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Umfrage der Woche: Gibt es noch werbefreie Zonen im Web?

Christian Erxleben
Sollen Unternehmen und Rechte-Inhaber Plattformen wie Twitter und YouTube dazu zwingen, Fan-Videos zu löschen?

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Wenn ein soziales Netzwerk Geld verdienen oder sich eine App refinanzieren möchte, kommt häufig Werbung ins Spiel. Kaum eine Internetseite oder Plattform kann dauerhaft auf das Geld von Unternehmen verzichten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es nur noch wenige Orte im Web gibt, in denen die Nutzer nicht getrackt, getargetet und verfolgt werden. Das ist das Thema unserer Umfrage der Woche.

Es sind erschreckende Zahlen, die die Social-Media-Software Lithium Technologies als Ergebnisse einer Umfrage präsentiert.

Von den 2.000 Befragten im Alter zwischen 16 und 39 Jahren fühlen sich 74 Prozent von Unternehmen verfolgt. Als besonders unsichere Orte gelten dabei die Feeds und Timelines in den sozialen Medien. Aufgrund des zum Teil sehr offensiven Werbeverhaltens der Unternehmen zieht sich mehr als die Häfte (56 Prozent) der Digital Natives aus Facebook und Co. zurück.

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Flucht vor Werbung und Unternehmen

Um vor der personalisierten Anzeigen zu entkommen, suchen sich Nutzer immer neue Netzwerke. Lange Zeit war Snapchat ein solcher Ort. Das ändert sich mit jedem neuen Werbeformat, das von Gründer Evan Spiegel etabliert wird. Die neuen Zufluchtsorte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Netzwerke wie Musical.ly und Jodel.

Bildergalerie: So funktioniert Social-Media-Star Musical.ly

Doch es sind längst nicht mehr nur die sozialen Medien, die sich zunehmend von der privaten Plattform zum Marktplatz für Nutzerdaten entwickeln. Selbst Orte wie die Bildersuche von Google oder Sprachassistenten wie Alexa werden von Unternehmen in Beschlag genommen. Das geht selbstverständlich nur, weil es die Digitalkonzerne im Hintergrund so wollen.

Dienste, frei von finanziellen Interessen?

Bei den Finanzierungs- und Vermarktungskonzepten für Plattformen, Netzwerke, Seiten und Anwendungen steht häufig das Geld vor dem Nutzer.

Wie die oben zitierte Studie allerdings eindrucksvoll unterstreicht, tauschen Unternehmen Geld gegen loyale Nutzer. Damit wiederum verlieren sie auf lange Sicht auch wieder das Geld.

Eigentlich sollten die Unternehmen viel Zeit und Arbeit investieren und Geschäftsmodelle entwickeln, die nicht darauf beruhen, den Nutzer und seine Informationen bis zum bitteren Ende zu melken. Geschicktes Native Advertising und klare Kennzeichnungen von Anzeigen wären weitere Teilaspekte.

Gibt es für für euch noch Orte in der digitalen Welt, in denen ihr euch ohne Hintergedanken bewegen könnt und frei eure Interessen verbreitet, ohne Gefahr zu laufen, nur Minuten später per Retargeting mit Bannern bombardiert zu werden?

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.