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Teurer Spaß bei PlayStation 4 und Xbox One: Gehen die Spiele-Preise weiter nach oben? Oder fallen sie?

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geschrieben von Jürgen Kroder

Als zum ersten Mal die Preise von PlayStation 4 und Xbox One kommuniziert wurden, war die Stimmung im Internet klar: die PS4 würde das Duell der Next-Gen-Konsolen gewinnen. Denn sie hat angeblich ein scheinbar unschlagbares Argument – ihren Preis. Mit 399 Euro ist sie um 100 Euro billiger als der Herausforderer von Microsoft. Ob dieser Preisvorteil wirklich zu einem Sieg in Form des größeren Absatzes führt, werden die nächsten Monate zeigen. Was bei der Debatte bisher aber vollkommen unter den Tisch fällt, sind die Spiele. Genauer gesagt deren Preise. Denn diese wurden kurzerhand deutlich erhöht.

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Spiele refinanzieren die Konsolen

Egal, ob 399 oder 499 Euro: Selbst wenn die Preise zunächst hoch erscheinen, bei beiden High-End-Maschinen wurde äußerst knapp kalkuliert. Das zeigen verschiedene Aufrechnungen. Denn sowohl Microsoft als auch Sony war klar, dass sie einen Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen durften: mit einem zu hohen Preis starten. Zum Vergleich: Die PS2 kostete bei ihrem Start 869 D-Mark (umgerechnet zirka 445 Euro), die PS3 schon satte 599 Euro.

Jedem, der nur annähernd Eins und Eins zusammenzählen kann, dürfte klar sein, dass weder Sony noch Microsoft mit ihren Konsolen fette Gewinne einfahren. Ganz im Gegenteil: Wenn man alle Kosten zusammenrechnet (Entwicklung, Produktion, Marketing, Vertrieb etc.) dürften rote Zahlen in den Geschäftsbüchern stehen. Nichts Ungewöhnliches. Denn es ist Usus, dass Konsolen in den ersten Jahren quersubventioniert werden – nämlich über den Verkauf von den zugehörigen Games. Für jede produzierte Einheit erhalten Sony und Microsoft (und natürlich auch Nintendo) Lizenzkosten.

Spiele refinanzieren die Konsolen – ein seit vielen Jahren gängiges Geschäftsmodell. Nur so können die immensen Kosten über einen Lebenszyklus von zirka 10 Jahren refinanziert werden. Genauso üblich ist es, dass mit jeder Generation die Preise steigen.

70 Euro für ein Spiel – ungerechtfertigt oder nicht?

Legte man anfangs für ein PlayStation 3- oder Xbox 360-Game rund 55 bis 60 Euro auf die Ladentheke, rutschte der Richtwert für den UVP nun um 10 Euro nach oben. Wer sich ein „FIFA 14“, „Assassin’s Creed 4“, „Forza Motorsport 5“ oder „Ryse“ zulegt, muss dafür 65 bis 70 Euro bezahlen.

Die Begründung für den Preisanstieg: „There’s a huge investment gone into pioneering these games for the first time for these new platforms“, so kommentiert es beispielsweise Fergal Gara. Damit hat der Managing Director PlayStation UK bestimmt Recht. Denn zum Start stellt eine neue Plattform eine Unbekannte dar. Der Aufbau von Wissen und Technologien ist extrem zeitaufwändig und teuer. Dazu kommt, dass Käufer einer Next-Generation-Konsole natürlich auch einen deutlichen Leistungssprung sehen wollen – meist grafischer Natur. Das alles kostet.

Außerdem: Wer sich eine neue Konsole kauft, möchte diese auch auf jeden Fall benutzen. Also ist man bereit, sein Hobby entsprechend teuer zu bezahlen. Im ersten Glücksrausch sitzt der Geldbeutel locker, da ist der Preis für ein Spiel eher nebensächlich.

Wird die Preisspirale nach oben gehen?

Geht es also immer so weiter? Wahrscheinlich eher nicht. So wie in der Vergangenheit werden wohl auch bei PS4 und Xbox One die Spielepreise langsam nach unten gehen. Die Verbreitung der Konsolen wächst, es erscheinen viele neue Titel und der Konkurrenzdruck unter den Entwicklern, Publishern und Händlern steigt immens. Dies führt auch zum verstärkten Einsatz alternativer Finanzierungskonzepte – Stichwort Freemium. Wie auf PCs, Smartphones oder Tablets werden Free-to-Play-Games auch auf Xbox One und PS4 verstärkt Einzug halten.

