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Robert Basic an alter Wirkungsstätte: Die Geschichte von Blogs, Teil 1

Blogs Robert Basic
geschrieben von Robert Basic

BASIC thinking-Gründer Robert Basic ist zurück an seiner alter Wirkungsstätte und schreibt in einer dreiteiligen Serie über die Anfänge und die Geschichte von Blogs, Bloggern und einer sich wandelnden Technologie. // von Robert Basic


Inhaltsverzeichnis


Ich soll eine Story schreiben? Hier, auf meiner alten Wirkungsstätte? In drei Teilen auch noch? Zu Blogs? Was gewesen war, was ist und was wird? Ach Gottchen, ich werde all die neuen Leser nur irritieren, die mich erstens nicht kennen und zweitens meine Art zu schreiben nicht gewohnt sind. Einige werden dabei sein, die gar froh waren, dass ich hier nicht mehr herumwirble. Da müsst ihr jetzt leider durch. Denn genauso wie ich damals zu Bloggen angefangen hatte, einfach ins kalte Wasser springend, ohne allzu lange überlegend, mache ich hier einen auf Gastblogger. Basic Thinking eben. Daher auch der Name. Beim Bloggen denken, manchmal auch nachher. Das war mir zumindest die natürlichste, unredigierteste und ehrlichste Form des rohen und unverbrauchten Bloggens. Wer als Blogger seine Texte schleift und redigiert, hat Angst vor der Bühne, ringt um Ruhm, Glanz und Gloria, pffft sage ich nur dazu.

Ich blogge, also bin ich

Mein Name ist Robert Basic, ich habe dieses Blog 2003 aus der Taufe gehoben, knapp 12.500 Artikel bis zum Verkauf im Januar 2009 veröffentlicht und war seitdem hier nicht mehr aktiv. Als Blog-Opa werde ich euch also etwas erzählen, wie das damals mit der Bloggerei war. Was aus den Blogs bis heute wurde. Und im dritten Teil versuche ich mich an Kaffeesatzleserei, was aus Blogs werden könnte.  Hier eben zum besagten Dreiteiler: Wie war das damals zu Blog-Opas Zeiten? Wie haben sich die Blogs bis heute entwickelt und wo geht der Weg hin? Beginnen wir mit etwas Blog-Archäologie und betrachten die ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends.

Es werde Mensch, statt Technik: Die Geburtsstunde der Blogs

Als Wenige mit dem Bloggen um die Jahrtausendwende begannen, gab es wortwörtlich Nichts, was uns das Leben bequemer machte! Weder war Social Media ein Begriff noch gab es YouTuber, nicht einmal Google war besonders heiß auf Blogs. Uns, statische Webseiten, Foren, Chats und die jungen Blogs, mehr gab es nicht. Harte Zeiten. Stimmts? Nein, nicht wirklich.

Blogs stellten eine echte Revolution dar. Es war nicht hart, es wurde leichter, viel leichter.

Die Tatsache, dass sich Blogs als einfach zu bedienendes Werkzeug herumsprachen, um mit anderen Menschen kommunzieren zu können, ist bereits der ganze Clou. Dein Werkzeug. Nur deins. Mach was du willst damit. Befülle es mit egal was. Freiheit! Du! Deins! Gib den Menschen ein simples Ich-Werkzeug in die Hand und es erobert im Handumdrehen die Welt. Handys und Smartphones konnten das. Social Networks konnten das. Instagram und WhatsApp konnten das. Das Muster bleibt stets gleich. Einfach und Ich.

Wer sich speziell für die technischen Gegebenheiten interessiert, dem empfehle ich den Besuch folgender Artikel: Die Geschichte des Weblogs (Carta.info), Die Geschichte von Blogs (MotzMeyer), Die Geschichte der deutschen Blogosphäre (hier bei uns). Ihr werdet schnell feststellen, dass es dabei schon immer zwei Typen von Bloggern gab: Einige bequemten sich damit, auf vorgefertigten Plattformen Blogs zu befüllen (z.B. Blogger.com 1999, Antville 2001, Twoday.net 2003, Blog.de 2005), anderen reichte das nicht und sie bevorzugten die volle Flexibilität, indem sie ihr Blog auf ihrer eigenen Domain hochzogen (mit Hilfe von Movable Type 2001, Serendipity 2001 oder WordPress 2003).

