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Kuriose Videospielwerbung im Rückblick: Von toten Teddybären und lila Häschen – Teil I

Eine ganze Generation wurde in den 80ern von Mario und Co. mit dem Videospiel-Virus infiziert, doch die Gamergemeinde wurde älter. Dementsprechend groß war auch die Nachfrage nach erwachsenen, „coolen“ Spielen (ja, damals hieß das noch „cool“). Mit besonders hipper Werbung versuchte vor allem der Konsolenneuling Sony seine Playstation damals an den Mann zu bringen. Neben schrillen TV-Spots, die es heute noch auf YouTube zu bewundern gibt (beispielsweise dieser hier), existieren zahlreiche Anzeigen, die allesamt das Prädikat „Schäm dich!“ oder die stille Treppe verdienen würden. Kaum zu glauben, dass man mit diesen Werbeanzeigen damals sehr erfolgreich war. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die kuriosesten Werbeanzeigen aus meinem Videospielmagazin-Archiv der Jahre 1996  bis 1999 zusammengetragen und digitalisiert.

Grand Theft Auto 1: Mörderisch gut

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Video Games Ausgabe 1/98, Seite 9-10, DMV Verlag

Beginnen wir mit dem ersten Teil der GTA-Reihe, die mittlerweile zu einem Phänomen der Popkultur aufgestiegen ist, die den Spieler unverhohlen dazu auffordert Jack und Harry kaltzumachen. Damit das Vorhaben auch garantiert gelingt, verspricht die Werbung einen Spiele-Soundtrack, „Der dich zum Killer macht (und genau das soll er auch)“. Heutzutage wohl undenkbar. Der heiß erwartete fünfte Teil erscheint übrigens am 17. September für Xbox und PS3. Zur PC-Version schweigt sich Rockstar (wie immer) aus.

Crash Bandicoot: Maskierte Irre überfallen Obststand

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Fun Generation Ausgabe 2/97, Seite 11, CyPress Verlags GmbH

Ohne Worte, die Auszüge aus dem Zeitungsartikel sprechen für sich: „Heute rauben sie unsere Äpfel, morgen vielleicht unsere Kartoffeln!“, berichtet ein Augenzeuge. „Der Verband der Schrebergärtner fordert daher Polizeischutz für die Apfelbäume“ und „Das Schicksal des deutschen Apfels bleibt also ungewiss“. Ja nee, is klar.

Battle Arena Toshinden 2: Prügel statt Spielzeug

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PC Spiele Ausgabe 9/96, Rückseite, TRONIC-Verlag GmbH & Co. KG

Klopperei im Wohnzimmer: Mit der Anzeige für Battle Arena Toshinden 2 wollte Hersteller Takara auf wenig subtile Weise darauf hinaus, dass sich nur echte Kerle in die Kampfarena wagen.

Disruptor: Aggressionen gegen Plüsch

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Fun Generation Ausgabe 1/97, Seite 36-37, CyPress Verlags GmbH

Der Egoshooter Disruptor stellte mit einem Stofftier und geschickt verteiltem Ketchup klar, dass dieses Spiel nur für echte Männer ist. Die Anzeige hatte zahlreiche Proteste von Teddybär-Fans zur Folge.

Resident Evil: Lächeln in der Leichenhalle

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Video Games Ausgabe 12/97, Seite 40-41, DMV Verlag

Makaberer Smiley: Die Neuauflage des Playstation Spiels Resident Evil warb mit einem pathologischen Eingriff. Offenbar hatte der Mediziner Humor. Zugleich war Resident Evil das erste Spiel, von dem es einen „Director´s Cut“ gab – bislang war dies ausschließlich Filmen vorbehalten.

„Portal Wombat“: Die Last mit Sucht

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Fun Generation Ausgabe 8/97, Seite 40-41, CyPress Verlags GmbH

Die Anzeige für den dritten Teil eines recht bekannten Prügelspiels, das vor allem durch möglichst grausame Tötungsarten am Ende eines Kampfes Kultstatus erlangte, war da schon ein ganz anderes Kaliber. Sex, Drugs und Glücksspiel – all das zusammen verspricht die Prügelei – nackter Hintern inklusive. Den richtigen Namen des Spiels darf ich euch nicht verraten, das Spiel steht auf dem Index der BPjM.

Formel 1 ´98: Nicht alle Rücken können entzücken

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Video Games Ausgabe 1/98, Seite 1, DMV Verlag

Der nette Herr, der offensichtlich ein schwerer Ferrari-Fan ist (haha), hat nicht nur eine entzückende Rückansicht, sondern wirbt auch gleichzeitig für das Playstation Spiel Formel 98 des Enwicklers Pysgnosis. Unverständlich: Ein Jahr zuvor wurde das Boxenluder erfunden.

International Superstar Soccer Deluxe: Bomben, Bier und scharfes Essen

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Video Games Ausgabe 2/96, Seite 1, Magna Media Verlag AG

Der japanische Videospielfabrikant Konami war ebenfalls ein Spezialist für beknackte Werbung und glänzte mit Aussagen wie „Müller Bombe statt Zahnarzt Plombe“ oder…

Worms: Die Werbung mit dem Null-Bock-Hirsch

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Video Games Ausgabe 1/96, Seite 33, Magna Media Verlag AG

… „Null Bock auf Hirsch“. Letzteres hat eigentlich schon wieder Potenzial für den Titel des nächsten Ballermann-/Après-Ski-Hits.

Bilder: Eigene Scans


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Über den Autor

Marcel Petritz

Informatiker, Online-Redakteur und ehemaliger Nerd bei BASIC thinking. Interessiert sich für Gaming, Film und Fotografie und hat von 2012 bis 2013 für uns geschrieben.

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