Hardware

Microsoft-Tablets, die Zweite: Redmond stellt Surface 2 und Surface Pro 2 vor – und macht vieles besser, aber nicht alles richtig

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geschrieben von Michael Müller

Manchmal muss man sich als Teilnehmer eines Marktes einfach selbst eingestehen, dass andere es besser können – mit allen Konsequenzen, die diese Erkenntnis mit sich bringt. Diesen Rat dürfte so mancher Beobachter dem Software-Giganten Microsoft sicher geben wollen, wenn es um den desaströsen wenig erfolgreichen Ausflug ins Tablet-Geschäft geht. Die Surface-Tablets der ersten Generation, ganz egal ob mit Windows 8 RT oder leistungsstarker Intel-Hardware und vollwertigem Windows 8, konnten keine breiten Käufermassen finden. Schade eigentlich, ist das Konzept in meinen Augen doch keinesfalls schlecht.

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Am heutigen späten Nachmittag war es dann so weit und Microsoft stellte eine neue Surface-Generation vor. Los ging es mit dem Surface Pro 2. Dieses ist nach Angaben von Microsoft die konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers, einem der nach eigener Aussage „besten Produkte, die Microsoft jemals gebaut hat“. Das schnörkellose, geradlinige und meiner Ansicht nach sehr hochwertig anmutende Design wurde weitgehend beibehalten. Ebenso der in die Rückseite integrierte, ausklappbare Standfuß, dessen Winkel sich in der Pro-Version neuerdings verändern lässt.

Surface Pro 2 ist mächtig. Und mächtig teuer.

Die größten Neuerungen finden sich unter der Haube. Dank der Haswell-Architektur im Inneren des Surface 2 Pro konnte die Grafikleistung nach Angaben von Microsoft nahezu verdoppelt werden. Gleichzeitig profitiert das Gerät neben USB 3.0 von der Energieeffizienz der i5-Chip-Plattform von Intel, wodurch bis zu 75 Prozent längere Akkulaufzeiten erreicht werden sollen. Gehen wir bei 4,5 Stunden Laufzeit aus, die in unserem Test erreicht wurden, müsste das Surface 2 Pro somit zwischen 7 und 8 Stunden durchhalten. Zum Vergleich: Haswell kommt auch im neuen MacBook Air zum Einsatz und sorgt in diesem vollwertigen Notebook für bis zu 12 Stunden Akkulaufzeit.

Das Display ist im Vergleich mit dem Vorgänger kontrastreicher und stellt Full-HD dar, auch sollen die Dolby-Lautsprecher im Gehäuse für bessere Beschallung sorgen. Als Betriebssystem wird Windows 8.1 Pro vorinstalliert sein.

Surface 2 – das Windows-Tablet für die Massen (?)

Immer wieder stellte Microsoft auf der Präsentation das Schlagwort „Produktivität“ in den Vordergrund. Auch scheute man sich nicht, einen Vergleich mit dem sehr erfolgreichen iPad von Apple vorzunehmen und darauf hinzuweisen, dass das Surface-2-Tablet den Rivalen in vielen Punkten schlage. Auf dem Papier mag das sicher stimmen, jedoch schaffen blanke Zahlen noch lange keine Kaufanreize beim Kunden.

Das Surface 2 ist im Vergleich zum Ur-Surface leichter, dünner und kommt jetzt standardmäßig mit Full-HD-Display zum Kunden. Das Design erinnert mich persönlich dann doch zunehmend stark an die Apple-Formsprache. Zwar sind die Ecken weiterhin scharfkantig, Materialien und Farbakzente der Hartschale könnten aber auch einem iPad mit Mobilfunk-Modul entnommen sein. Auch sind die Knöpfe und Öffnungen an der Außenseite des Surface 2 allesamt abgerundet. So wundere ich mich fälschlicherweise beim optischen Erstkontakt kurz, was denn ein Lightning-Connector an einem Microsoft-Gerät zu suchen hat? Falscher Alarm, kein Lightning, eher ein Lautsprecher.

