Lizenzen zum Dumping-Preis? EU-Kommission ermittelt gegen Android

Robert Vossen

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Google und die EU – das ist inzwischen fast ein altes Spiel. Kartellrechtliche Bedenken bei der Suchmaschine, Ärger beim Datenschutz und nun nach Informationen der „Financial Times“ auch noch Ermittlungen bei Android (Paywall).

Android zum Dumping-Preis?

Die EU-Kommission nimmt nun die mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent marktbeherrschende Stellung des mobilen Betriebssystems ins Visier, nachdem sich Microsoft, Nokia & Co. im April unter dem schmissigen Namen „Fairsearch Europe“ über den Wettbewerber beschwert hatten.

Der Vorwurf: Google habe sein Betriebssystem zum Dumping-Preis – also unter den Herstellungskosten – an Gerätehersteller lizenziert und würde diese gleichzeitig verpflichten, Google Apps wie YouTube prominent auf dem Startbildschirm zu platzieren. Auch hätte Google Hersteller womöglich gedrängt, den Launch von Geräten mit anderen Betriebssystemen zu verschieben oder ganz abzusagen.
Ein 23-seitiger Fragebogen mit 82 Einzelfragen wurde nun an Hersteller und Mobilfunkbetreiber verschickt und soll Licht in die Sache zu bringen.

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Kann Open Source Dumping sein?

Gleichwohl hört sich zumindest die Anschuldigung des Preis-Dumpings zunächst etwas seltsam an, schließlich ist Android ein Open-Source-System und eine Lizenz somit kostenlos. Sollte es allerdings wirklich so sein, dass Google-Dienste wie YouTube favorisiert werden, ergäbe sich damit durchaus ein monetärer Vorteil über höhere Anzeigeneinkünfte. Die genauen Zahlen kennt natürlich nur der Internetkonzern.

Oracle geht von 3,6 Milliarden Dollar im Jahr aus. Diese Schätzung ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn das Unternehmen gehört ebenfalls zu „Fairsearch Europe“.

Begeht auch Microsoft Preisdumping?

Microsoft, auch Teil von „Fairsearch Europe“, sollte derweil eigentlich vorsichtig mit entsprechenden Anschuldigungen sein. Zum einen hat man sich in der Vergangenheit auch harte Kämpfe mit der EU-Kommission geliefert, zum anderen setzt man bei Windows-Phone 8-Lizenzen auf gestaffelte Preise. Pro Gerät würden 20-30 Dollar Lizenzkosten fällig, doch Gerüchten zufolge sollen namhafte Hersteller auch mal nur 3 Dollar pro Lizenz zahlen müssen – der Vorwurf des Preisdumpings ist da wohl auch nicht mehr weit entfernt. Lediglich der geringe Marktanteil des Systems schützt den Windows-Konzern wohl vor intensiveren Nachforschungen.

Google blockt indes ab und gibt zu Protokoll, dass Gerätehersteller, Netzbetreiber und der User völlig frei entscheiden können, welche Apps sie über Android nutzen wollen. Die Vorwürfe, man habe Preis-Dumping betrieben und Hersteller gebeten, Geräte mit anderen Betriebssystemen zu benachteiligen, werden aber nicht kommentiert.

Untersuchung bisher informell

Da jedoch etwa Amazon mit dem Kindle oder auch Facebook mit „Facebook Home“ tagtäglich demonstrieren, wie weit sich das Ursprungs-Android anpassen lässt, ist fraglich, inwieweit Google überhaupt in der Lage ist, Herstellern eine App-Liste auf dem Startbildschirm vorzuschreiben. Ob die EU-Kommission ihre bislang informelle Untersuchung auf ein offizielles Verfahren ausweitet, ist ungewiss. Man kann aber davon ausgehen, dass EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia ein Auge auf Google werfen wird.

Denn gleichzeitig zu den neuen Untersuchungen um Android nähert sich das Verfahren um die Google-Suchmaschine dem Ende. Hier hat Google zwar Zugeständnisse an die EU-Kommission gemacht, doch diese waren wohl nicht zufriedenstellend – der Konzern muss nachsitzen.

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Bild: Flickr / tiseb (CC BY2.0)

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.