Game of Thrones, Social Media TV

Snapchat, Musical.ly und Co.: Die neue Ära des Social Media TV

Christian Erxleben
Time Warner und HBO haben mit Snap eine Kooperation im Wert von 100 Millionen US-Dollar geschlossen. (Screenshot: HBO)

Gibt es bald Game of Thrones auf Snapchat zu sehen? Denkbar wäre es, denn Snap und Time Warner haben einen Deal abgeschlossen. Dieser reiht sich ein in die lange Schlange an Kooperationen zwischen sozialen Netzwerken wie Musical.ly oder Facebook und großen TV-Häusern. Die Ära des Social Media TV hat begonnen.

Obwohl die Börse derzeit Snap heftig zusetzt (Aktie ist auf Ausgabepreis gefallen), kann das Unternehmen von Evan Spiegel erneut einen großen Deal präsentieren: Snap hat mit dem Medienunternehmen Time Warner, zu dem unter anderem HBO (Game of Thrones) und Warner Bros. gehören, eine zwei jährige Kooperation abgeschlossen.

Wie Kerry Flynn schreibt, ist der Kontrakt 100 Millionen US-Dollar wert und beinhaltet neben zehn exklusiven TV-Produktionen auch ein großes Werbepaket. Große Marken wie HBO und DC Comics könnten dazu beitragen, neue Zielgruppen auf den Messenger mit dem kleinen Geist im Logo zu locken – eine Grundlage für den Erfolg von Social Media TV.

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Neue Umsatzaufteilung

Die jetzt angekündigte Zusammenarbeit ergänzt die Partnerschaften von Snap mit internationalen Fernsehanstalten um einen weiteren wichtigen Player. Schon heute kooperiert das Netzwerk mit großen Sendern wie CBS, der BBC, ESPN, Vice oder dem Discovery Network.

Die TV-Sender erhoffen sich von der Zusammenarbeit einen Zugang zur jungen Zielgruppe und sind dafür sogar bereit, viel Geld in Technik und Produktionen zu stecken.

Schließlich setzt Snapchat nicht auf das klassische horizontale Video (TV, YouTube) und auch nicht auf die angepasste schmalere Variante (Facebook, Instagram), sondern auf ein Hochkantformat. Diese findet sich ebenfalls bei der Smartphone-only-App Musical.ly wieder, die inzwischen 140 Millionen Nutzer hat.

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Fernsehsendungen für Snapchat (und Musical.ly) können folglich nicht von anderen Kanälen zweitverwertet werden, sondern müssen tatsächlich exklusiv produziert werden. Der Lohn dafür ist eine schlechtere Bezahlung. Während die kooperierenden Printverlage im Discover-Bereich 70 Prozent des erwirtschafteten Umsatzes behalten dürfen, bleibt den TV-Anstalten nur die Hälfte.

Social Media TV kommt

Unabhängig vom Ausgang dieser speziellen Kooperation kristallisiert sich ein klarer Trend zum Social Media TV heraus. Teenager und junge Erwachsene schauen nicht mehr das klassische TV-Programm. Sie nutzen Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime oder konsumieren die Video-Inhalte einfach in sozialen Netzwerken.

Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass sich die Fernsehanstalten aus ihrer klassischen Umgebung heraus in die digitale Welt öffnen. Ihre Inhalte sind weiterhin gut und werden auch von Nutzern konsumiert. Das unterstreichen die Streaming-Dienste eindrucksvoll. Der Nutzer ist heute lediglich an anderen Orten unterwegs als früher und erwartet mehr Flexibilität beim Konsum. Deswegen ist Social Media TV der richtige Ansatz.

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Zugleich muss betont werden, dass es noch keinen wirklichen Beweis für den Erfolg von Social Media TV gibt. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Einer davon ist, dass zahlreiche Kooperationen und Programme – wie zwischen Twitter und Bloomberg oder Musical.ly und NBC – noch in der Planungsphase stecken und ein Fazit erst nach dem Go-Live gezogen werden kann.

Die Resonanz wird ebenfalls Aufschluss darüber geben, ob die TV-Sender ihre Kooperationen mit sozialen Netzwerken intensivieren oder eher wieder Abstand davon nehmen werden. Denkbar wäre eventuell sogar die Übernahme eines Networks durch eine große Fernsehgruppe. Geld ist genügend vorhanden.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.