Natürlich verlangte der zweite Weg dem Blogger etwas mehr technisches Wissen ab.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich mehrheitlich IT-affine Menschen der Aufzucht eigener Blogs annahmen und überhaupt den ersten Bloggertross darstellten. Dementsprechend war die junge Blogosphäre die ersten Jahre inhaltlich von zahlreichen IT-Themen geprägt.

Dennoch wollen wir festhalten, dass es nicht umsonst die Gruppe derer gab, die es besonders einfach mochten. Die damalige Zeit der Technik war eben nicht von Einfachheit geprägt, wenn es galt, der eigenen Stimme einen Platz im Netz zu verleihen. Es war die Vor-Blog-Ära. Blogs änderten das radikal. Der Mensch brach sich Bahn.

In einem Jahrzehnt zum vorherrschenden Webseitensystem

Für welchen Weg auch immer man sich entschied, diese anfänglich kargen Publishing-Tools entwickelten sich in rasender Eile zu allumfassenden Werkzeugen, wie wir sie heute kennen. Die urknallartige Ausbreitung der Blogs ging mit einer Vielzahl an Ideen einher, um uns das Publizieren so flexibel und so einfach wie nur möglich zu gestalten. Das Ergebnis dieser Entwicklung, die sich bereits im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends vollzog, sind moderne Tools wie WordPress, die durch eine Unzahl an Templates, Plugins und Einstelloptionen daherkommen.

So gesehen mag es kein Zufall sein, dass WordPress heute mehrheitlich die dominierende Technikbasis für zahlreiche Webseiten darstellt, ob nun als Blog betrieben oder nicht.

Blogs als die ersten Fertigbauhäuser bezugsbereit

Also, soweit verstanden? Bringen wir die Einzelstränge zusammen. Einfache Werkzeuge sind der Clou. Menschen lieben es einfach. Besonders wenn es sie beim Kommunizieren unterstützt. Blogs bildeten erstmalig eine populäre Lösung ab, Individuen eine eigene Stimme zu verleihen und einen persönlichen Platz zu schaffen. Individuen, denen Foren zu gruppendynamisch waren und Chats zu abgeschottete Plätze darstellten. Wenn man so will, waren Blogs die Geburtsorte des Individuums im Netz nach dem Fertigbauhausprinzip. Wer zuvor keine komplexen Häuser selbst hochziehen konnte (etwas für statische Webseitenbauer und HTML-Frickler), hatte eben Pech. Die Blogs bauten diese Komplexitätsbarrieren des menschlichen Entfaltungsdrangs im Netz weitestgehend ab.

Es werde Mensch, nicht Technik!

Doch es blieb nicht nur beim Werkzeug Blog. Was nicht unwichtig zu verstehen ist, was aus ihnen wurde.

Blogs bekommen starke Alternativen

Mensch, weniger Technik: Zufall oder nicht, das erste Jahrzehnt des Jahrtausends war auch von einer Reihe an Innovationen geprägt, die dem heutigen social web seinen Grundcharakter verliehen haben.

Wir nannten all das früher “Web 2.0”. Es handelte sich um eine Strömung, die dem Mensch mehr Freiraum und Möglichkeiten gaben, sich auszutoben, auszugestalten und zu vernetzen.

Plattformen wie YouTube, LinkedIn, Xing, Facebook, StudiVZ, MySpace, Twitter und Flickr prägten zunehmend das Netzbild im deutschsprachigen Raum ab Mitte des ersten Jahrzehnts, nicht mehr nur Blogs. Es war eine Zeit wie eine Art Feuerwerk, nachdem der Crash der New Economy längere Zeit für einen Innovationsstau und Stillstand sorgte. Mit dem Aufkommen des iPhones anno 2007 enstand der nächste Urknall, das Internet in der Hosentasche überall mitnehmen zu können. Apps und das mobile Internet dominieren immer stärker das Netzbild. Das Bild des Netzes als reine Ansammlung von Webseiten — damit auch Blogs — hat sich in dramatisch kurzer Zeit gewandelt.

