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Maus und Desktop ohne Touch und Kompromisse: So wird Windows 8.1 zur (fast) kachelfreien Zone

Mit Windows 8.1 soll alles besser werden – verspricht zumindest Microsoft. Und tatsächlich behebt das OS-Update viele Schwächen der Vorversion. Dennoch scheint sich am viel kritisierten Zwitterwesen des Redmonder Systems grundsätzlich nichts geändert zu haben. Noch-„NYT“-Journalist David Pogue sah sich daher erst kürzlich zu einem kleinen Video-Verriss veranlasst, inklusive anschließendem Motz-Antwort-Tweet von Microsofts PR-Chef Frank X. Shaw. Aber hat Pogue tatsächlich Recht? Ist Windows 8.1 auf einem Normalo-Desktop-PC oder -Notebook ohne Touch-Brimborium immer noch unzumutbar?

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Flucht aus der Kachel-Welt

Die von uns im Juli getestete Preview-Version von Windows 8.1 lieferte noch ein zwiespältiges Bild. Sicher: Es gab einen Boot-to-Desktop-Modus und der Start-Button war auch wieder da. Aber sonst? Spätestens beim Schließen einer App landete man erneut in der Kachel-Welt. Doch Entwarnung: Mit der Vollversion hat sich dies nun geändert. Man höre und staune: Anders als im kollektiven Windows-8-Gedächtnis verankert und immer noch vielfach kolportiert, lassen sich die für den reinen Desktop-Betrieb ungeeigneten Live-Kacheln fast vollständig aus dem Blickfeld verbannen. Was bleibt, ist quasi ein reines Desktop-Windows mit optisch verändertem Startmenü.

Hätte Microsoft dem Nutzer während der Einrichtung einfach eine Profilauswahl angeboten, etwa mit passenden Voreinstellungen für den reinen Desktopbetrieb und den kombinierten Desktop-Touch-Betrieb, der Ruf des Systems wäre vielleicht schon weitaus besser. Wie so oft muss der Nutzer aber selbst aktiv werden. Naheliegendes Problem: Wer nichts von den recht versteckten Möglichkeiten weiß, ärgert sich einfach weiter über den vermeintlichen Unsinn oder behilft sich mit Drittanbieterlösungen. Dabei genügt im geöffneten Desktop ein Rechtsklick auf die Taskleiste sowie anschließend je ein Klick auf „Eigenschaften“ und dann „Navigation“, um die Transformation zum Desktop-Windows in Angriff zu nehmen.

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Ein paar Häkchen genügen

Hier finden sich zwei Einstellungsbereiche. Unter „Eckennavigation“ lassen sich zunächst einmal die oberen Funktionsfelder für App-Wechsel und „Charms“-Leiste deaktivieren. Beides benötigt man im Desktop-Betrieb ohnehin kaum. Wichtiger noch für unser Vorhaben sind aber die Häkchen unter „Startseite“. Hier gilt es, zunächst „Beim Anmelden oder Schließen sämtlicher Apps anstelle der Startseite den Desktop anzeigen“ auszuwählen. In der Folge steht direkt nach dem Einloggen generell der Desktop zur Verfügung; zudem wird dieser immer auch nach dem Beenden von Apps angezeigt. Berührungen mit der Kachel-Zone bleiben also aus.

Einen adäquaten Ersatz für das alte „Startmenü“ erhält man beim Anhaken von „Beim Aufrufen der Startseite automatisch die Ansicht ‚Apps‘ anzeigen“. Konkret heißt das, dass ihr beim Klicken auf den Startbutton (oder Drücken der Windows-Taste) direkt in der allgemeinen App-Übersicht landet. Der Punkt „Beim Suchen in der Ansicht ‚Alle Apps‘ überall suchen (nicht nur in meinen Apps)“ kann ausgelassen werden, wenn die globale Suchfunktion im App-Menü unerwünscht ist. Um spezifische Desktop-Programme der Übersicht halber in der zentralen App-Übersicht an den Anfang zu holen, sollte anschließend noch die entsprechende Funktion durch ein weiteres Häkchen eingeschaltet werden.

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App-Übersicht anpassen – ein Griff in die Trickkiste

Allerdings hat der Nutzer keinen direkten Einfluss darauf, welche Anwendungen unter der Kategorie „Desktop“ subsumiert werden. Zwar finden sich dort prinzipiell Desktop-Programme, denen bei der Installation eine Verknüpfung gestattet wurde, nachträglich bearbeiten lässt sich das aber nicht. Denn leider hat es Microsoft versäumt, innerhalb der App-Übersicht eine Möglichkeit zu schaffen, eigene Änderungen vorzunehmen – also einzelne Tools beispielsweise der besseren Zugänglichkeit wegen der Kategorie „Desktop“ zuzuordnen, andere dafür herauszunehmen. Eingreifen kann man nur zentral in die Sortierung („Name“, „Installationsdatum“, „Verwendung“, „Kategorie“). Was also tun?

