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Das Bitcoin-Handbuch – Tutorial zur digitalen Währung: Wo soll ich bloß anfangen?

Das-Bitcoin-Handbuch
geschrieben von Felix

Tobias Gillen und ich möchten uns gern besser mit Bitcoins auskennen. Uns beiden geht es nämlich wie den meisten Menschen, mit denen wir uns über das Thema unterhalten haben: Irgendwie kann jeder etwas damit anfangen, wenn es aber konkret wird, dann weiß doch niemand so richtig Bescheid.

Dieses Halbwissen betrifft zahlreiche Aspekte des Bitcoins, beispielsweise die zugrundeliegende Theorie hinter der Digitalwährung oder die Frage nach Einsatzmöglichkeiten und Alternativen. Vor allem aber betrifft es die besonders naheliegenden und praxisrelevanten Fragen: Wie beschafft man sich einen Bitcoin und wie kauft man etwas damit?

Um das alles herauszufinden, wagen wir in den nächsten Wochen ein Experiment: Schritt für Schritt möchten wir Euch den Bitcoin näher bringen, indem wir uns selbst beibringen, wie das alles funktioniert. Am Ende soll man über die neue Währung Bescheid wissen und in der Lage sein, sie zu nutzen. Genauso wie anderes Geld auch. „Das Bitcoin-Handbuch“ richtet sich also an all jene, die mit uns lernen wollen.

Wir freuen uns vor allem auf Euer Engagement und rufen die Wissenden unter Euch ausdrücklich auf, Kenntnisse, Tipps und Tricks mit uns zu teilen.

Lust auf Bitcoins

Also, fangen wir an. Ein kurzer Blick auf die Bitcoin.org-Seite macht neugierig und Lust auf mehr. Alles kommt hier recht aufgeräumt und übersichtlich daher. Ganz schnell verliere ich mich aber schon in zahllosen Unterseiten mit wichtigen Infos. Eines bleibt auf jeden Fall hängen: „Nehmen Sie sich Zeit zur Weiterbildung“ wird mir da geraten. Erst also mal einen Schritt zurück.

Immerhin die Vorteile kann ich ganz gut nachvollziehen. Jeder kann Bitcoins produzieren und man soll einfach damit bezahlen können, egal von wo. Alles ist dezentral, keine Gebühren, die an gierige Banken abgeführt werden. Der Bitcoin also ist eine billige Alternative, von der Käufer und Verkäufer profitieren. Jeder kann mitmachen und meine digitale Geldbörse ist sicher.

Das alles verspricht das Video auf der Startseite. Erst einmal ist das alles verständlich, ich habe trotzdem viele Fragezeichen. Grund genug, von vorne anzufangen.

Bitcoin-Gründungsmythen

Die Entstehung des Bitcoins ist mysteriös. Der Legende nach wurden sie 2007 von Satoshi Nakamoto erfunden. Ob es sich bei Nakamoto aber um eine echte Person oder gar eine Gruppe handelt, ist bis heute unklar. Im März 2014 enthüllte „Newsweek“ den vermeintlichen Scoop: Dorian S. Nakamoto kam als Kind in die USA, machte einen Abschluss in Physik und arbeitete für unterschiedliche Auftraggeber an allerlei Projekten, unter anderem für die US-Regierung und -Armee.

Nach dem jahrelangen Rätseln über die wirkliche Identität des Bitcoin-Erfinders erregte die vermeintliche „Newsweek“-Enthüllung viel Aufmerksamkeit. Dabei bestritt der angebliche Erfinder von Anfang an seine Beteiligung vehement. Einige Tage später erschien daraufhin ein Interview mit Associated Press. „I got nothing to do with it“, gibt Nakamoto darin zu Protokoll. Zurück zum Anfang also: die Gründung bleibt ein Mysterium.

Sicher ist, dass es ab 2008 so richtig mit dem Bitcoin losging. Auf anonymousspeech.com registrierten anonyme Nutzer im August die Adresse Bitcoin.org. Unter dem Autorennamen Satoshi Nakamoto erschien dann im Oktober die erste Veröffentlichung zum Bitcoin. Das White Paper trägt den Titel: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“.

Das brachte investigative Journalisten von „The New Yorker“ und „Fastcompany“ auf eine weitere Spur. Kurz vor der URL-Registrierung wurde in den USA nämlich ein Patent mit dem Namen „Updating and Distributing Encryption Keys“ registriert (#20100042841). Darin stehen die Namen Neal King, Vladimir Oksman, Charles Bry. Trotz vieler möglicher Verbindungen dieser Herrschaften zum Bitcoin fanden die Journalisten jedoch keine stichhaltigen Beweise dafür, dass es sich um Satoshi Nakamoto handelt.

