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In drei Jahren wird es Facebook nicht mehr geben – sagt ein Werbe-Experte. Wirklich?

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geschrieben von Jürgen Kroder

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Facebook ist so langsam „out“. Immer mehr Jugendliche kehren dem sozialen Netzwerk den Rücken zu. Der einstige Stern sinkt. Diese und ähnliche Unkenrufe werden seit einigen Monaten immer lauter. Nun sagt der Chef einer Werbeagentur sogar das baldige Ende von Facebook voraus. Seriously?

Ein Profi spricht

„Ich glaube, dass es Facebook in drei Jahren nicht mehr geben wird“ – dieses markante Statement gab Kevin Roberts in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ von sich. Wow, was für eine Aussage.

Doch wer ist der Herr, der diese gewagte These aufstellt? Kevin Roberts ist der CEO von Saatchi & Saatchi, einer der bekanntesten und größten Werbeagenturen der Welt. Der 65-Jährige hat eine bewegte Vita aufzuweisen. In seinem bunten Berufsleben war er unter anderem schon Marketing Manager von Procter & Gamble und Präsident von Pepsi Cola Kanada. Seit rund 17 Jahren hält er den Posten des Werbechefs inne. Der Brite ist also keine kleine Nummer. Und genau deswegen schlägt sein Anti-Facebook-Satz so ein.

Die Begründung dafür sieht er in der Beobachtung seiner Kinder. Die sind zwar noch auf dem zuckerberg’schen Netzwerk, nutzen aber bereits zwei bis drei weitere Alternativen, weil Facebook ihnen „zu konservativ“ sei. Das unterstreicht Roberts folgendermaßen: „Wer geht schon gerne in die dieselbe Bar wie sein Vater?“

Gerade beim letztem Satz musste ich schmunzeln und nicken zugleich. Denn er hat in gewisser Weise Recht: Da, wo sich auch meine Eltern und älteren Verwandten aufhalten, kann es doch nicht „cool“ sein. Und sollen Mutti und Papa wirklich sehen, was ich poste? Nö. Schon vergangenes Jahr hatte sich auf „Mashable“ ein 13-jähriges Mädchen zu Wort gemeldet, die eben dieses Problem schilderte:

„All of our parents and parents‘ friends have Facebooks. It’s not just the fact that I occasionally get wall posts like, „Hello sweetie pie!“ But my friends post photos that get me in trouble with those parents. If my mom saw I was at a party with drinking, even if I wasn’t participating, I’d be dead. This isn’t Facebook’s fault, but it happens there.“

Sie und ihre Freunde seien ebenfalls längst auf andere Alternativen – in dem Fall: Instagram, Vine und Snapchat – umgestiegen.

Steht der Exodus bevor?

Dass Facebook für manche Zielgruppen an Attraktivität verliert, gab es in letzter Zeit immer wieder zu lesen. Von „Flucht“ war die Rede. Und Studien zeigten, dass beispielsweise WhatsApp bei den Kids und Teens um Welten beliebter als Facebook sei. Hat Kevin Roberts also Recht mit seinem markanten Zitat?

Ich denke: nein. Es mag sein, dass das Netzwerk nicht mehr so attraktiv wie früher ist und sich einige Nutzer davon abwenden. Aber deswegen vom nahenden Ende zu reden, halte ich für übertrieben.

Muss man Kevin Roberts deswegen für seine Aussage angreifen? Kann man, muss man aber nicht. Meiner Meinung nach wusste er ganz genau, was er tat. Immerhin ist er ein Werbeprofi. Mit seinem kurzen, provokanten Statement sorgt er für Aufmerksamkeit und für Diskussionen. Hierbei fällt – auch hier – immer wieder sein Name und der seiner Agentur – perfekte Publicity. Genau sein Business. Chapeau!

Was haltet ihr von der Aussage, dass Facebook in drei Jahren untergehen wird? Seht ihr in der Aussage ein Fünkchen Wahrheit? Oder ist das nur PR-Blabla? Wie hat sich euer Social-Media-Verhalten geändert?

Bild: Facebook

Freunde werden? Like BASIC thinking auf Facebook – und bleib am Ball!


Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

22 Kommentare

  • Mir fällt da nur immer wieder der – oft belächelte – Vergleich zu myspace ein. Klar, das war/ist alles anders, in Internet-Zeit quasi schon eine Ewigkeit alt, usw.
    Was ich sagen will, es gibt myspace noch, und es wird sicher auch facebook in drei Jahren noch geben, aber ich sehe die Bedeutung schon deutlich sinken, sowohl im privaten Umfeld als auch durch solche Posts, die immer wieder auftauchen.
    Ich denke dass kein solches Netzwerk für die „Ewigkeit“ gemacht ist, sondern irgendwie einen Lebenszyklus durchläuft. Der ist halt nicht so selbsterklärend notwendig wie z.B. bei Hardware, sondern eher sozusagen ein gesellschaftliches Phänomen. Damit das ganze Sinn macht, muss man ja dort sein, wo alle sind, und irgendwie bleiben alle halt nicht stehen. Oder so. 🙂

  • Es wäre schön, wenn so ein Artikel etwas umfangreicher wäre und nicht den „Skandalsatz“ „In drei Jahren gibt es Facebook nicht mehr“ wiederkauen würde, den irgendein Wichtigtuer abgelassen hat.

    Wäre doch viel interessanter, mal darüber zu schreiben, dass Facebook und insbesondere das unbegrenzte Teilen eigener Aktivitäten und Meinungen gar nicht mehr so spannend sind wie noch vor ein paar Jahren, eben weil es da noch neu war.

  • Erst letzte Woche schrieb ich hier noch in einem Kommentar, dass ich auch täglich auf das nächste große Ding warte. FB hat seinen Zenith längst überschritten, aber in 3 Jahren ist es noch nicht (ganz) vorbei. Denn selbst Studi-VZ benötigte länger zum sterben.

  • a) 3 Jahre ist eine lange Zeit.
    b) Facebook hat ein extrem schlechtes Image, kein „Verbrauchervertrauen“, eine ungeliebte Marke.
    c) Wer Facebook nicht braucht, braucht es nicht. Wofür braucht man Facebook noch mal?
    d) Facebook will die Werbung hochfahren – das wird zu noch mehr Abwanderungslust führen.
    e) Die älteren FB-Nutzer sind allerdings unbeweglicher. Gut möglich, dass sie es noch weiter nutzen als Adressbuch.
    f) Die Wertschätzung üfr Anymität könnte noch weiter steigenb , auch in den USA:
    g) Es könnte sein, dass nur die Einsamen auf Facebook bleiben – wer seinen Zirkel hat, wird mehr über Whatsapp kommunizieren.
    f) Mit Sicherheit wird die Aktivität einbrechen.

  • Die Aussage von Kevin Roberts hat dieselbe Qualität wie „dieses Internet wird sich nicht durchsetzen“! Einfach lächerlich, dennoch: Sein Ziel – in aller Munde zu sein – hat er eindeutig erreicht.

  • Allein, dadurch, dass jemand sagt, Facebook wird sterben. So wird Facebook auch über die Jahre sterben. Dies müssen einfach immer mehr leute schreiben. Weil dieser Mann es gesagt hat, wir die Aktie einstürzen, dadurch sagen die Börsen und Aktionäre das FB sterben wird, dadurch dann die besucher, … usw.

    das nennt man die sich selbsterfüllende Prophezeiung.

  • na, wenn das kein wissenschaftliche Analyse ist. Weil die eigenen Kinder..
    tsss. ganz ehrlich: muss man wirklich jeden Mist aufschnappen den irgendjemand erzählt? Ist eine Werbeagentur nun plötzlich angetreten um über Geschäftsmodelle Prognosen zu geben von denen sie keine Ahnung haben. Gern würde ich mit besagtem Herrn eine Wette eingehen, ich setze mein gesamtes Hab und Gut, meine Firma dagegen das es Facebook in 3 Jahren immer noch geben wird
    Schwachsinn..

  • Das durfte ich letztes Jahr mit meinen Kunden bereits diskutieren. Ich halte die Aussage, dass es Facebook „nicht mehr geben wird“ für übertrieben. Ich würde eher dazu tendieren, dass es „Facebook in seiner dominierenden Stellung nicht mehr geben wird“.

    Einige meiner Kunden, darunter auch Schauspieler/Musiker mit Likes in Mio.-höhe , die Facebook als Ihr „Sprachrohr“ nutzen, haben bereits bemerkt, dass die native Reichweite arg beschnitten wurde. D. h. es lohnt sich für den „normalen Nutzer“ schon nicht mehr wirklich Posts für seine Fans/Freunde zu verfassen. Der Großteil sieht davon eh nichts in seinem Nachrichten-Feed.

    Virale Inhalte schließe ich davon aus, da diese eine besondere Form von Inhalten darstellen. Doch wer kann schon durchgehend EIGENEN viralen content veröffentlichen?

    Ich rate immer dazu, sich nicht auf Social Media Accounts zu verlassen und seine „Fans“ auf eine eigens betriebene Website zu lotsen. Die Social Media Plattformen sind hierfür nur Mittel zum Zweck.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Facebook dieses Werbemodell in nächster Zeit wieder „lockern“ wird, da man anhand der veröffentlichten Zahlen sehen kann, dass die Umsätze durch bezahlte Posts drastisch gestiegen sind.

