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Digitale Studiengebühren: Universität Nicosia auf Zypern akzeptiert Zahlung mit Bitcoins

Vor ein paar Jahren waren Bitcoins noch eine nerdige Spielerei, an die abgesehen von einigen Early Adoptern keiner so wirklich geglaubt hat. Schon mal gar nicht in der realen Welt, abseits der digitalen Datenströme. Doch mit dem rasanten Wertanstieg der digitalen Währung seit 2011 wurden auch die bisher eher kritische Wirtschaft auf Bitcoins aufmerksam. Und mit der Universität Nicosia bietet jetzt erstmals eine Hochschule offiziell die Zahlung von Studiengebühren über Bitcoins an.

Bitcoins - Antana - http://www.flickr.com/photos/105644709@N08/10307504544/

Zypern als digitale Avantgarde?

Dabei will die größte Privatuni Zyperns nicht in Geldspekulationen einsteigen. Deshalb werden die überwiesenen Bitcoins auch sofort in Euros umgewandelt. Vor dem Hintergrund der unsicheren Finanzlage des Landes sucht man eher nach sicheren und einfachen Möglichkeiten, Studenten das Bezahlen ihres Studiums zu ermöglichen. Gerade bei ausländischen Studenten seien die Überweisungen oft kompliziert und würden sehr lange dauern. Außerdem nehmen Banken bis zu 10 Prozent des Betrages als Gebühren für die Auslandsüberweisungen.

Der erste Bitcoin-Geldautomat steht allerdings nicht auf Zypern, sondern seit Ende Oktober in Waves Coffee House in Vancouver. Und auch sonst liegt Nordamerika in Sachen Bitcoin vorn: Schon seit Mitte Oktober kann man beim „Cheese Wizards“-Truck in Seattle seine Käsesandwiches mit Bitcoins bezahlen. In den letzten Monaten wurde allerdings in Bezug auf Zypern viel über Bitcoins spekuliert. Im April gingen Beobachter noch davon aus, die unsichere Lage des Lages würde Menschen massiv zum Kauf von Bitcoins motivieren – inwieweit die Zyprioten mit auf den Bitcoin-Zug gesprungen sind, ist unklar.

Digitale Währungen sind die Zukunft

Doch auch wenn die Uni nicht mit ins Spekulieren einsteigen will, ist sich die Hochschule doch über die Bedeutung neuer Währungen und Zahlungsmöglichkeiten im Klaren. Der Finanzchef der Uni Christos Vlachos sagt, digitale Währungen seien „eine unvermeidbare technologische Entwicklung, die zu bedeutender Innovation in Online-Geschäften, Finanzsystemen, internationalem Geldfluss und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung führt.“ Gleichzeitig startet die Hochschule passenderweise ihren ersten Master-Studiengang „Digitale Währung“. Der erste Kurs beschäftigt sich mit der „Einführung in digitale Währungen“ und ist kostenlos für alle verfügbar.

Die Hochschule will mit ihrem neuen Studiengang (und wohl auch mit Bitcoins als akzeptiertem Zahlungsmittel) die Wege für digitale Währungen vorbereiten. Dabei sollen nicht nur Studenten, sondern auch die Politik für die neue(n) Währung(en) sensibilisiert werden. Zypern solle ein Knotenpunkt für das Banking mit Bitcoins werden, sagte der Vizerektor der Hochschule.

Allerdings ist die neue Währung auch nicht stabiler als die klassischen: Am 18. November lag der Preis bei fast 550 Euro, über die nächsten zwei Tage fiel er um fast 100 Euro auf knapp 450 Euro. Seit gestern hat sich der Kurs wieder etwas erholt und liegt mittlerweile wieder bei über 500 Euro. Ist die digitale Währung doch mehr als nur nerdige Geldspielerei oder Cover-Währung für Silk Road oder Waffengeschäfte? Bitcoins sind in der allgemeinen Wahrnehmung angekommen und werden als das angesehen, was sie mittlerweile sind: eine ernstzunehmende neue Währung, die die ersten Sprünge aus dem Digitalen ins Reale macht.

Bild: Antana / Flickr (CC BY-SA 2.0)


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Über den Autor

Thorsten Nötges

Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.

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