Nymi

Armband als Passwort-Ersatz: Per Herzschlag Türen öffnen, bezahlen und am Computer einloggen

Jürgen Kroder

Zum Öffnen unserer Haustüre brauchen wir einen Schlüssel, für unser Auto und Hotelzimmer ebenso. Auf Facebook, beim Onlinebanking und Mails checken oder beim Einkaufen geben wir komplizierte PINs und Passwörter ein. All das soll bald der Vergangenheit angehören, wenn es nach dem Start-Up Bionym geht. Ihr Armband Nymi soll als vielseitiges Authentifzierungs-Tool dienen.

nymi

EKG statt Fingerabdruck

So wie ein Fingerabdruck oder der Aufbau der Retina ist auch der Herzschlag eines jeden Menschen einzigartig. Bionym hat ein Armband entwickelt, das über zwei Elektroden wie bei einem Elektrokardiogramm (EKG) alle Aktivitäten eines Herzen misst. Hierüber wird ein einzigartiges Profil des Trägers erstellt. Dieses soll zur Authentifizierung an Bank-Automaten, beim Einloggen am PC oder beim Kauf eines Kaffees dienen, wozu Nymi die Daten über Bluetooth überträgt.

Ein Armband, welches EKG-Werte misst, quasi als ultimativer Passwort-Speicher – klingt umständlich. Fingerabdrücke erscheinen einfacher. Doch Fingerabdrücke hinterlässt man überall, somit können sie nachgemacht werden. Das System von Nymi soll demgegenüber laut Bionym einige Vorteile bieten. So ist neben dem materiellen Besitz des angeblich fälschungssicheren Armbandes eben der passende Herzrhythmus und eine spezielle App auf einem registrierten Smartphone notwendig. Sobald sich der Träger dort authentifiziert hat, bleibt er es, solange das Armband nicht abgelegt wird.

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Doch das Verfahren birgt auch Probleme. Zwar können die Herzwerte eines Menschen nicht kopiert werden, aber im Gegensatz zu einem Fingerabdruck schwanken sie ständig. Da Nymi beim Anziehen den Herzschlag auswertet und so den Träger identifiziert, kann es zu Messfehlern kommen. Laut Bionym kann das Armband zwar Faktoren wie Stress oder kleinen Belastungen kompensieren, beim Sport oder nach dem ersten Morgen-Kaffee solle man es lieber nicht anlegen.

Entwickler und Unterstützer gesucht

Abseits von diesen Schwächen sieht der Hersteller ein riesiges Potential in seiner Technologie. Schlüssel, Zugangskarten und Passwörter sollen der Vergangenheit angehören. Noch sucht Bionym aber nach Entwicklern, welche die API für ihre Ideen und Geräte nutzen wollen. Verständlich: Denn Nymi kann sich nur durchsetzen, wenn es von möglichst vielen Diensten unterstützt wird. Ohne diese ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Wer von der Idee überzeugt ist, kann Nymi für 79 US-Dollar vorbestellen und kriegt es im Frühjahr 2014 geliefert. Der finale Preis – sollte das Armband in die Massenfertigung gehen – könnte bei rund 100 US-Dollar liegen. Übrigens: Wer sich daran stört, dass er ein Armband tragen muss, für den denkt Bionym bereits an weitere Umsetzungen in Form eines Rings, einer Halskette oder auch eines Hosenbundes. Das Armband sei lediglich eine erste Idee.

Der Alltagstest steht noch aus

Davon abgesehen, ob ein Armband die beste Lösung ist, finde ich das Konzept grundsätzlich interessant. Ein Schmuck- oder Kleidungsstück mit dem ich mich nebenbei authentifizieren kann, erscheint durchaus praktisch.

Doch mir schwirren noch einige ungeklärte Fragen durch den Kopf: Was ist, wenn unterwegs Batterie oder Akku schlapp machen? Kann ich mich noch authentifizieren, wenn ich gerade vom Joggen komme oder muss ich warten, bis sich mein Herzrhythmus normalisiert hat? Kurzum: Die Alltagstauglichkeit von Nymi ist noch zu beweisen.

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Bild: Bionym

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Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.