Das Spiel ist dann nur noch der Lockvogel, während die Anbieter ihr Geld durch den Verkauf besonderer Items, neuer Level oder toller Verbesserungen verdienen. Dieses Geschäftsmodell rechnet sich für viele Hersteller bereits und wächst deswegen rasant.

Früher war alles besser?

Übrigens: Wer denkt, 60 oder 70 Euro für ein Spiel seien zu viel oder gar Abzocke, der darf ruhig einmal an die „guten, alten Zeiten“ zurückdenken. Dann folgt auch hier mit ziemlicher Sicherheit schnell die Feststellung, dass diese waren oft gar nicht so gut waren. Ich erinnere mich noch gut an Spiele, für die vor Jahrzehnten noch monatelang mein Taschengeld gespart habe. Am Ende kosteten die Top-Titel dann 100 bis 150 D-Mark (umgerechnet rund 50 bis 75 Euro – und das ohne Inflationsbereinigung!). Vieles davon sind auch heute noch echte Klassiker.

Und das ist kein Zufall. Denn diese Spiele haben etwas geboten, was ich in Zeiten von Discs und Downloads vermisse und für das ich durchaus wieder etwas mehr Geld ausgeben würde: dicke Handbücher, Stoff-Karten oder andere Goodies zum Anfassen. Ein solches haptisches Erlebnis werden uns PlayStation 4 und Xbox One für 70 Euro teure Spiele leider nicht mehr bescheren. Schade.

Bild: Screenshot

 


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

19 Kommentare

  • Welches Spiel kostete denn damals 100-150 DMark? Ich kann mich erinnern dass ich für den ersten Rainbow Six Teil ca. 110 Mark bezahlt habe, da war allerdings auch das Erweiterungs-Set für 40 Mark dabei. Und das war noch ein RICHTIGES Addon, mit neuen Charakteren, Waffen, Leveln, „Story“. Und nich nur wie bei Call of Duty DLC´s 5 neue Maps für 15 Euro.

  • Der Standard-Preis eines Super-Nintendo-Spiels war anno 1993 129 DM – Das teuerste Spiel, das ich auf dem Super-Nintendo besessen habe war glaube ich 149 DM teuer.
    Insofern schocken mich die Preise in Anbetracht der über 20 Jahre, die zwischen einem Super Nintendo und einer PS4 liegen nicht besonders.

  • Früher gab es natürlich einige überteuerte Spiele, aber ich habe hier noch die Packungen von Warcraft 2 und C&C: Alarmstufe Rot, beide für 79,95 DM am Erscheinungsdatum gekauft.

  • Habe mir damals Monkey Island für 119 DM und einen Space Quest Teil (habe vergessen welchen) gab es damals im Media Markt für 139€. Ich denke mir dabei aber immer, das war früher einfach so, 1991 war ich so ziemlich alleine mit meinem Amiga/PC – da gab‘ es nicht so viele Käufer – aber heut zu Tage möchte ich auf Steam und Konsorten nicht mehr missen, die gerade zu bestimmten Jahreszeiten Spiele für so wenig Geld raushauen, das ich als Familienvater garnicht weiß wann ich das alles spielen soll 🙁

  • Man sollte erwähnen das es mit dem Spielepreis nicht getan ist, sondern auch noch Gebühren anfallen, wenn man online spielen möchte.

  • Da hast du Recht, Ben. Und es gibt Games wie beispielsweise „Forza“ oder „Gran Turismo“, bei denen man zusätzlich zu den 70€ Kaufpreis des Spiels auch noch Extra-Autos für bis zu 60€ kaufen kann.

  • Ich erinnere mich auch noch an das teuerste Spiel was ich hatte.. Nintendo – Zelda für N64. Das kam um die 118 DM. Nen Haufen Kohle damals. Und wenn man das nun vergleicht.. voll im Rahmen wie jetzt die Spiele.