Wie auch schon beim Vorgänger kommt Windows RT zum Einsatz, jetzt in der neuen Version 8.1. Alle Surface-Modelle, auch das altbekannte Surface RT, erhalten künftig Office standardmäßig dazu. Das ist begrüßenswert und zeigt, dass Microsoft es mit der Produktivität wohl ernst zu meinen scheint. Problematisch ist das Fehlen von Standard-Apps wie Facebook, die das weniger produktive aber unterhaltsame Nutzen des Surface 2 recht arg trüben. Immerhin: der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass eine Facebook-App „bald“ erscheinen soll. Wann genau, steht allerdings in den Sternen.

Office und 200 GB Cloud-Speicher kostenfrei

Um den Start in die Surface-Welt ein wenig schmackhafter zu machen, spendiert Microsoft allen Käufern 200 Gigabyte (GB) SkyDrive-Speicher für zwei Jahre – eine Ersparnis von 144 Euro. Auch erhält die Surface-Gemeinde ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu allen WLAN-Hotspots von Skype inklusive kostenloser Telefonflat für internationale Gespräche.

Ab 22. Oktober wird die zweite Surface-Generation zu haben sein. Das Surface 2 kostet mit 32 GB Speicher 429 Euro und wird in Kürze über die deutsche Vorbestellseite zur Verfügung stehen; für 64 GB Speicherplatz werden 529 Euro fällig. Das Surface 2 Pro wird mit 64 GB Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher ab 879 Euro ausgeliefert, kommt in der Top-Konfiguration mit bis zu 512 GB SSD-Speicher und 8 GB RAM jedoch bereits der 2.000-Euro-Marke nahe: Mit 4 GB RAM und 256 GB Speicherplatz müsst ihr 979 Euro auf den Tisch legen; für 8 GB RAM bei gleichem Speicher bereits 1.279 Euro und für das Top-Modell 1.779 Euro.

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Für beide Surface-2-Geräte hat Microsoft auch neues Zubehör im Angebot, das sich ebenfalls mit der ersten Generation nutzen lässt. Das Touch Cover 2 soll besser auf Eingaben ansprechen, das Type Cover 2 mit vollwertigen Tasten leiser anschlagen. Beide Schutzhüllen sind in der neuen Version dünner und zugleich robuster als die Vorgänger und haben beleuchtete Tasten, deren Helligkeit zunimmt, sobald sich die Finger nähern. Das Type Cover 2 ist zudem in mehreren Farben erhältlich (siehe Bild). Ein besonderes Highlight im Zubehörschrank dürfte das neue Power Cover sein. Dieses bringt neben echten Tasten einen starken integrierten Akku mit, der die Akkulaufzeit der Surface-Modelle jeweils verdoppeln soll.

Konsequent weiterentwickelt, jedoch weiter ohne echte Kaufanreize

Produktivität also. Ob das reicht, um massenhaft neue Käufer für das „Konzept Surface“ zu begeistern? Ich fand die erste Auflage des Surface schon konzeptionell gelungen, sah Windows RT aber als halbgaren Fallstrick der sicherlich niemanden wirklich begeistern kann. Das Surface Pro war das rundere Gesamtpaket, mit einem vollwertigen Windows und starker Intel-Hardware. Ein PC im Tablet-Format, sozusagen. Zu blöd, dass diese Leistung auf Kosten der Akkulaufzeit ging und auch hier wieder keine echten Kaufanreize schuf. Dieser Negativpunkt wird mit Hilfe von Haswell nun deutlich entkräftet, wodurch beim Surface Pro immerhin 7 bis 8 Stunden Laufzeit drin sein dürften.

Dass diese einstelligen Akkulaufzeiten allerdings erneut keine herausragenden Werte sind, wird von den 12 Stunden des MacBook Air mit identischer Haswell-Architektur bewiesen. Um wirklich produktiv zu sein, ist Langatmigkeit nötig. Wovon andere Produkte schlichtweg mehr bieten. Und knapp 900 Euro für ein Tablet? Wieso kein Ultrabook? Wieso kein MacBook Air? Fragen über Fragen, die sich potentielle Surface-Pro-Interessenten sicherlich auch stellen werden. Die wirklichen Pro-Argumente für das Pro gehen mir persönlich leider aus.

Schade eigentlich, wäre ein potentes, gerne auch produktiveres Gegenstück zum iPad doch eigentlich erfrischend. Aber vielleicht bin ich auch zu pessimistisch. Warten wir einfach ab, was die Vorbestellungen sagen.

