Twitter macht den ersten Schritt zum Börsengang und führt Filter für Promis ein

Thorsten Nötges

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Wie hätten sie es auch sonst ankündigen sollen? Ein Jahr nach dem missglückten Börsengang von Facebook verkündete Twitter gestern abend in 135 Zeichen, dass der erste Schritt zum Börsengang gemacht sei – die IPO, der Antrag zur Erstemission von Aktien, liegt schon bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC:

Trotz aller Gerüchte früher als erwartet

Gemunkelt wurde es schon lange – und die Gerüchte wurden zuletzt immer konkreter. Im Mai berichtete das Wirtschaftsmagazin Inc., dass Twitter mit Cynthia Gaylor eine ehemalige Investmentbankerin eingestellt hat, die sich mit den Schritten zur Börse auskennt. Und das Wall Street Journal berichtete Ende Juli, dass Twitter über LinkedIn einen Mitarbeiter suchte, der konkrete Erfahrung mit Börsengängen hätte. Als in den Medien darüber berichtet wurde, verschwand die Stellenausschreibung wieder – und Twitter sagte nichts dazu.

Doch der Schritt an die Börse kommt trotzdem früher als erwartet. Bisher wurde immer davon ausgegangen, dass Twitter erst 2014 die Anträge an die Börsenaufsicht stellt. Doch nach dem zunächst miserablen Börsenstart von Facebook scheint Twitter sich den großen Schritt zuzutrauen. Allerdings hat das Netzwerk seine IPO als vertraulich eingereicht. Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz können diesen Schritt machen. Damit können offene Fragen mit der Börsenaufsicht geklärt werden, ohne dass die Öffentlichkeit daran teilnimmt. Und Twitter muss erst drei Wochen vor dem tatsächlichen Börsengang seine Zahlen offenlegen.

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Zahlen? Umsatz?

Dabei ist genau das ein Thema, das alle interessiert. Gerade was den Wert des Netzwerkes angeht, kann bisher nur spekuliert werden. Zuletzt wurden die Einnahmen für 2013 auf gut 600 Millionen Dollar geschätzt, 2014 könnten die Einnahmen sogar auf über 1 Milliarde anwachsen, prognostizierte die New Yorker Beratungsfirma Greencrest. Und der Wert von Twitter als Unternehmen wurde auf 10 bis 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Und woher kommt das Geld? Die Branche scheint sich größtenteils einig zu sein, dass Twitter Werbung besser positioniert und an die Kunden bringt, als Facebook das zum Beispiel beim Börsengang schaffte. Seit 2011 setzt Twitter „Promoted Tweets“ als Werbung ein, und erst vor zwei Tagen kaufte das Netzwerk den Spezialisten für mobile Werbung MoPub. Theoretisch hat Twitter gut 1,8 Millarden Nutzer – wie viele davon Karteileichen sind, ist unklar. Aber viele Marken und Prominente nutzen Twitter mittlerweile, um einen direkten (oder scheinbar direkten) Zugang zu ihren Fans zu schaffen.

Promis unter sich

Doch in Zukunft könnte dieser Kontakt nur noch einseitig stattfinden. Denn Twitter hat heute noch eine weitere Ankündigung gemacht: Für die mehr als 50.000 „Verified“-User, die von Twitter als Prominente bestätigt wurden, gibt es jetzt die Möglichkeit, ihre Twitter-Konversationen zu filtern. So kann in drei Einstellungen zwischen allen Tweets, einem Spamfilter und der ausschließlichen Anzeige anderer „Verified“-User ausgewählt werden. Das sei ein großer Wunsch der verifizierten Nutzer gewesen, um die große Anzahl von Konversationen zu managen, an denen sie teilnehmen.

„Managen“ heißt hier allerdings ausblenden – auf eigenwillige Art ist das ja konsequent. Und irgendwie ist es doch auch ein Teil des Prominent-seins, sich mit Fans abzugeben. Zumal das die Leute sind, die die Musik hören, die Filme gucken, oder die Spiele ansehen – und damit die Prominenz eigentlich erst ermöglichen und finanzieren. Die einen halten schon Kontakt mit ihren Followern, die anderen nicht – daran wird sich auch mit dem Filter nichts ändern.

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Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.