Als Zeitreise

  • 1999: Blogger.com eine der ersten Blogplattformen, gegründet von Evan Williams, der später Twitter.com und Medium.com startete
  • 2000: Blogs werden um die Jahrtausendwende lansgam populärer, auch international
  • 2001: Blog-Software Movable Type der Firma Six Apart für Einzelinstallationen
  • 2002: Friendster.com als frühes Social Network, Vorbild für MySpace und Facebook, kurzfristig weltweit das führende SN
  • 2003: LinkedIn geht als Business-Netzwerk in den USA an den Start, im gleichen Jahr startet OpenBC in Deutschland, das sich 2006 in Xing umbenannte
  • 2003: Blog-Software WordPress, die in kürzester Zeit Movable Type als populärste Software ablöst und sich auch in D schnell großer Beliebtheit erfreut
  • 2003: Bloghosting-Plattform Twoday.net ist einer der ersten deutschsprachigen Anbieter
  • 2003: Gründungsdatum MySpace – wird für wenige Jahre das populärste Social Network sein
  • 2004: Bilderplattform Flickr wird gegründet, enthält frühe social sharing Elemente, inkl. der Embedding-Möglichkeit von Bildern in Blogs
  • 2004: Facebook geht an den Start, zuerst als geschlossenes Netzwerk für US-Studenten, bis sich ab 2006 beliebige User registrieren dürfen
  • 2005: Blog-Hostingplattform WordPress.com aus der Taufe gehoben, als Ableger von WordPress
  • 2005: Vasco Sommer-Nunes bringt Blog.de als eine weitere Bloghosting-Plattform in D an den Start
  • 2005: Die Medienberichterstattung über Blogs und Blogger nimmt in Deutschland spürbar zu
  • 2005: YouTube erblickt die Welt, 2006 von Google für 1,3 Mrd Euro gekauft
  • 2005: StudiVZ wird von Ehssan Dariani in Deutschland gestartet, das sich innerhalb eines Jahres als erfolgreiches Studentennetzwerk etabliert
  • 2006: Twitter.com wird gelaunched
  • 2006: Zeit der Diskussionen, was Blogger „dürfen“ – die ersten zarten Versuche eines Großunternehmens namens Opel, mit Bloggern zu kooperieren, gehen schief
  • 2007: SchülerVZ wird als Ableger von StudiVZ gegründet, ein Jahr später MeinVZ
  • 2007: Apple stellt das iPhone vor und verändert alles
  • 2008: Die erste Blütezeit der Weblogs in Deutschland ist vorüber, die Verlinkungsdichte nimmt wieder dramatisch ab
  • 2010: YouTube, Twitter, Xing und Facebook dominieren die sozialen Netze in Deutschland mit Abstand

In diesem Kontext an Innovationen muss man die Lage der Blogs verstehen. Es waren zwar die ersten Werkzeuge für Individuen, doch die Reihe an vielen weiteren Alternativen führten zu einem starken Abwanderungssog im selbigen ersten Jahrzehnt.

Wer sich im Netz darstellen wollte, der konnte es nun auch auf YouTube, auf Twitter, auf LinkedIn, auf Facebook, es gab für jeden Geschmack etwas. So wurde Twitter nicht zufällig als erste Microblogging-Plattform bezeichnet. Wer es noch einfacher, schneller, kürzer und vernetzter mochte, fand sich zügig auf Facebook oder Twitter wieder. Facebook adatpierte zudem die berühmte Timeline Twitters als sozial-gebündelten Austauschkanal nicht umsonst. Damit ließen sich die Gedanken, Eindrücke und all das was meine Freunde bewegte, in einer Übersicht schnell erfassen. Scrollen und Scannen vor Lesen? Blogs muteten auf einmal hingegen als Slow-Food Ecken an.

