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Fußball-Investoren in der Bundesliga: Fluch oder Segen?

Fußball-Investoren in der Bundesliga
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geschrieben von Philipp Ostsieker

Fußball-Investoren: Überwiegen Chancen oder Risiken? Hertha BSC hat positive Erfahrungen gesammelt, andere Klubs leiden unter dem Modell. Eine Übersicht zum Status Quo im deutschen Fußball.

Die Juni-Ausgabe der Capital beinhaltet die Geschichte über die Rolle des Finanzinvestors KKR bei Hertha BSC und was die Bundesliga davon lernen kann. Mit mehreren potenziellen Partnern laufen Gespräche – darunter Finanzinvestoren aus den USA und China. Hertha BSC ist einer der Klubs, bei denen die Beteiligungsfirma Fosun vorgefühlt hat.

Herthas zweiter Anteilseigner soll wie KKR ein strategischer Partner sein. Fußball-Investoren sollen sich beim Hauptstadtklub nicht in Transfers oder Trainerfragen einmischen. Das Private-Equity-Unternehmen ist seit 2014 mit zehn Prozent an Hertha BSC beteiligt. Für diese Anteil hatte KKR achtzehn Millionen Euro bezahlt. Insgesamt belief sich das KKR-Investment bei Hertha BSC auf 61,2 Millionen Euro. Laut Hertha-Boss Gegenbauer sei KKR als börsennotiertes Unternehmen „transparent und berechenbar“.

Ohne finanzielle Hilfe von außen ist es nicht möglich, die Lücke zu den Spitzenclubs auf Dauer zu verringern oder sogar zu schließen. (Michael Preetz, Geschäftsführer Hertha BSC)

Fußball-Investoren: Status Quo

Neben Hertha BSC suchen auch andere Vereine nach neuen Einnahmequellen, um im finanziellen Wettrüsten national und international bestehen zu können.

Für die Spitzenklubs der Bundesliga sind Fußball-Investoren ebenfalls nicht neu. Beim Rekordmeister FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Borussia Dortmund ist der einzige börsennotierte deutschen Erstligist. Weniger als zehn Prozent der Aktien befinden sich im Besitz des Vereins. Im August 2014 beschloss der BVB eine Kapitalerhöhung, um weitere 114,4 Millionen einzusammeln.

Die „Lex Leverkusen“ ließ schon länger Investoren zu, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Diese Ausnahmeregelung wurde nachträglich für die Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg umgesetzt.

Von dieser Regel wird nun auch Hannover 96 profitieren. 96-Präsident und Hörgeräte-Hersteller Martin Kind kämpft seit Jahren gegen 50+1.  Vor Gericht erreichte er, dass der Stichtag 1. Januar 1999 aufgehoben wurde. Kind ist in diesem Jahr 20 Jahre bei Hannover 96 involviert und darf den Klub komplett übernehmen. Auch auf 1899 Hoffenheim trifft die Regelung zu.

Eine weitere Ausnahme ist RB Leipzig. Der Klub gilt als Marketing-Instrument von Red Bull, erhielt vor der Saison 2014/15 aber eine Spielberechtigung. Der Klub musste dafür mehrere Auflagen der DFL erfüllen, u.a. die Abgrenzung des Vereinslogos vom Red-Bull-Unternehmenslogo.

1860 München und sein Alleinherrscher

Hasan Ismaik ist seit 2011 Geldgeber bei 1860 München. Er ist Vorsitzender des sechsköpfigen Aufsichtsrats der 1860 München KGaA und gehört auch dem vierköpfigen Beirat der Geschäftsführungs-GmbH an. Hasan Ismaik ist wie Martin Kind ein der ein entschiedener Gegner der bestehenden Investoren-Regel 50+1. Der jordanische Fußball-Investor hat weniger Einfluss bei den Münchener „Löwen“ als er gerne haben möchte.

Als er 2011 antrat, rettete er 1860 München mit 18,5 Millionen Euro vor der Insolvenz und erhielt 60 Prozent der Aktien. Wegen der 50+1-Regel hält Ismaik 49 Prozent der Stimmrechte. Bis heute hat er geschätzte 60 Millionen Euro investiert.

Die sportliche Bilanz lässt zu wünschen übrig. In sechs Jahre kamen und gingen dreizehn Trainer und etliche Manager. 1860 München stand in diesem Zeitraum dreimal kurz vor dem Abstieg. Laut Ismaik sind frühere Vereinsbosse, ehemalige Mitarbeiter und zu kritische Medien schuld am Status Quo.

Der HSV: Immer wieder Kühne

Der HSV hat ähnliche Probleme. Milliardär und HSV-Fan Klaus-Michael Kühne besetzt beim HSV kein offizielles Amt. Sein Einfluss auf das operative Geschäft ist umstritten. Sein Engagement ist bislang nicht erfolgreich. Die Meilensteine im Überblick:

2010:

  • Für 12,5 Millionen Euro erhält Kühne 33 Prozent der Transferrechte an sechs Spielern.
  • Kühne gibt dem HSV ein Darlehen über 8,5 Millionen Euro für den Transfer von Rafael van der Vaart. Kühne verzichtet auf die o.g. Transferrechte, erhält dafür 33 Prozent der Transferrechte am Niederländer.

2014:

  •  Kühne gibt dem HSV ein Darlehen über 17 Millionen Euro für Spielertransfers.

2015:

  • Kühne wandelt ein Darlehen über 18,75 Millionen Euro in 7,5 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG um. 
  • Kühne erwirbt die Namensrechte des HSV-Stadions und benannte es in Volksparkstadion um. Bis 2019 zahlt er hierfür vier Millionen Euro pro Saison.
  • Kühne finanziert die Verpflichtung von Albin Ekdal. Ablösesumme: 4,5 Millionen Euro.
  • Der HSV platziert ein neues Anleihe-Projekt über 40 Millionen Euro. Damit bekommt Kühne die 25 Millionen Euro zurück, die er dem HSV 2014 für die Ablösung der Bankkredite geliehen hat.

2016:

  • Kühne wandelt ein Darlehen über 9,25 Millionen Euro in Anteile um. Er hält nun 11 Prozent an der HSV Fußball AG.
  • Kühne gibt dem HSV ein Darlehen in Höhe von 38 Millionen Euro für Spielertransfers.

2017:

  • Der HSV muss das Darlehen zurückzahlen, wenn er sich zwischen 2016 und 2023 dreimal für den Europapokal qualifiziert.
  • Kühne sichert dem HSV die Lizenz für die erste und zweite Bundesliga. Er übernimmt im Zuge einer Kapitalerhöhung weitere Anteil der AG. Sein Anteil beträgt nun 17 Prozent.

Die HSV-Platzierungen ab 2010: 8, 15, 7, 16, 16, 10. Vor dem 34. Spieltag steht der HSV auf dem 16. Tabellenplatz. Das Darlehen muss der HSV wahrscheinlich nicht zurückzahlen.


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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Medienmanager und Digitalstratege aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.

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