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Live Location im Facebook Messenger: der gefährliche Freund

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Mit Live Location kannst du nun deinen Standort im Facebook Messenger mit Freunden teilen. (Bild: Facebook)
geschrieben von Christian Erxleben

Unter dem Namen „Live Location“ führt Facebook im Messenger ein neues Feature ein. Dieses erlaubt es dir, deinen Standort mit Freunden für eine Stunde zu teilen. Doch die Funktion hat nicht nur Vorteile.

Eigentlich eine kluge Idee, die Facebook-Managerin Selena Wang vorgestellt hat. Live Location für den Facebook Messenger gibt dir die Möglichkeit, in Echtzeit deinen Standort mit Freunden und Familienmitgliedern zu teilen.

Hilfreich wird das Feature zum Beispiel, wenn du dich mit deinem besten Freund in der Stadt treffen willst und ihr wissen wollt, wie weit ihr voneinander entfernt seid.

Nach dem Rollout von Live Location drückst du in der Menü-Leiste des Facebook Messengers einfach auf den Ortungspfeil und schon wirst du zu einer Karte weitergeleitet. Diese zeigt deinen aktuellen Standort an.

Entscheidest du dich dafür, deinen Aufenthaltsort mit deinem Freund zu teilen, werden dein Standort und deine Bewegungen für maximal eine Stunde live mit ihm geteilt. Wenn ihr euch gefunden habt, genügt ein Klick auf „Stop“ und die Übertragung der Daten wird beendet.

Live Location: eine Gefahr für die eigene Sicherheit?

Grundsätzlich bieten Live-Tracking-Funktionen wie die im Facebook Messenger oder in Google Maps (auch erst vor einigen Tagen vorgestellt) selbstverständlich nicht nur Vorteile. Die Möglichkeit, Live Location oder ähnliche Anwendungen für einen Missbrauch zu nutzen, sind gegeben. Für Technik-affine Kriminelle ist das Kapern von fremden Smartphones, zum Beispiel wenn sie mit öffentlichen Netzwerken verbunden sind, heute keine große Herausforderung.

Ein Fall, der zwar sehr stark dramatisiert und vermutlich ein Worst-Case-Szenario darstellt, beide Seiten der Medaille aber trotzdem gut veranschaulicht, ist Folgender: Ein Teenager ist auf dem Rückweg von einer Party und teilt den Standort mit seinen Eltern, damit diese immer wissen, wo er/sie gerade ist. Das ist natürlich gut. Gefährlich wird die Situation jedoch, wenn ein Entführer mit seiner kriminellen Energie den Aufenthaltsort des Jugendlichen identifiziert und ihn/sie anschließend abpasst.

Zwar, so könnte man mit Sicherheit argumentieren, kann die Live Location im Facebook Messenger der Polizei theoretisch auch beim Verfolgen des Verbrechers helfen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass ein Straftäter in einem ersten Schritt alle Kommunikationsmöglichkeiten des Opfers eliminiert. Dieses kleine, etwas konstruiert wirkende Gedankenkonstrukt beweist wieder einmal, dass Live-Tracking-Features mit Vorsicht zu genießen sind und etliche Gefahren bergen. Diese Gefahren sind zwar unwahrscheinlich aber dennoch real.

Der Messenger wird zur Plattform

So umstritten die Einführung von Live Location auch sein mag, so konsequent passt sie zur Strategie von Facebook. In Zeiten, in denen sich die digitale Kommunikation zunehmend privatisiert und in die Messenger verlagert, will Mark Zuckerberg seinen Nutzern möglichst viele Funktionen an ihrem liebsten Aufenthaltsort anbieten. Das Versenden von Nachrichten ist zwar immer noch eine Kernfunktion des Facebook-Messengers. Diese wurde jedoch um zahlreiche weitere Features wie Sprachnachrichten, Videotelefonie oder auch zahlreiche Mini-Spiele wie Pacman ergänzt.

Als Vorbild fungiert hier für Facebook die chinesische Social-Media-Plattform WeChat. Der Mutterkonzern Tencent hat den Messenger für seine Nutzer bereits soweit aufgebohrt, dass sie nicht mehr nur Nachrichten verschicken können, sondern auch Taxis bestellen, Geld überweisen oder Flüge buchen können. Der vollendete Facebook Messenger soll nach den Vorstellungen von Mark Zuckerberg wohl ähnlich aussehen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit 2017 Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

4 Kommentare

  • Was für ein absurdes Beispiel. Der Teenager könnte ja ausschließlich von seinen Eltern selbst entführt werden, wenn er nur mit diesen seine Location teilt. Kompliment hingegen für den clickbaitstarke Überschrift. Bei mir hat sie funktioniert. Schade nur, dass solch irrationale Beiträge die Menschen gegenüber der Digitalisierung nur noch mehr verunsichern.

    • Hallo Nico,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe aber doch noch ein paar Nachfragen.

      1. Wieso könnte der Teenager nur von seinen Eltern entführt werden? Wie im Text dargestellt und auch hier (http://praxistipps.chip.de/handy-abhoeren-und-ausspionieren-geht-das_48052) belegt, ist es durchaus möglich, dass Drittpersonen mit Know-how den Standort eines fremden Gerätes identifizieren können.

      2. Warum ist es eine clickbait-starke Überschrift? Es ist durchaus gefährlich seinen Standort zu teilen. Der „gefährliche“ Freund ist also aus meiner Perspektive legitim. Selbstverständlich ist es ein drastisches Beispiel. Aber auch kleinere Delikte wie Daten-Diebstahl sind auf diesem Weg möglich. Bitte erkläre mir doch, warum und vor allem was genau für dich daran Clickbait ist.

      Vielen Dank, Christian

      • Gerne:

        1. Die Ermittlung von Standortdaten via Silent SMS (wie unter dem von dir verlinkten Beitrag beschrieben) ist komplett unabhängig von der Verwendung jeglicher Apps wie dem Facebook Messenger. Damit bleibt das Entführungs-Beispiel absurd weil unrealistisch. Die App ist ja für diese Attacke keine Vorraussetzung.

        2. Gefährlich ist nicht die Verwendung des neuen Features im Facebook Messenger – sondern die fehlende Kontrolle des Nutzers über Metadaten überhaupt. Das gilt genauso für Dumbphones. Durch den somit fehlenden Bezug dieser Gefahr zum Facebook-Feature geht der Nachrichtenwert des obigen Beitrags verloren. Nach meiner Einschätzung daher Clickbait.

  • Kann mich nur anschließen! Das Beispiel ist unfassbarer Humbug!

    Was hat die Ortung von Strafverfolgungsbehörden über Sendemasten, gefakte Sendemasten mit Technik für 6-7-stellige Summen oder offene WLANs mit der Standortfreigabe im Messenger zu tun?

    Im Messenger wird der Standort eben NICHT öffentlich geteilt! Kann mich auch bei der Überschrift nur anschließen. Dieser Artikel würde bestens in den Focus passen, bei BT bin ich deutlich besseres gewohnt!

    Freue mich auf schlüssige Erklärungen!

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