Über das Mysterium Beschleunigungsstreifen

Tobias Gillen
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EIGENTLICH müsste allen Autofahrern klar sein, was sie auf einem Beschleunigungsstreifen zu tun haben. Eigentlich. Denn praktisch herrscht hier oft totales Chaos. Tobias Gillen hat das satt – und erklärt, was es mit dem Beschleunigungsstreifen so auf sich hat. 

Ich möchte rechts auf die Bundesstraße auffahren. Dafür gibt es einen Beschleunigungsstreifen, den ich gerne befahren würde, wenn nicht vor mir ein Autofahrer darauf stehen bleiben und rechts und links nach Verkehr Ausschau halten würde. Da mir das ständig passiert und wir schon einige Hinweise auf dieses Thema bekommen haben, vielleicht mal eine kleine Erläuterung des Mysteriums Beschleunigungsstreifen.

Verboten und gefährlich

Er hat ein paar Namen: Beschleunigungsstreifen, Einfädelungsstreifen oder Beschleunigungsspur. Bei allen drei Bezeichnungen geht es also entweder um die Beschleunigung oder das Einfädeln.

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Entsprechend unverständlich ist es für mich, wieso manche Verkehrsteilnehmer auf die Idee kommen, hier anzuhalten. Das ist nicht nur verboten, es ist auch noch ziemlich gefährlich.

Kommen wir vielleicht zunächst zum rechtlichen Teil. In § 12 Abs. 1 Nr. 3 der Straßenverkehrsordnung zum Thema „Halten und Parken“ heißt es:

Das Halten ist unzulässig auf Einfädelungs- und auf Ausfädelungsstreifen.

Ausfädelungsstreifen sind übrigens das gleiche wie Einfädelungsstreifen, nur umgekehrt: Also die Streifen, auf die man erstmal ausscheren muss, bevor man bremst, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern. In  § 18 Abs. 8 der Straßenverkehrsordnung heißt es zudem bezüglich „Autobahnen und Kraftfahrtstraßen“:

Halten, auch auf Seitenstreifen, ist verboten.

In den laufenden Verkehr einordnen

Wäre das also geklärt: In jedem Fall ist es nicht erlaubt, auf Autobahnen (und die Beschleunigungsstreifen zählen schon dazu) oder auch auf normalen Beschleunigungsstreifen zu halten oder stehen zu bleiben. Aber warum?

Der Sinn des Beschleunigungsstreifens ist, dass man sich in den laufenden – meist schnellen – Verkehr einordnen kann, ohne ihn zu sehr zu behindern. Das funktioniert am besten, wenn man selbst schon auf einer annähernd so schnellen Geschwindigkeit ist wie die anderen Autos und nur noch einscheren muss.

Auffahrunfälle sind die Folge

Gefährlich wird es genau dann, wenn man hier bremst und eben nicht beschleunigt, denn dann muss man aus dem Stand in einen Verkehrsfluss einfahren – und zwingt damit die anderen Autofahrer zum Bremsen, was Auffahrunfälle wahrscheinlicher macht.

Zudem kann man auch selbst Opfer eines Auffahrunfalls werden. Denn all diejenigen, die den Beschleunigungsstreifen richtig verwenden, orientieren sich mit einem Schulterblick nach dem fließenden Verkehr – was wiederum dazu führt, dass sie nicht damit rechnen, dass vor ihnen gebremst wird.

In jedem Fall ist es also eine schlechte Idee, auf, vor oder während einem Beschleunigungsstreifen abzubremsen oder gar zu halten.

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Ich würde mich freuen, wenn ich das seltener beobachten müsste.

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.