    Dies wird sich jedoch nicht auf ewig halten können, denn die aktive Nutzerzahl wird von Zeit zu Zeit sinken, die tägliche Nutzundsdauer pro User wird einfallen und somit wird die Relevanz von Facebook, als Werbeplattform für Unternehmen, in der Social Media Landschaft schwinden.

    Auch die Vielzahl von neuen, verschiedenen Social Media Plattformen wird das Nutzungsverhalten der User stark verändern.

    Kurz und knapp: Facebook wird es noch geben, aber nicht mehr mit der heutigen Dominanz.

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag!

    P.S. https://www.facebook.com/feed/missed_stories

  • Es ist ziemlich lustig, wenn ein 65 jähriger Mann solche Vorhersagen macht. Er ist ein Mensch, der

    insgesamt das Internet nur benutzt, aber nicht in ihm lebt. Deshalb ist seine These wertlos.

    Die heutigen Heavy User von Facebook werden auch nicht diejenigen sein, die Über die Zukunft

    dieses Netzwerkes entscheiden. Das Internet ist wahnsinnig schnelllebig und Portale wie Facebook

    müssen sich immer wieder neu erfinden. Facebook tut dies, z.B. indem sie WhatsApp gekauft

    haben und daraus noch einen eigenen Messenger entwickelt haben, den Facebook Messenger,

    der sich großer Beliebtheit erfreut. Mir ist aufgefallen, dass Facebook bei der Integration von

    Anmeldungen für andere Portale immer stärker wird. Und was spricht dagegen, dass z. B. Mutter

    und Tochter jeweils mit einem eigenen Account auf Facebook präsent sind?

    Das ist aus meiner Sicht eher förderlich für die Annäherung von „Internet benutzen“ und „im

    Internet leben“. Eine Win Win Situation für alle Beteiligten. Das ist wie ein Mehrgenerationenhaus.

    Wichtig ist, dass alle gewisse Regeln einhalten und sich gegenseitig respektieren und ihre Tür

    zumachen können, wenn sie wollen. Facebook hat dies längst erkannt und die entsprechenden

    Voraussetzungen geschaffen, natürlich in softwaretechnischer Hinsicht.

  • Ich sehe eigentlich das genaue Gegenteil. Dadurch, dass immer mehr Erwachsene auf Facebook aktiv sind, wird sich auch ein breiteres Spektrum für Werbeeinnahmen auftun. Kann dem Geschäftsmodell nur zuträglich sein.

  • Nach meiner Wahrnehmung wird sich Facebook zu einer reinen Werbeplattform verändern. In ca. drei Jahren sicherlich als reine Social Media „Mouth to Mouth“ Plattform tot sein wird… kurz und spontan eine Reaktion von mir… selbstverständlich ist es sinnvoll sich ausreichend mit mehr Fakten zu informieren, mit den eigenen Aktivitäten auf Facebook mit unterschiedlichster Zielsetzungen zu vergleichen und dann in Diskussion zu treten. Insiderwissen zu bekommen würde ich sehr begrüßen ….

  • Nur weil sich die Hauptnutzergruppe bei Facebook verschiebt, hat das ja noch lange nix mit dem Ende des Netzwerks zu tun. Und wie schon kommentiert wurde: 3 Jahre sind eben eine sehr lange Zeit. Solche Aussagen haben doch absolut keinen Wert.

  • Wäre mal interessant zu wissen welche Alternativen die Kinder von ihm benutzen. So ist seine Aussage für mich derzeit uninteressant.
    Glaube ebenso auch nicht daran, dass sich in den nächsten Jahren etwas ändert wird.

  • @spacelnvader: seh ich ganz genau so wie du, jeder hype hat auch mal sein ende. auch wenn Facebook vlt nicht ganz weg vom Fenster sein wird, wird auf jeden fall in 3 Jahren ein deutlicher Rückgang zu spüren sein.

  • […] In letzter Zeit haben wir uns bei BASICthinking häufig mal mit dem Nutzungsverhalten von sozialen Netzwerken und ihrem Potential beschäftigt. Angefangen von der Erkenntnis, dass Mädchen WhatsApp exzessiv nutzen, über den Exodus von US-Teenagern aus Facebook bis hin zu der provokanten Aussage eines Werbers, dass das Zuckerberg’sche Netzwerk bald am Ende wäre. […]

  • Möglich ist alles: Vor Facebook war studivz noch gut besucht, dann kam Facebook… Genauso kann wieder etwas anderes kommen oder Interessen verlagern sich. So abwägig ist das ganze nicht. Dass es Facebook gar nicht mehr geben wird halte ich allerdings auch für pure Publicity des Herrn.

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