und hilfreich. Doch es würde mich wundern, wenn Spotify & Co. nicht anhand der Twitter-API eine ähnliche Funktion zusammenbasteln könnten.

Warum Twitter #Music anstatt Spotify?

Auch ist mir nicht ganz klar, warum ich als Premium-User bei Spotify und Rdio überhaupt einen anderen Dienst benutzen soll. Ich sehe da nicht wirklich einen echten Mehrwert. Für Nicht-Premium-User hingegen macht es eigentlich nur Sinn, den Dienst aktiv anzusteuern, sich zu informieren, was es so Neues gibt und dann sich die passende Musik woanders in voller Länge anzuhören.

Woraus ich auch noch nicht schlau werde, ist die Frage, was Spotify & Co. davon haben. Im Gegensatz zu den nativen Apps der Streaming-Anbieter kann ich bei Twitter #Music Spotify weder kostenlos nutzen noch den Premium-Account testen. Ergo: Entweder ich bin schon Premium-User und treibe mich lieber auf Twitter #Music als auf Spotify rum (was mir als Spotify zu denken geben sollte) oder ich bin es nicht, habe aber auch keine Chance, Spotify näher kennenzulernen. Wie man dadurch Neukunden gewinnen soll – wenn das das Ziel ist – ist mir schleierhaft.

Zahlen Spotify und Rdio an Twitter?

Offiziell ist überhaupt nichts über die Deal-Struktur in Erfahrung zu bringen, aber „Engadget“ berichtet, dass Rdio und Spotify Twitter an ihren Umsätzen beteiligen würden. Sollte das stimmen, verstehe ich noch weniger, warum Spotify da mitmacht, zumal Twitter schon angekündigt hat, auch weitere Streaming-Anbieter einbinden zu wollen.

So lange da aber keine kostenlosen Tracks in voller Länge dabei sind – beispielsweise durch VEVO oder YouTube – wird Twitter #Music vermutlich eher eine kleine Spielerei einiger weniger User bleiben.

Bild: Twitter


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

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