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Natürlich – der Griff in die Trickkiste. Dazu ist es zunächst notwendig, den Windows Explorer über das Icon in der Taskleiste zu starten. Anschließend öffnet man das Laufwerk, auf dem Windows installiert wurde und wählt in der oberen Menüleiste den Punkt „Ansicht“. Im darunter liegenden Menüband folgt nun ein Klick auf „Ein-/Ausblenden“. Dort setzt man den Haken bei „Ausgeblendete Elemente“. Zur Vollständigkeit noch kurz der Hinweis: Ab jetzt gilt es, bei Aktionen ein wenig vorsichtiger zu sein. Schließlich werden nun Dateien und Verzeichnisse sichtbar, die normal verdeckt bleiben.

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So auch der Ordner „ProgramData“ – und genau um diesen geht es jetzt. Hier klickt man sich nun durch „Microsoft“„Windows“„Startmenü“ und öffnet „Programme“. Desktop-Verknüpfungen oder ausführbare Dateien, die in der App-Übersicht unter „Desktop“ erscheinen sollen, müssen nun nur noch hierher kopiert werden. Auf diese Weise lässt sich die Liste ein wenig anpassen. Ist in der App-Übersicht eine Anwendung zu finden, die jedoch nicht in besagtem Verzeichnis auftaucht, hilft ein Klick mit der rechten Maustaste auf das App-Icon, woraufhin am unteren Bildschirmrand eine Menüleiste erscheint. Dort wählt man den Punkt „Speicherort öffnen“ und gelangt direkt zum entsprechenden Ordner.

Der Desktop übernimmt das Kommando

Habt ihr sämtliche Anpassungen vorgenommen, dürfte die gekachelte Startseite nur noch selten euer Blickfeld streifen. Sollte dies dennoch einmal notwendig werden, genügt ein Klick auf den kleinen Pfeil unterhalb der App-Übersicht. Noch ein Tipp: Wenn ihr ausschließlich im Desktop-Modus arbeitet, empfiehlt sich die Installation eines zusätzlichen E-Mail-Programms wie Mozilla Thunderbird. Positiver Nebeneffekt: In diesem Fall steht auch die mit der „Mail“-App (zumindest bisher) nicht nutzbare „Senden an“-Funktion wieder in gewohnter Weise zur Verfügung.

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Wollt ihr noch konsequenter sein, könnt ihr beispielsweise auch die Standardprogramme zum Abspielen von Mediendateien sowie zur Anzeige von Bildern auf Desktop-Tools umstellen. Fazit: Mit ein paar Klicks und ein wenig gutem Willen vertragen sich Windows 8.1 und der gemeine Desktop-PC doch besser als gedacht. Weitere Tipps sind in den Kommentaren willkommen.

Bilder: Screenshots

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Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

15 Kommentare

  • Hallo Christian,
    schöner Artikel und gut beschrieben, wie man aus Windows 8 wieder einen Hauch von Windows 7 erstellen kann. Ich für meinen Teil finde allerdings, dass auch ohne Touch Windows 8 mit Kacheln nach ein bisschen probieren nicht völlig sinnentleert ist und arbeite sehr gerne damit.

    • Hi Johanna,

      danke! Nix gegen zu sagen :-). Ist halt nur schön, wenn der Nutzer die Wahl hat ;-). Und die fehlte bei Windows 8 halt letztlich.

  • Wie wärs mit weniger meckern. Ihr ganzen modernen Menschen denkt ihr werdet gezwungen Windows 8 zu verwenden, weil es euch gesagt wird. nein, wer nicht zufrieden ist soll win7 oder Unix nehmen. Ich für meinen Teil kann mit meinem Windows Phone und dem Surface super mobil arbeiten. Habe wie gewohnt ständig Laptop und Tablet dabei. Ein getrenntes Arbeiten gibt es bei mir gar nicht mehr. Ich kann die schnellen sehr produktiven Wischgesten ebenso wie die Tastaturtipper in meinen Workflows einbauen. ich brauchte vllt. 2 Wochen für den Umstieg.

