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Herausforderungen der Digitalisierung und wie man sie meistert

Team, Herausforderungen, Challenge
Vor welchen Herausforderungen steht die Wirtschaft? (Foto Pixabay.com / mohamed_hassan)
geschrieben von Carsten Lexa

Die B20 (Business 20) ist die Stimme der Wirtschaft in allen Diskussionen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) der Welt. Am heutigen Freitag treffen sich alle B20-Mitglieder in Buonos Aires. Dort sprechen sie über die Herausforderungen der Wirtschaft. Die größte Herausforderung stellt die Digitalisierung dar.

Es braucht eigentlich nicht mehr erwähnt werden: Die Digitalisierung wird die Art, wie wir leben, komplett verändern. Diese Veränderungen werden uns alle – Nationen, Unternehmen, Menschen – vor gewaltige Herausforderungen stellen.

Wer wird diese Herausforderungen lösen? Ich denke, dass es die jungen Menschen und insbesondere die jungen Unternehmer sein werden, die die Herausforderungen nicht nur erkennen, sondern sich ihrer annehmen werden.

Natürlich ist es einfach zu sagen, dass die Digitalisierung alles verändern wird. Denn jeder erlebt diese Veränderungen gerade am eigenen Leib – und kein Bereich des eigenen Lebens ist ausgenommen. Werfen wir einmal einen beispielhaften Blick auf drei Bereiche, die sich im Umbruch befinden.

Das eigene Auto ist nicht mehr wichtig

Betrachten wir zuerst den Bereich „Mobilität und Transport“. Vielen Menschen ist das eigene Auto ein äußerst wertvolles Gut. Zumindest war es so viele Jahre lang. Bei genauer Betrachtung jedoch ist der dauerhafte Besitz eines Autos eine kostspielige und nicht sonderlich sinnvolle Sache.

Über 80 Prozent der gefahrenen Strecken sind unter fünf Kilometer. Die meiste Zeit wird das Auto nicht bewegt, sondern es parkt irgendwo. Spricht man nun beispielsweise mit jungen Menschen in Berlin, so kann man feststellen, dass diese überhaupt nicht mehr interessiert sind am eigenen Auto.

Ein Auto wird bei Bedarf angemietet (natürlich über eine App, die nicht nur den Anmietprozess durchführt, sondern auch als Schlüssel das gemietete Auto zur Nutzung freigibt), genutzt und dann wieder abgestellt. Ein eigenes Auto zu besitzen, ist für sie unnötig.

Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? So kann man einerseits die Frage stellen, für wen Autohersteller noch Autos produzieren, wenn sie niemand mehr besitzen will. Andererseits stellt sich die Frage, wie man an ein Fahrzeug herankommt, wenn man es benötigt, wenn es nicht mehr wie bisher in der eigenen Garage steht.

Schließlich wäre zu überlegen, wer sich um die Fahrzeuge kümmert, die zum Beispiel in ganz Berlin verstreut stehen. Wer wartet sie? Wer versorgt sie mit Benzin (oder Strom) und wer repariert sie?

Alles Wissen steht online zur Verfügung

Schauen wir sodann auf den Bereich „Wissensvermittlung und Ausbildung“. Früher war es einfach: Der Lehrer, Professor oder Ausbilder war derjenige, der das Wissen besaß und dieses an die Schüler weitergab. Er war es auch, der die Struktur des Lernens und den Ablauf der Wissensaufnahme vorgab.

Doch dies ist die Vergangenheit. Tatsächlich ist für die reine Vermittlung von Wissen kein Lehrer mehr nötig. Wissen kann sich jeder, der es haben möchte, über das Internet besorgen.

Sei es direkt über eine simple Google- oder YouTube-Suche oder über die Open-Education-Programme der Universitäten, sonstige Bildungseinrichtungen und Lernplattformen wie die Khan Academy oder Udemy.

Das Wissen der Welt steht kostenfrei zur Verfügung und mit Hilfe von auf künstlicher Intelligenz basierender Software kann die Vermittlung von Wissen auf die Bedürfnisse des Lernenden ausgerichtet und für seine Fähigkeiten strukturiert werden.

Die Herausforderungen sind mannigfaltig. Wenn Wissen überall und ständig verfügbar ist: Wofür verlangen Universitäten dann hohe Studiengebühren? Wie gehen Lehreinrichtungen mit dem Problem um, dass die Schüler und Studenten sich oftmals besser mit technologischen Hilfsmitteln auskennen als die Lehrer?

Und: Müssen Schüler und Studenten überhaupt noch körperlich in einer Lehreinrichtung anwesend sein, um Wissen aufzunehmen? Und wenn dem nicht so ist: Wie verändert sich dann die Wissensvermittlung?

Banken als schwerfällige Tanker

Zuletzt betrachte ich den Bereich der Finanztransaktionen. Früher waren die Banken der Dreh- und Angelpunkt für alle durchzuführenden Transaktionen. Erforderlich war insbesondere ein Konto bei einer Bank als Ausgangspunkt. Und: Transaktionen kosteten Zeit.