(Update, 24. September: Wir haben die Preise vollständig nachgetragen.)

Bilder: Microsoft


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Über den Autor

Michael Müller

Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitet er als Kommunikationsberater für namhafte Technologie-Firmen, kann und möchte das Schreiben aber nicht sein lassen.

9 Kommentare

  • Ich befinde mich in meiner Freizeit mittlerweile zu 95% in der Metro-Oberfläche. Dort kann ich Musik hören, Netflix/Hulu schauen, Reddit, Twitter, Mails, One Note nutzen und habe einen richtig guten mobilen Browser. Die restlichen 5% sind dann mal, wenn ich mich tatsächlich dazu durchringe in der Freizeit zu entwickeln und nur deshalb habe ich ein Win 8 Pro Ultrabook. Ohne Touch macht das ganze Benutzererlebnis einfach kein Sinn und kann nachvollziehen warum Leute den Desktop bevorzugen. Wer heute noch gegen RT wettert, hat es einfach lang nicht mehr ausprobiert. (Abgesehen davon, das die Performance des Surfaces 1 eine Katastrophe ggü. eines x86 war).

  • @D.S.: RT macht als iOS-Alternative in gewissem Maße Sinn und Spaß. Aber leider gibt es zu wenig Apps, damit es eine runde und sinnvolle Alternative zum iPad wäre. Somit ist RT bislang nur der kleine, talentlose Bruder, der im Schatten steht.

    @Michael: Auch wenn ich das Konzept des Surface schon immer reizvoll fand, so ist es einfach viel zu teuer. Für das Geld kriegt man Ultrabooks und Convertibles, die mehr können bzw. mehr bieten (z.B. echte Tastatur). Somit sind die Pro-Argumente für ein Surface echt schwer zu finden. Schade, dass sie MS wohl auch nicht liefern kann.

  • Man man man… da gibt’s endlich ein Surface-Update und dann wird wieder nur hier und da an der Hardware geschraubt und fertig. Null Innovation. Sehr schade. Und ich sehe es genauso wie du und Jürgen Kroder: Für mich kommt nur das Pro-Teil in Frage und das ist deutlich zu teuer. Werde ich halt weiterhin ohne Tablet auskommen (müssen). Hat bisher ja auch wunderbar funktioniert.

    Insgesamt ein schöner Artikel, bei dem man aber die Unterschiede zwischen RT und Pro für Nichtwissende nochmal deutlicher hätte herausschälen können. Derzeit ist es manchmal ein wenig verwirrend, was nun bei welchem Gerät integriert ist, wie es vorher war und was die Vor- und Nachteile sind…

    Greets,
    Daniel

    • Hey Daniel, freut mich, dass wir einer Meinung sind 😉

      Die Unterschiede von RT zu Pro für Nichtwissende herauszustellen wäre definitiv noch ein Punkt gewesen, den man hätte hinzufügen können. Wäre vielleicht als separater Text noch denkbar.. mal schaun. Auch schön dich mal wieder hier in den Kommentaren begrüßen zu dürfen!

  • Hallo Michael,

    hast du ein iPad? Ja? Dann hoffe ich einfach mal, dass du dir so schnell wie möglich auch das neue Surface zu legst und für uns das gleiche wie mit dem Nokia 925 machst 😉 Einen intensiven Test… Dass würde ich sehr begrüßen, denn das war wirklich klasse.

    Grüße Sandro

    • Na Sandro, wie kommst du denn darauf? 😉 Aber ja, tatsächlich bin ich seit knapp einem Monat im Besitz eines iPad 4. Allerdings führten eher Unterhaltungs- und Couch-Aspekte zum Kauf, als Produktivitäts-Gründe. Denke ein Vergleich wäre daher etwas schwierig.

      Für mich ist das Surface nämlich auch eher ein PC im Tablet-Format. Durch diesen sehr großen konzeptionellen Unterschied dürfte ein Vergleich oder Selbstversuch schon schwierig werden.

      Aber danke für die Blumen – es freut mich sehr, dass der Selbstversuch mit Windows Phone noch in den Köpfen der Leser hängengeblieben ist und mit meinem Namen in Verbindung gebracht wird. Herzlichen Dank dafür! 🙂

  • Meiner Meinung nach ist der eigentlich wirklich richtig gute Vorteil, welches das Surface von allen anderen Geräten im übermaß unterscheidet, nach wie vor das Konzept sowie die Möglichkeit der Stifteingabe. Ja, es gibt auch Android-Geräte die über einen Stift verfügen, aber dabei handelt es sich dann um reine Tablets.

