Social Media

Instagram Stories: Wenn Facebook bei Snapchat kopiert

Instagram Stories
geschrieben von Tobias Gillen

Es gibt im Copycat-Bereich ja so Kleinigkeiten, über die sich viele Menschen fürchterlich aufregen. Etwa eine minimale Rundung an den Ecken eines Displays, der Look von Lautsprechern an Smartphones oder andere Banalitäten. Was Instagram nun aber mit Instagram Stories macht, ist mal wirklich dreist.

Es ist November 2013, als Facebook ein Angebot über 3 Milliarden US-Dollar für Snapchat abgibt. Ein Jahr nach dem Milliarden-Kauf von Instagram, ein Jahr vor dem Multimilliarden-Kauf von WhatsApp. Snapchat ist zu dem Zeitpunkt etwas über zwei Jahre jung, drei Milliarden US-Dollar sind ein fetter Deal – und doch lehnt CEO Evan Spiegel ab. Er wusste, was seine Erfindung einmal wert sein würde und er ahnte vermutlich, dass selbst 3 Milliarden US-Dollar ein Witz dafür waren.

Ironischerweise hat Snapchat zu dem Zeitpunkt gerade Snapchat Stories vorgestellt, also eine Funktion, mit der sich mehrere Bilder zu einer Abfolge, eben einer Story, verbinden lassen. Heute stellt Instagram eine neue Funktion vor und nennt sie, tada, „Instagram Stories“. Instagram Stories sollen eine, tada, Abfolge von einzelnen Clips und Bildern werden, die man, tada, mit Stickern und Text verzieren kann und die sich, tada, nach 24 Stunden löschen.

Instagram Stories Snapchat

Instagram Stories sehen Snapchat Stories verdammt ähnlich (Bild: Instagram)

Instagram Stories: Bei der Geburt getrennt

Als wäre es nicht genug, dass Facebooks Instagram hier ziemlich exakt 1:1 Snapchats Funktion kopiert, sehen die Instagram Stories und die Implementierung der von Snapchat auch noch so ähnlich als wären sie bei der Geburt getrennt worden. Nach dem Rollout, der nun über die nächsten Wochen für iOS und Android startet, wird man am oberen Rand des Bilderstreams einen Balken mit runden Profilbildern seiner Freunde und gefolgten Accounts sehen. Tippt man einen davon an, öffnet sich die Story.

Laut Instagram gehe es darum, dass die Nutzer mehr teilen können ohne ihren Account zu überfrachten. So tauchen die Stories auch nicht im Profil auf und richten sich nach den Privatsphäre-Einstellungen (ist euer Account auf privat gestellt, so werden die Stories auch nur für eure bestätigten Accounts sichtbar sein).

Instagram Stories Snapchat Story

Am oberen Rand werden die Stories eurer Freunde eingeblendet (Bild: Instagram)

Instagrams Vorteil: Die User Experience

Zudem lassen sich einzelne Stories auch für bestimmte Nutzer – auch die, die euch folgen – komplett ausschließen und ein Bild aus einer Story lässt sich promomäßig auf eurem Profil posten. Ihr seht: Viel exakter kann man die Funktionsweise eines Konkurrenten kaum mehr abkupfern und trotzdem ist wohl damit zu rechnen, dass Instagram Stories viel beachtet und genutzt wird. Denn der Snapchat-Konkurrent hat einen Vorteil: Instagram ist intuitiver. Während sich viele Neunutzer mit Snapchat schwer tun, versteht man Instagram binnen Sekunden und kann loslegen. Ob das bei der Implementierung von Stories auch so sein wird, muss abgewartet werden.

Nichtsdestotrotz: Ich bin nie ein Fan davon, wenn sich Netzwerke annähern. Bei Twitter und Facebook konnte man das lange beobachten, was zur Folge hatte, dass beide ihre einzigartigen Vorteile verloren haben und sich dem Mainstream meiner Meinung nach zu sehr gebeugt haben. Instagram geht sicher den richtigen Schritt und bleibt im Trend. Nur hätte man sich doch etwas mehr Innovationsfreude wünschen können.



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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

2 Kommentare

  • Die Diskussion, ob es immer richtig ist, dass sich soziale Netzwerke strukturell annähern, kann man auf jeden Fall führen. „Dreist“ empfinde ich als Bewertung nicht gerechtfertigt. Bei allem Respekt für den Snapchat-Erfolg sind deren Features ebenfalls nicht besonders innovativ gewesen.

    Das Grundgerüst sozialer Netzwerke ist ja immer ähnlich, alles Weitere basiert dann letztlich auf kleinen Änderungen, also meist ein Feature „reduzieren“ oder „ausbauen“: mehr/weniger Text, bildstärker, besonders aktueller & umfangreicher Feed/besonders reduzierter Feed, Inhalte vergänglicher/Inhalte haltbarer etc.

    Unterm Strich nutzt Facebook nur wie immer (und vermutlich zu einem günstigen Zeitpunkt) seine Größenvorteile.

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