Bitcoin nimmt langsam Fahrt auf

Im Januar 2009 wurde der erste Bitcoin generiert (wie das technisch funktioniert, wollen wir in den weiteren Kapiteln herausfinden). Kurz darauf fand die erste Transaktion statt, erst einmal jedoch nur virtuell.

Bis zum ersten Mal ein tatsächlicher Gegenstand gekauft wurde, verging noch über ein Jahr. Der Bitcoin-Early-Adopter Laszlo Hanyecz bot im Forum BitcoinTalk 10.000 Bitcoins (BTC) für eine Pizza. Am 22. Mai fand er einen Verkäufer. Seither gilt das Datum auch als der Bitcoin-Pizza-Tag.

Nach und nach wird die Währung bekannter und 2010 entstehen mit Bitcoin Market und Mt. Gox die ersten Tauschbörsen. Wie viele andere Plattformen auch haben beide jedoch mittlerweile dicht gemacht. Im Falle Mt. Gox sind dabei sogar bis zu 850.000 BTC verschwunden.

Ökonomischer Aufstieg

Am Anfang war der Bitcoin nicht viel Wert. Da kam es vor allem auf die Nachkommastellen an. Die kleinste Einheit beim Bitcoin ist aktuell ein Satoshi. 100 Millionen Satoshis sind ein Bitcoin.

Die Kursschwankungen des Bitcoin waren bereits 2010 recht hoch. Am Anfang war der Bitcoin nicht einmal einen Dollar-Cent wert. Der Wert schnellte von 0.008 US-Dollar pro Bitcoin um das Zehnfache nach oben und fiel dann wieder auf 0,06 USD/Bitcoin. Zum Jahresende waren alle Bitcoins zusammengenommen mehr als eine Millionen US-Dollar wert (man nennt das Marktkapitalisierung). Daraufhin erlebte der Bitcoin einen weiteren Kursschub. Bis Februar 2011 war ein Bitcoin dann erstmals so viel Wert ein US-Dollar – die Parität war erreicht. Bezeichnender Weise ging im gleichen Monat die Drogenplattform Silk Road an den Start. Ich erinnere mich, in diesem Zusammenhang zum ersten Mal vom Bitcoin gelesen zu haben.

Schubweise ging es dann immer weiter nach oben. Zuerst auf 20, dann auf 100 Euro. Zu Spitzenzeiten waren alle Bitcoins zusammen mehr als sechs Milliarden Euro wert. Das waren über 550 Euro für einen Bitcoin. Jetzt, Anfang Oktober 2014, ist er ca. 300 Euro wert.

Von Beginn an Skandale

Ein wichtiger Grund für die hohen Kursschwankungen waren immer wieder kleinere und größere Unsicherheiten und Skandale. Diese begleiten den Bitcoin nämlich nicht erst seit den Schließungen von Mt. Gox und Co.

Betrüger konnten durch allerlei Sicherheitslücken mehrfach von einzelnen Nutzern oder Plattformen bis zu 40.000 Bitcoins entwenden. Merke also: Sicher ist anders. Mich interessiert, woran es gelegen hat.

Eine Liste auf dem Bitcoin-Wiki gibt mir Auskunft über alle Schwachstellen seit dem 28 Juli 2010. Die Fehlerbeschreibungen sollen eigentlich erklären, was genau passiert ist. Ich verstehe aber dabei, offen gesagt, meist nur Bahnhof.

Noch viel zu lernen

Ein berühmtes Beispiel: Am 15. August 2010 werden durch einen Bug angeblich über 184 Milliarden Bitcoins generiert. Irgendein „bad block chain“ hatte sich hier in den Transaktions-Code eingeschlichen. Alles aber halb so wild, denn nachdem ein „good block chain“ mittlerweile übernommen hat, existieren die falschen Bitcoins nicht mehr.

Nach einiger Suche verrät ein Foreneintrag, dass Satoshi selbst bereits eineinhalb Stunden nachdem der Bug auftauchte Bescheid wusste. Fünf Stunden später hat er eine Lösung implementiert.

Ich glaube das und bin beeindruckt. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, wirklich gute Quellen zu finden. Schlimmer noch ist aber, dass ich mit den Fehlerbeschreibungen und Quellcodes nichts anfangen kann. Es bleibt deshalb erst einmal mysteriös und ich glaube, wir müssen dringend anfangen, einige Bitcoin-Vokabeln zu lernen. Dazu mehr im nächsten Kapitel.


History of Bitcoin

Das Bitcoin-Handbuch gibt es als E-Book für 3,49 Euro bei Amazon, im iBookstore oder DRM-frei bei XinXii. Zudem bieten wir es als Taschenbuch für nur 12,95 Euro an bei Amazon, im JMB-Verlag oder bestellbar in jeder Buchhandlung.


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

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