    Microsoft plant schon seit dem ersten IPad mit Surface und dem neuen Windows. Die Idioten haben sich bei vielen Sachen was gedacht. Die Kommunikation von Win 8 war sicherlich nicht optimal, aber das Os ist mind. So gut wie Win7
    Für Desktop Nutzer und nach kurzer Zeit merkt man einfach, dass es kein großes Handy Ios sie beim iPad ist, sondern ein durchdachtes Tablet Konzept.

    Und ich war vor 3 Wochen kurz davor ein Mac zu kaufen, weil ich sehr unzufrieden war.

    Wobei der Support bei MS bei mir sehr dürftig war. Da das Surface einen Micro hdmi Anschluss hat, kaufte ich ein Kabel, was aber nicht richtig passte und immer wieder rausflutschte. Beim Support verwies man mich nur auf Original Kabel von MS für 40 Euro. Als ich fragte, wieso, es Denn nicht auch mit meinen Kabel funktionieren sollte, ist ja schließlich ein genormter Anschluss, kam nur die antwort, ich solle doch in den Saturn Markt fahren und schauen, ob men gerade neu gekauftes HDMI Kabel defekt sei oder das Gerät. Beides fand ich sehr unwahrscheinlich. Ich für also zu Saturn, wo der Verkäufer und ich bemerkten, das MS schlichtweg die Kanuten am Surface so abgeschrägt hatte, dass nur schräge Kabel, die sich MS patentieren lassen hat, in das Surface einwandfrei passen. Sagte das der Dame, sie meinte nur ich solle eben Original Kabel kaufen. Dass das aber nirgendwo steht, sondern ich beim Kauf von einem universellen Micro hdmi Anschluss ausgegangen bin, interessierte niemanden. Ihr vorgesetzter meinte dann halt. Der Support hat nicht die Aufgabe mir bei so was zu helfen und in den USA gäbe es warnhinweise, dass man keine Katzen in die Mikrowelle packen darf, aber wir leben in Deutschland und angeblich gäbe es 2 hdmi steckertyüen und soviel eigenrecherche müsse man mir zutrauen können. Würde irgendwo in der Anleitung stehen, die nämlich beim kauf nicht einsehbar ist. Auf meine frage, wieso man das nicht hätte am anfang sagen können, dann hätt ich mit meinen falschen Verdacht nicht extra zu Saturn fahren müssen, kamen wieder die gleichen unverschämten antworten. Ehrlich gesagt, erwarte ich, dass man mir mit Produkten von MS bei MS hilft. Ich weiß doch als Endverbraucher nicht ob der Support oder Herr xyz dafür zuständig ist.
    Moral von der geschicht : bei der MS beschwerdehotline wurde mein fall gleich in englisch !! Aufgenommen und der Herr versicherte mir, das würde jetzt jenseits seiner Gehaltsklasse gehen und er hätte da selber kein Einfluss mehr drauf. Deswegen muss ich es verstehen, wenn ich jetzt auch kein Feedback mehr komme.

    DANKE Microsoft – ihr unfreundlichen A…

  • Achja und als ich ihm sagte, ich geh zur Verbraucherzentrale und werde das im Internet publik machen, hat der MS Support Mitarbeiter nur gelacht. Soviel zu MS. Erwarte einen shotstorm, liebe internetgemeinschaft. Ich kann alleine nix tun 🙁

  • Ich nutze den Kachelmodus als einfach zu konfigurierendes Startmenü. Wer kennt das Chaos aus der Vergangenheit nicht? Jedes Programm installierte seine 1000 Verknüpfungen und am Ende hat man nichts mehr gefunden.
    Jetzt werden auch alle Verknüpfungen erstellt, aber ich kann selbst bestimmen welche auf dem Startbildschirm erscheinen und wo ich sie plazieren will.
    Nach dem initialen umbiegen der Dateienendungen die mit einer ModernUI App geöffnet werden werden solche Apps auch nicht wirklich gebraucht.
    Als Mail Client kann ich den emClient empfehlen (besonders für alle mit Gmail)

  • @ben

    Haha, du bist mir einer. Hattest du wirlich gedacht, dass der MS Support mit 1000enden von Anfragen täglich, sich um einen Fall wie deinen kümmert.
    Du bist einer Träumer, die Realität sind anderst aus.
    „Flutscht dein HDMI Kabel raus“ hast du woll das falsche gekauft, hilft dir einmal selbst.

    Hoho, und dann das mit dem Shitstorm, du bist wirklich im Internet aufgewachsen und deine Mutter bezahlt noch dine Telefonrechnung.

    Ich wette sogar die Verbraucherzentrale macht sich über so einen Typen wie dich lustig.

