Nach „HuffPost“: Auch „Buzzfeed“ plant nicht-englische Ausgaben – Sprachschüler sollen einfach US-Texte übersetzen

Tobias Gillen

Jetzt haben wir den Start der deutschen Version der „Huffington Post“ gerade hinter uns gebracht, da kommt die nächste US-Website auf die Idee, in weitere Länder zu expandieren: „Buzzfeed“. Der Co-Gründer von „Huffington Post“ und „Buzzfeed“ ist zwar der Gleiche, die Expansionsstrategie aber eine völlig andere.

Demografische Grenzen

Jonah Peretti hat 2005 mit Arianna Huffington und weiteren Gründern die „Huffington Post“ gegründet, ein Jahr später war er an der Gründung von „Buzzfeed“ beteiligt. Selbst wenn sich die beiden Angebote von der Idee her unterscheiden ist eines sicher: Beide Formate sind inzwischen sehr erfolgreich. Nun stehen die Zeichen auf Expansion, um auch im nicht-englischsprachigen Raum neue Leser zu gewinnen.

Was die „Huffington Post“ seither versucht, ist hinlänglich bekannt: Inzwischen gibt es neben eigenen England- und Kanada-Ausgabe ebenfalls eine deutsche, eine spanische, eine französische, eine italienische sowie eine japanische Version. Beim Aufbau der neuen Außenposten halfen meist inländische Partner, Redaktionen wurden gegründet, Kolumnisten und Gastautoren angeworben.

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Und während die „Huffington Post“ neben Zeit auch viel Geld in ihre weltweite Ausdehnung steckt, versucht es „Buzzfeed“ auf eine andere Weise: Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sollen bis Ende des Monats eine französische, eine spanische und eine Ausgabe in brasilianischem Portugiesisch an den Start gehen. Anders aber, als man vermuten würde. Denn die neuen Ausgaben werden keine eigenen Inhalte produzieren, sie werden schlicht und einfach von Sprachschülern übersetzt. Ob dieses Geschäftsmodell überhaupt funktioniert? Man darf skeptisch sein.

„Buzzfeed“ ft. Duolingo

Zumindest an mangelhaften Übersetzungen soll es aber nicht scheitern. „Buzzfeed“ setzt dafür auf eine Kooperation mit der Sprachlern-App Duolingo. So weit, so verrückt – aber es ist kein Witz: Warum sollten Sprachschüler sinnfreie Texte übersetzen, wenn sie auch sinnfreie „Buzzfeed“-Texte übersetzen können? Die zehn Millionen Nutzer der App bekommen also künftig englische „Buzzfeed“-Posts, die sie so weit übersetzen, wie sie können. Nachdem ein paar Dutzend Sprachschüler an dem Text zu Gange waren, wird er zurück an die Redaktion geschickt, die ihn dann online stellt.

Die Qualität der Texte soll so der von professionellen Übersetzern gleichen, die Dienstleistung aber logischerweise viel günstiger sein. Duolingo hat angekündigt, dass „Buzzfeed“ nur der erste Kunde sei und man die Idee weiter ausbauen wolle. Zweistellige Millionenbeträge sollen so jährlich verdient werden. Der Deal geht sicher auch für beide Seiten auf – für die Sprachschüler allerdings nicht.

Denn was haben Gastautoren der „Huffington Post“ und die „Redaktion“ der neuen „Buzzfeed“-Ausgaben künftig gemeinsam? Richtig, kein Gehalt.

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.