Die Hochzeit der Blogs: Bis 2008

Blogs gerieten angesichts der Entwicklungen nicht in Vergessenheit, aber viele der ersten Blogs aus der Anfangsphase sind dementsprechend heute entweder verwaist oder gar ganz abgeschaltet. Eben als Folge dieser Gesamtentwicklung an zahlreichen Alternativen: Schaut euch hierzu meine Blogparade aus 11/2004 an. Dort habe ich die damals best vernetzten Blogs gelistet, die in der Blogosphäre von anderen Blogs gerne zitiert wurden. Die meisten existieren heute nicht mehr oder werden nicht mehr gepflegt.

Drei Jahre später, anno 2007, ergibt ein Blick auf den Nachfolger der Blogparade — die Deutschen Blogcharts — eine deutlich stärker und häufiger untereinander vernetzte Blogosphäre. Sozusagen die Hochzeit der Bloggespräche. Und meine Güte, was haben sich die Medien über uns Blogger die Finger wundgeschrieben. Wie oft wurden wir auf Podien präsentiert. Wie oft hat sich die Wirtschaft über uns lustig gemacht und wie oft wurden wir eigentlich abgemahnt? Blogs wurden tatsächlich für eine gewisse Zeit lang gehyped.

All das ist vorbei. Die Zeiten haben sich längst normalisiert. Drehen wir das Rad der Zeit weiter ins Jahr 2011, erblicken wir nur noch notdürftig untereinander verlinkte Blogs. Wie das? Die Gesprächskanäle auf YouTube, Facebook oder Twitter waren nun vollends zur Entfaltung gekommen. Das Ich als tragendes Element war auch dort mindestens ebenso stark ausgeprägt.

Blogs nahmen als zentrale Gesprächsstätten dramatisch an Bedeutung ab, setzt man sie ins Verhältnis zu den neuen Plattformen. Produziert, kommentiert und verlinkt wurde nun weitaus häufiger in den sozialen Netzen.

Moderne Blogs sind heute weitaus vernetzter und verzahnter mit den sozialen Medien, gegenüber damals im ersten Jahrzehnt rein untereinander. Welch Wunder auch. Wer damals mitreden wollte, brauchte ein eigenes Blog. Verlinkt und zitiert wurden Blogs. Blogs bildeten tatsächlich übergeifende Diskurse und Dialoge an. Heute ist das so natürlich nicht mehr nötig. Blogs dienen nach wie vor als Impulsgeber von Informationen und Gesprächen, bieten Inspiration und Anreiz, Einblicke in fachliche und private Gedankenwelten. Die Diskurse spielen sich nur noch im Blog selbst ab und den sozialen Medien, wo sie Impulse erzeugen. Blog-übergreifendes kann man nur noch sehr selten beobachten. Zudem hat ihnen die Nutzungswelle von sozialen Medienplattformen schon längst den Rang streitig gemacht. Alleine die brachial-visuelle Gewalt der Bewegtbilder auf YouTube, deren Abrufzahlen und Gesprächswirkung zeigt überdeutlich, dass Blogs selbstverständlich nicht mehr die Alleinherrscherplätze des Menschen im Netz sind, nicht mehr die alleinigen Takt- und Impulsgeber, wie sie einst erschienen und zeitweise den klassischen Medien Sorgen bereiteten. Wer mitreden und mitdeuten, wer Spaß haben will, dem bieten sich diverse Alternativen an. Punkt.

Blog als Kulturtechnik blieb nie stehen

Hält man sich den Zeitraum von 2000 bis heute vor Augen, so stellen wir fest, dass wir im übertragenen Sinne von einem Jugendlichen reden, der gerade einmal 15 Jahre an Erfahrungen alt geworden ist. Was den Umgang mit all den Werkzeugen inklusive dem Werkzeug Blog angeht. Es mag sein, dass wir technologisch einen guten Reifegrad erreicht haben, wie sich heute Blogs darstellen.

Aber wir haben wir mit Sicherheit in der Kürze der Zeit noch nicht die vollumfängliche Stufe erreicht, wie und was wir mit Hilfe der Blogs dem Leben im Netz einhauchen können.