  • naja hauptsächlich bereichert sich sony und ms an den dummen und den spiele-undbedingt-am-release-tag-besitzer-süchtigen.

    wer nicht dumm ist bekommt spiel deutlich günstiger, vorallem aus dem ausland, sei es aus uk für konsolentitel oder sonst wo wenn nur keys für den pc bezieht.

  • Worms für das SNES, damals 129DM
    Zelda Link to the Past – 139DM

    Wobei man bedenken sollte, dass die Entwicklungskosten früher sehr viel niedriger waren als heute. Ein Skyrim kostet locker 80 Millionen, da hätte man früher wohl 30 SNES-Games entwickeln können.

  • @ hanspet,

    klar bekomnt man keys aus dubiosen quellen im ausland billiger, wahrscheinlich bekommt dein chef dort auch eine arbeitskraft die deine arbeit für einen bruchteil erledigt 😉

  • @Flo: Ja, die Entwicklungskosten waren günstiger – aber der Markt auch kleiner.
    Und: Der Preis eines Spiels richtet sich nicht unbedingt nach seinem VK. Klar, es gibt Low-Budget-Games für 5-10€ und ein paar im Midprice-Segment – aber bei einem 50-70€ teuren Spiel ist es egal, ob es nun 5, 50 oder 500 Mio in der Entwicklung gekostet hat – der VK ist stets der gleiche.

  • Früher hab ich für Sega Mastersystem Sonic Für 100 DM Gekauft und Mein Onkel Hatte früher Sega Dreamcast Gekauft für 500 DM mit extra Spiel.Das mit heute und früher bleiben die Preisen eigentlich das gleiche nur halt mit euro

  • Ich sehe das was anders. Ich finde schon immer das die Spiele alle viel zu teuer sind.
    Habe bei meiner ps3 nur 3 Spiele gekauft, weil sie mir einfach zu teuer sind.
    Und dann ärgert man sich schwarz weil man das Spiel in 6 Std durch ist.
    Früher hat man noch ein paar Wochen gebraucht. Aus diesem Grund leihe ich mir spiele nur in der Videothek.
    Bei 60€ ps3 Spiel überleg ich mir das 3 mal ob ich es kaufe.
    Würde ein Spiel jetzt sagen wir mal 25-höchstens 30€ kosten, würde ich nicht so lange überlegen. Für 25-30€ würde ich mir sogar direkt 2-3 Spiele kaufen.
    Ich wette das dann viel mehr Spiele verkauft würden und somit die Firmen auch mehr gewinn einfahren würden. Weil die Masse macht es

  • Die Spiele sind wirklich zu überteuert. 70€ plus Abo um es auch online spielen zu können. Für mich ist das Betrug, daher verkaufte ich meine PS4 schnell wieder. Sony hat sich selbst abgeschossen mit den Kostenzwang für den Multiplayer. Jetzt hab ich eben keine Konsole und ich lebe trotzdem.

  • Man muss aber auch bedenken, das früher die SNES Spiele auf Kassetten sich befanden und diese hatten einen Flash-Speicher.
    Und ich glaube jeder von uns weiß wie teuer damals Flashspeicher waren. Und das wurde ebenfalls mitbezahlt, wenn man ein Spiel kaufte.

    Deswegen ist hier schon zu beachten das heutzutage nur noch Plastikscheiben angeboten werden und meiner Meinung nach die Spiele schon ein wenig überteuert sind.

    Man bedenke das die D-Mark auch viel mehr Wert war als der heutige Euro.

  • Ich kaufe mir keine Spiele neu. Das geht einfach nicht. Nicht weil ich das Geld nicht hätte, davon habe ich genug, aber die Spiele sind es nicht wert. Ich warte 5-6 Monate, und kaufe mir die neusten Spiele für 15-30€. Es gibt immer wieder Leute die max. 20€ für die neuen Spiele verlangen. Ich sage mal 35€ wäre für ein Spiel gerade so ok, alles darüber ist Wucher, egal was für einen Aufwand der Entwickler getrieben hat.

    Für eine Kinokarte bezahle ich immer noch 8€-14€ und keine 50€. Die nehmen die hohen Preise für die Spiele, weil genügend geile Leute gibt, die diese Wucherpreise bezahlen müssen… weil nicht mehr sie selbst das Kaufen steuern, sondern ihr Zwang.

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