Polizei greift gegen Gaffer durch – leider nicht hart genug

Tobias Gillen

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Auf der Strecke zwischen Köln und Neuss ist es am Freitagnachmittag zu einem schweren Unfall gekommen, bei dem eine 45-jährige Frau lebensgefährlich verletzt wurde und mit einem Helikopter in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Klar, dass sich hinter der Unfallstelle ein Stau gebildet hat. Absolut unverständlich, dass selbiges auch auf der Gegenfahrbahn passiert ist. Der Grund: Schaulustige Gaffer, die mit ihren Smartphone-Kameras draufgehalten haben. 

Neue Dimension durch Smartphones

Jeder, der viel auf der Autobahn unterwegs ist, hat das wohl schon mindestens einmal erlebt: Auf der Gegenfahrbahn bildet sich hinter einer Unfallstelle ein Stau – und plötzlich fahren die Menschen auch auf der eigenen Spur langsamer, teils schon Kilometer vor der Unfallstelle. Das liegt dann meist daran, dass all jene Neugiernasen, die an der Unfallstelle vorbeifahren, genau wissen wollen, was da jetzt nur Schlimmes passiert ist.

Das war schon immer so, ist sogar 1998 in einer Studie der Universität Bochum untersucht worden. Das Ergebnis, kurz zusammengefasst: Der Mensch wird unbewusst durch seine Neugier gezwungen, herauszufinden, was seinen Wissensdurst in dem Moment beschäftigt. Allerdings bekommt das Problem der Gaffer seit einigen Jahren eine neue Dimension.

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30 Gaffer in Köln angezeigt

Denn zunehmend wird nicht nur – was schon pietätlos genug ist – einfach nur hingeschaut. Inzwischen wird gerne auch mal das Smartphone draufgehalten, die Unfallstelle fotografiert oder gar gefilmt. So geschehen auch bei dem Unfall auf der A57. Polizeibeamte haben daraufhin rund 30 Kennzeichen notiert und die Gaffer angezeigt.

Ein gängiges und vor allem richtiges Vorgehen gegen Gaffer, das aber leider nicht immer Anwendung findet, da sich die Polizei verständlicherweise zuerst um die Unfallstelle kümmern muss. Seien aber genug Beamte vor Ort und ist die Situation unter Kontrolle, würden die Kennzeichen der Schaulustigen regelmäßig notiert werden, sagt Dirk Weber von der Polizei Köln gegenüber „WDR aktuell“.

Als Gründe für die Anzeigen werden zum einen die Smartphone-Nutzung am Steuer genannt, die mit 60 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft wird, und zum anderen extrem langsames Fahren, das 30 Euro kostet. Wer gafft, statt zu helfen, macht sich zudem möglicherweise sogar wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar.

Härtere Strafen für Gaffer

Die bei solchen Filmereien entstandenen Videos und Bilder landen dann – teils noch während der Fahrt – in den sozialen Netzwerken. Ob die Hobbyfilmer dabei auch nur eine Sekunde an die Privatsphäre oder den Schaden für die Unfallbeteiligten denken? Vermutlich nicht. Was auch der Grund dafür ist, dass 30 bzw. 60 Euro und nur ein Punkt für Gaffer viel zu wenig sind.

Eigentlich gehört ein solches Verhalten mit einer eigenen, sehr sensiblen Strafe im Bußgeldkatalog belegt. Problematisch wird es hier leider, da die Grenzen zwischen einem kurzen Seitenblick und verkehrsbehinderndem oder gar gefährdendem Verhalten nie klar abgegrenzt werden können. Zudem kann – wie oben erwähnt – nicht immer gewährleistet werden, dass genügend Beamte vor Ort sind, die die Strafen durchsetzen können.

Voyeurismus der perversesten Art

In jedem Fall hat der Unfall auf der A57 mal wieder deutlich gezeigt, dass einige Menschen leider weder sich noch ihre Neugier unter Kontrolle haben. Seine Neugier am Leid anderer zu stillen, ist Voyeurismus der perversesten Art.

Aber soweit denkt der Gaffer in der Regel nicht.

 

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.