Natürlich haben wir eine immense Menge an Erfahrungen gemacht, wozu wir Blogs thematisch nutzen können: Mode, Politik, Krankheit, Technik, Elternschaft, Wirtschaft, Kultur, Mobilität, zu jedem erdenklichen Thema kennen wir Blogs. Wir wissen mittlerweile besser, wie wir Blogs vermarkten, gar monetär ausgestalten können. Wir wissen langsam besser, welche Wirkung Blogs entfalten können. Wir entdecken die Power von Blognetzen, Bloggern die zusammenarbeiten. Wir verstehen zunehmend, mit den Anforderungen der mobilen Netze umzugehen. Auch entdecken wir zunehmend die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Plattformen, ebenso wie wir diese miteinander besser verbinden können. Was zu einem steten Kommen und Gehen bei Bloggern führt und weiterhin führen wird. Es hat sich schlichtweg besser herumgesprochen, wann und wozu man das Werkzeug Blog in die Hand nehmen kann. Nicht immer für alles.

Zusammenfassung und Ausblick

Ich habe versucht, euch aufzuzeigen, warum die Blogs als Werkzeug willkommen geheißen wurden. Ich habe versucht, euch aufzuzeigen, wie rasend schnell sie sich ausgebreitet haben und fast schon gleichzeitig von zahlreichen Alternativen eingeholt und überholt wurden, die ihre eigene Faszination entfalteten und bis heute entfalten. Und, ich habe euch versucht zu signalisieren, dass Blogs trotz dem irren Wandel der Zeit ihre Stellung im Mix an Möglichkeiten erhalten haben. Auf diese Möglichkeiten und die heutigen Ausprägungen werde ich im Folgeartikel näher eingehen.

Bloggergeschichten

Was ich nicht gemacht habe? Eigentlich wollte ich euch all die schönen Geschichten und Begebenheiten aus der Anfangszeit präsentieren, die das Faszinosum Blogging ausmachen. Sozusagen Blog-Opa erzählt was von Gestern. Vor lauter Erklären kam ich nicht dazu. Eine Geschichte möchte ich dennoch nicht vorenthalten. Sie schließt sozusagen an das an, was ich Euch oben erzählt hatte. Einfach loslegen. Einfach machen. So begann auch meine erste Blog-Geschichte am 03.02.2003, hier auf diesem Blog. Erst technisch ausholend, dann irgendeine Geschichte dazupackend. So wie es kommt, raus damit.

Es geht bei dieser Geschichte um meine Bloganfänge. Unsicher, was ich denn schreiben könnte, war ich damals. Tappsig. Mehr Fachliches ok, aber Persönliches? Geht das denn einfach so? Wen geht das etwas an? Warum? Ich war blogtechnisch zu Beginn mit ca. 60 Bloggern vernetzt, die sich rund um den Globus mit einem technischen Thema befassten. Klar dominierte das fachliche Element. Bis eines Tages einer dieser Fachblogger — ein Amerikaner — in der Art eines Tagebuchs zu erzählen begann, dass seine krebskranke Tochter sterben muss. Die Maschinen sollen abgeschaltet werden. Sie kämpfte Wochen, bis sie verstarb. Wir alle waren ein Teil und nahmen Anteil. Über alle Kulturkreise und Ländergrenzen hinweg. Wir sprachen ihm und seiner Familie Mut und Kraft im Angesicht der Bitterkeit des Schicksals zu.

Für mich persönlich war die sehr mutige und offene Entscheidung des Vaters, uns an seinem Innersten teilhaben zu lassen, ein Signal. Es trotz all der Anonymität des Netzes darauf ankommen zu lassen, mehr Persönliches, mehr vom inneren Ich zu wagen. Es bedarf in der Tat Mut und Kraft sich einer unbekannten Öffentlichkeit zu öffnen und auszusetzen. Sich verletzlich und angreifbar zu zeigen, in all der menschlichen Art, die uns zu eigen ist. Einblicke in die Gedanken des Gegenübers geschenkt zu bekommen, verlangt mir bis heute großen Respekt ab. Und macht einen Teil des Bloggens aus, wie ich es zu schätzen gelernt habe. Auch in der Gewissheit, dass die digitale Vernetzung hoffentlich zu etwas Größerem führt. Indem wir lernen und akzeptieren, wie groß die Vielfalt menschlicher Art zu leben und zu denken ist, uns mehr zusammen- denn auseinanderbringt. Weit außerhalb unserer persönlicher Freundeskreise. Wenn Bloggen dazu ewas beiträgt, gut, wenn nicht, war es eben nur eine Hoffnung.