Heute dagegen können Nutzer Geld mittels einer E-Mail-Adresse oder über Apps in Sekunden verschicken. Während früher klassische Darlehen das Brot- und Buttergeschäft von Banken waren, schaffen Venture-Capital-Gesellschaften und Crowdfunding-Plattformen völlig neue Möglichkeiten der Finanzierung.

Die Herausforderungen in diesem Bereich sind immens. Wer kontrolliert beispielsweise die Geldströme und was passiert, wenn Daten, die auf einen bestimmten Geldbestand hinweisen, einfach gelöscht werden?

Sind Anbieter von Payment-Apps genauso vertrauenswürdig wie Banken? Und wie wird sichergestellt, dass die Buchungen korrekt im Soll und Haben gebucht werden und nicht beispielsweise doppelte Buchungen zu wundersamen Geldvermehrungen (oder –reduzierungen) führen?

So meisterst du die Herausforderungen der Digitalisierung

Die vorgenannten Beispiele sind natürlich nur genau so zu verstehen – als Beispiele zur Verdeutlichung der durch die Digitalisierung hervorgerufenen Veränderungen und den damit verbundenen Herausforderungen.

Man könnte noch mehr Beispiele für Veränderungen nennen – sei es „Production on demand“ mittels 3D-Druckern, Virtual Reality, Big Data speziell im Gesundheitswesen oder künstliche Intelligenz . Es stellt sich nun die Frage, wie man mit diesen Veränderungen und Herausforderungen umgeht und diese meistert.

An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, spezielle Fähigkeiten, wie das Programmieren, hervorzuheben. Spannender ist es darüber nachzudenken, mit welchem Mindset man den Veränderungen begegnen sollte und wie man sich selbst aufstellen sollte, um mit den Veränderungen positiv umzugehen.

Auf das richtige Mindset kommt es an

Nun könnte man natürlich viel über dieses spezielle Mindset schreiben. Doch so viel Platz ist an dieser Stelle gar nicht. Ein paar kurze Gedanken müssen deswegen reichen.

Ganz oben auf der Empfehlungsliste steht die Fähigkeit, Veränderungen grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen. Allein schon aus dem Grund, weil nichts so beständig ist wie die Veränderung.

Veränderungen sind unausweichlich. Die Angst vor Veränderungen kommt meistens daher, weil man ihre Auswirkungen negativ einschätzt. Tatsächlich wird das Ergebnis aber davon abhängen, wie offen man gegenüber Veränderungen ist.

Als nächstes ist ein gewisser spielerischer Umgang mit neuen Entwicklungen empfehlenswert. Ich selbst arbeite in einer äußert konservativen und stark veränderungsresistenten Branche: in der Rechtsberatung.

Sei es der Umgang mit Daten, sei es Marketing, sei es Kommunikation mit Mandanten: Für viele Kollegen sind Veränderungen „Teufelszeug“. Geht man jedoch mit der Einstellung an Neuerungen heran, diese einfach mal auszuprobieren, können sich völlig neue Welten auftun.

Und schließlich ist zu empfehlen, keine Angst vor Fehlern zu haben. Natürlich sind Fehler meistens unangenehm und können im schlimmsten Fall gravierende negative Folgen haben.

Allerdings sind die tatsächlich eintretenden Folgen eines Fehlers nur in seltenen Fällen existenzbedrohend. Durch ausreichende Vorbereitung können die Folgen gut beherrscht werden. Dann überwiegen die positiven Aussichten die zu befürchtenden negativen Folgen deutlich.

Große Veränderungen stehen an – freuen wir uns darauf

Die anstehenden Veränderungen sind unaufhaltsam. Ich wage die Prognose, dass die Art, wie wir in 20 Jahren leben, sich gravierend von der heutigen unterscheiden wird. Keine Option ist es nun, den Kopf in den Sand zu stecken.

Eine positive Einstellung, ein spielerischer Umgang mit Neuerungen und weniger Angst vor Fehlern: Ein Mindset mit diesen drei Aspekten als Basis werden dafür sorgen, dass wir uns auf die Zukunft mit all ihren Veränderungen und den damit verbundenen Herausforderungen freuen.

Anmerkung

Seit 2013 bin ich aktiv bei der G20 Young Entrepreneurs‘ Alliance (G20 YEA), dem weltweit größten Netzwerk an jungen Unternehmern in den G20-Staaten, das jedes Jahr Empfehlungen an die Staats- und Regierungschefs der G20 ausspricht.

2017 hatte ich nicht nur die Ehre, zum jährlichen Summit in Berlin 400 junge Unternehmer aus den G20-Staaten begrüßen zu dürfen, sondern übernahm auch den Vorsitz der G20 YEA International und durfte so für 500.000 junge Unternehmer weltweit sprechen.

Seit 2016 bin ich darüber hinaus Mitglied in den sogenannten B20 Task Forces, in denen die Empfehlungen an die Staats- und Regierungschefs betreffend die weltweiten Business-Herausforderungen erarbeitet werden.

In diesem Jahr wurde ich eingeladen, einen Beitrag für das offizielle B20-Magazin, welches im Rahmen des B20 Summits in Buenos Aires veröffentlicht wird, zu verfassen. Eines der wichtigsten aktuellen Themen der B20 ist die Digitalisierung und deren Herausforderungen.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

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