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Die einen distanzieren sich, die anderen werben aggressiv: Amazon und IBM streiten erbittert um Auftrag von US-Geheimdienst CIA

Der Trend geht ja im Moment eher dahin, sich möglichst weit von den Geheimdiensten und der US-Regierung zu distanzieren: Google, Microsoft und andere wollen die Behördenanfragen offenlegen, ihre Außenwirkung verbessern und so das gestörte Vertrauen der Kunden vielleicht ein bisschen zurückgewinnen. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ wäre wohl aktuell die dazu passende Hintergrundmusik.

CeBIT Australia - http://www.flickr.com/photos/cebitaus/7259363334/

Die vom großen NSA-Skandal bislang verschonten Branchen-Giganten Amazon und IBM scheint das alles derweil wenig zu tangieren. Im Gegenteil: Beide Konzerne streiten sich schon seit Monaten darum, wer einen Großauftrag der CIA bekommt. Es geht um über eine halbe Milliarde Dollar.

Rechtliches Hin und Her

Begonnen hatte der Disput bereits im März. Damals war bekanntgeworden, dass Amazon für besagten CIA-Großauftrag im Wettbewerb mit Größen wie Microsoft und IBM den Zuschlag erhalten hatte. Technisch geht es um eine private Cloud-Struktur, die dem Geheimdienst unter anderem eine kostengünstige Verwaltung großer Datenmengen (klingelt da was?) und wohl auch den leichteren Austausch von Informationen mit anderen Geheimdiensten ermöglichen soll. Nähere und finanzielle Details wurden natürlich nicht veröffentlicht, doch die Zahl von 600 Millionen Dollar für das Projekt über die nächsten zehn Jahre war auch damals schon kein Geheimnis.

Und eine solche Summe ist selbst für Amazon und IBM eine echte Hausnummer. Dass man da als unterlegener Anbieter nicht kampflos das Feld räumen will, versteht sich fast von selbst. Dementsprechend legte IBM schon im Februar beim US-Rechnungshof GAO Beschwerde gegen die Vergabe an Amazon ein. Begründung: Die CIA habe die Preise der Angebote nicht ausreichend verglichen und eine Bedingung in der Ausschreibung ausschließlich auf Amazon zugeschnitten. Und die Beschwerde hatte Erfolg: Auch der Rechnungshof sah IBM benachteiligt – das Verfahren schien also wieder offen.

Lukrative Beihilfe zur Schnüffelei

Nun lag der Ball eigentlich wieder bei der CIA: Der US-Auslandsnachrichtendienst konnte entweder Einspruch gegen den Entscheid erheben – dann wäre die Sache vor dem Kongress gelandet – oder alternativ das ganze Verfahren nochmals durchlaufen, Angebote überprüfen und aufs Neue entscheiden. Doch Amazon wollte sich damit nicht so einfach abfinden und erhob Ende Juli selbst Beschwerde beim Court of Federal Claims, dem zuständigen Bundesgericht. Dessen Richter kamen nun zu dem Schluss, der Auftrag sei juristisch einwandfrei zurecht an Amazon gegangen.

Wer glaubt, das damit nun endgültig geklärt sei, wer der CIA ihre Schnüffel-Infrastruktur aufbohren darf, irrt gewaltig. Das Ping-Pong-Spiel geht in eine neue Runde. IBM hat angesichts des riesigen Auftragsvolumens ein weiteres Mal Einspruch angekündigt. Dass es angesichts der engen Verquickung von CIA und NSA dabei womöglich auch um einen Beitrag zur besseren Überwachung des Internets geht, spielt in den Überlegungen der Unternehmen derweil offenbar keine Rolle – trotz der inzwischen lancierten Snowden-Dokumente und allen damit verbundenen Details.

Doch dem nicht genug. Man ist merkwürdigerweise sogar sichtlich stolz darauf, dem US-Geheimdienst behilflich sein zu können. So betonte Amazons Technikchef Werner Vogels erst unlängst im Interview mit der „WirtschaftsWoche“, dass man ja als einer der wenigen Branchengrößen nicht in den NSA-Skandal verwickelt sei – um gleich darauf die hauseigenen „technischen Fähigkeiten“ zu preisen, die für den Zuschlag beim CIA-Auftrag gesorgt hätten.

Bild: CeBIT Australia / Flickr (CC BY 2.0)


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Über den Autor

Thorsten Nötges

Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.

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