  • Irgendwie schon verrückt, was sich da jetzt so alles ausbesser soll mit dem 8.1. Update. Warum hat man daran nicht früher gedacht, dass die Leute beim starten nicht direkt auf Ihren gewohnten und beliebten Desktop kommen, sondern erstmal auf eine für mich wirklich verwirrende App-Seite gelangen?

  • Ich verstehe nicht warum der Kachelschirm nur für Touch sein soll. Ich halte mich auch mit der Maus dort gerne auf.

    Aber stimmt schon, einen Klassik Modus hätten sie für Gewohnheits-User spendieren können.

    Aber wenn ich am Desktop so sehr hängen würde, dann würd ich bei Windows 7 bleiben. Das ist alles zu sehr Kompromiss sonst.

  • Wenn es so einfach ist, klingen die Windows 8 Probleme eher nach einem dicken Marketingfail.
    Ich habe auf meinen rechnern Win 7 und Vista und die Monitore sind ein Chaos. Mein Hauptrechner hat 2 Screens, auf denen gut 50 Dateien und mehrere Ordner verteilt sind. Dazu mein eigenes Hintergrundbild. Wenn ich am Rechner arbeite, sind oftmals ein Dutzend Programme geöffnet, deren Fenster sich auch teilweise überlappen.

    Und dann heißt es plötzlich, Windows 8 sei so neu und toll, dass das alles nicht mehr geht – zwei Apps nebeneinander in festgelegter Größe, das reicht aus.
    Nun, als User ist man erst einmal verschreckt.
    Zwei Apps? Damit kann ich nicht mal ansatzweise arbeiten.
    Windows 8 ist zu teuer um es mal eben auszuprobieren, also lässt man die Finger davon.

  • Nun wenn ich mir Metro so anschaue kommen Erinnerungen hoch. Sieht aus wie ein (grafisch) aufgemotzer Programmanager vom Windows 3.1 nur das man die Gruppen nicht frei positionieren kann. Also für mich siehts nich besonders neu aus. Viel besser fände ich auch soetwas wie Profile. So könnte ich wenn ich mein Asus T100 als Tablet (ohne die Tastatur) nutze Metro verwenden und wenn ich das Dock angesteckt habe den Desktop-Modus.
    Mit fast jeser Version von Windows wurde das Startmenü umgestellt win95, Win Vista, Win 7 und nun eben win 8 (8.1). So wirds nicht langweilg.

  • Ich, als traditioneller PC-Nutzer, verstehe den Zweck des Kachelsystems und der Apps für mich bis heute nicht. Für zukünftige Hardware mag ja der Touchscreenbetrieb zum Standard werden, aber für den normalen, zeitgenössischen PC, ob Tower oder Laptop, ist er es eben nicht. Und nur im Touchscreenbetrieb macht dieses ganze Brimborium Sinn für den Nutzer.

    Wenn das so ist, wäre es dann nicht sinnvoll, Standard-Versionen von Windows auf den heutigen Normal-PC zuzuschneiden, und Touchscreen-Funktionalität jedweder Koleur als zusätzliche Pakete – frei oder kostenpflichtig – anzubieten, bzw. als eigenständige Windows-Varianten zu vermarkten?

    Im Grunde ist doch das ganze Metro-System so etwas, was Windows 3.11 für MS-DOS 6.22 war: Eine Benutzeroberfläche, die auf ein bestehenden Betriebssystem aufsetzt. Der Unterschied liegt nur darin, dass man Win3.11 optional laden (kaufen, installieren…) konnte oder eben auch nicht. Hätte MS nun grundlegende interne Verbesserungen, sowie den neuen Taskmanager und vielleicht noch den Kopierdialog als Win7.1 und den ganzen Kachel&Appskram als seperate Software (´Tiles 1.0´, oder so) herausgebracht – ich glaube alle wären glücklicher.

  • @ben
    Leider hast du nicht die nötigen Kompetenzen einen PC richtig zu bedienen, wechsle bitte zum Ipa..! Es gibt kein HDMI-port beim Surface / Pro, stattdessen ist es der gleiche port wie beim MacBook = MiniDisplay Port und Adapter hierfür gibt es ab 8 Euro.
    Sowas von Inkompetent und zu faul Google zu benutzen.. Du solltest Handy-Verkäufer werden..!

  • Ich glaube auf der Giga homepage gab es auch kein kostenloses Tool was man einfach nur installieren brauch und schon ist die ganze Kachel geschichte beseitigt. Für alle die zu faul sind die schritte nachzumachen :).

    Gruß
    Vanessa

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