    Ich entwickel viel und konzeptioniere gleichermaßen viel. Für das entwickeln bzw. arbeiten ist ein Notebook mit vollwertiger Tastatur besser. Allerdings ist ein Tablet mit Stifteingabe für das Konzeptionieren sehr viel besser! Man kann sehr viel schneller, einfacher und vor allem intuitiver Dinge notieren und skizzieren.

    In meinen Meetings nutze ich mein Surface sehr gerne. Ich kann meine Notizen schnell und einfach und trotzdem strukturiert notieren. Und das kann ich ohne, dass einer der beteiligten das Gefühl hätte, ich würde nicht zuhören oder mich nicht auf die Sache konzentrieren. Das Pendant dazu wäre ein Notebook. Das muss auf dem Tisch stehen, zwischen dir und den beteiligten Personen, man muss alles mit der Tastatur schreiben und brauch dann ewig für die Formatierungen nur um wenigstens etwas Struktur hereinzubringen. Alle beteiligten haben hier sehr viel ehr das Gefühl, dass die entsprechende Person nicht bei der Sache ist. Alternativ könnte man ein Android-Tablet nutzen. Jedoch könnte man damit die entsprechende Idee nicht umsetzten. Man bräuchte also zwangsläufig mindestens zwei Geräte. Und spätestens mit der Dockingstation des Surface sollte man am Arbeitsplatz sehr gut entwickeln können. Und unterwegs eben ohne. Dann vielleicht nicht ganz so gut aber mann kann es. Das müssten selbst Hardliner zugestehen, auch wenn diese dann immernoch Windows als OS vorfinden würden.

    Und selbst die Kritik an der schlechten Akkulaufzeit kann ich theoretisch zwar gut nachvollziehen, jedoch nicht praktisch. Denn wenn ich das Geräte nutze, habe ich nur selten tatsächlich das Problem, dass der Akku leer ist. Und wenn dann dieser Moment auftritt, habe ich bisher immer eine Steckdose in der Nähe gehabt. Diese findet man heutzutage überall: Zuhause, auf der Arbeit, im Cafe, im Zug, bei Kunden usw. Daher wäre das in meinen Augen wenn überhaupt nur ein kleines Problem! Dies könnte nerven wenn es oft auftreten würde, jedoch wäre es leicht in 80% der Fälle zu beheben. Da gibt es meiner Meinung nach sicher andere Dinge die sehr viel schwerwiegender sein könnten.

    Ich für meinen Teil habe lieber ein „Akkuproblem“ als den Zwang zwei Geräte mit mir rumschleppen zu müssen. Daher ist das Surface Pro 2 für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Das Surface hat aktuell nur das Problem der technischen Beschränktheit – die Technik ist aktuell noch nicht ausgereift genug. Das Konzept und die Ausführung ist gut, sodass an dieser eben auch nichts verbessert werden muss.

  • @José
    DU schreibst „die Technik ist aktuell noch nicht ausgereift genug. Das Konzept und die Ausführung ist gut…“;
    Sorry, wenn das so ist, dann bringt man so ein Produkt besser nicht auf den Markt.
    Halbgare Hardware kann nicht „nach-reifen“ wie Software, die man per Update einigermassen benutzbar bekommt. Scheinbar hat Microsoft den Unterschied zwischen Soft- und Hardware noch nicht verstanden?
    Ein grundsätzliches Problem dürfte aber sein, dass niemand Microsoft zutraut ein Produkt anzubieten, das man „gerne“ besitzt.

  • Gerade mit den guten Displays (Surface 2) und der stark verbesserten Akkulaufzeit (Pro 2) sind es mMn richtig gute Geräte.

    Die größte Herausforderung für Microsoft ist einfach, das Konzept des Surface richtig zu kommunizieren.

    Als Beispiel: Versucht mal mit eurem Android-Tablet/iPad annähernd so komfortabel zischen 2 Anwendungen zu wechseln oder Dateien per Drag-n-Drop von einer externen Festplatte zu holen.
    SOWAS muss doch kommunizierbar sein!

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