Genug Blog-Schmackes. Bis zum nächsten Mal am kommenden Donnerstag!


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

25 Kommentare

  • Hallo Robert,

    hach, was für ein schöner Artikel. Ich lese solche Sachen immer wieder gern. Die müssen nicht immer vom Bloggen handeln. Aber du als „Blog-Opa“ kannst natürlich wunderbar aus dem Nähkästchen plaudern. Und du hast wunderbar herausgearbeitet, dass das Bloggen eben mehr ist als das bloße Aneinanderreihen von Wörtern. Ein Blog ist nichts ohne die Person dahinter. Das wurde richtig gut klar in dem Artikel.

  • In Deiner Liste fuer Blog-Software fehlt Greymatter, das kam schon 2000 raus. Das war meine erste echte Blogsoftware die ich installiert hatte, so um 2002 rum. Davor hatte ich was von Willmaster, das war noch sehr rudimentaer. Aber das waren noch Zeiten, damals….

    • yep, Greymatter oder Expression Engine.. da sind noch einige SWs die ich nicht gelistet habe, vermute ich mal.

  • Man ist fast geneigt zu sagen, Willkommen zu Haus 😉
    Ein wirklich wunderbarer Artikel.
    Ich hätte getippt, dass wordpress schon älter ist. Da kann man mal sehen, wie man sich verschätzen kann.

  • Jaja, früher war Alles besser (Grins).

    Trotzdem, a) schön, mal wieder was von Dir zu lesen hier, und b) gelegentlich mal so eine Rückschau ist auch nicht verkehrt. Meine persönliche Vermutung, warum Blogs nicht wirklich zum Mainstream geworden sind: Das interessanteste an Blogs ist die Vernetzung. Diese muss man in Blogs selber pflegen. Das scheint etwas zu mühsam zu sein. Ich kann mich noch gut an die Diskussion um den sog. „Linkgeiz“ erinnern. Professionell betriebene Plattformen nehmen einem dies weitgehend ab. Der Nachteil solcher Plattformen ist natürlich der oft fehlende oder mangelhafte Datenschutz.

  • Damals: „Robert Basic, ist das nicht der Typ von Telekom?“ – „Wer nennt sich denn so?“. Tatsächlich war Robert nur zufällig der Vorname von Robert T-Online und der Nachname nur zufällig mit dem Namen einer Programmiersprache deckungsgleich.

  • Danke Robert Basic für die Rückschau. Als Twoday-Oma (November 2005) gehöre ich zu den Blümchen Blogger(inne)n mit cat content. Was wollte ich schon mitreden in der Blogosphäre, jedes bisschen Html musste ich mir zusammenkratzen, trotzdem es war spannend, ich fühlte mich zugehörig, kannte die angesagten Blogger und Bloggerinnen zumindest beim Namen, besuchte ein Blogcamp, hielt einen Vortrag an der Uni, harrte bei twoday aus und bin immer noch dabei.

  • Hallo Robert!

    Gut, wie du es geschafft hast „einen Bogen“ über die Zeit des Bloggen zu spannen. Ich gehöre auch zu den Blogopas. Mein 1. Eintrag auf meinem Blog, schlagloch.20six.de, erfolgte am 22.4.2003. Es war eine überschaubare Community, wo in den ersten Jahren noch jeder Jeden gekannt hat. Nach Jahren habe ich meine eigene Webseite installiert und blogge seit 2003 ohne Unterbrechung. Alle Beiträge sind noch im Archiv abrufbar.
    Gruss schlagloch

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