Social Media Unternehmen

Was soll ein Social Media Manager eigentlich noch alles können?

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Was von Social Media Managern teilweise verlangt wird, macht Christian wütend. (Foto: Pixabay.com / Pavlofox)
geschrieben von Christian Erxleben

Social Media Manager leisten für viele Unternehmen wertvolle Arbeit. Trotzdem erkennen viele Führungskräfte die geleistete Arbeit nicht an. Neben Social Media sollen sie auch noch Google-Anzeigen schalten und der Geschäftsführung helfen. Das macht mich wütend. Ein Kommentar.

Als ich vor eineinhalb Jahren anbot, im Berufs- und Studienorientierungskurs an meinem alten Gymnasium einen Vortrag über die Arbeit von Journalisten und Social Media Managern zu halten, fragte mich meine alte Lehrerin: Ist Social Media Manager wirklich ein Beruf?

Das machte mir deutlich: Vor allem außerhalb meiner Digital- und Social-Media-Blase gibt es noch viel Aufklärungsbedarf. Denn Social Media Manager ist sicherlich ein Beruf, den in Zukunft immer mehr Schüler und Studenten ergreifen werden.

Social Media Manager ist ein Fulltime-Job

Doch es nicht das Unwissen, das mich regelmäßig in Rage versetzt. Vielmehr störe ich mich daran, wenn Geschäftsführer, Manager und Personaler glauben, dass ein Social Media Manager kein vollwertiger Job ist.

„Das kannst du doch nebenbei machen.“ Diesen Satz habe sicherlich nicht nur ich mehr als einmal gehört. Und die Antwort darauf ist ein lautes „Nein“!

All die Leute, die glauben, dass Social Media ein Praktikanten-Job oder eine Tätigkeit für die Mittagspause ist – leider denken das noch SEHR viele Menschen – haben sich noch nie ernsthaft mit den sozialen Medien beschäftigt.

Nehmt euch mal 15 bis 30 Minuten Zeit und überlegt kurz, was auf einen Social Media Manager alles zukommt. Klar, er betreut die Kanäle. Das sind neben Facebook und Twitter in der Zwischenzeit auch Instagram, LinkedIn, Xing, WhatsApp und andere Publishing-Plattformen. Bei fünf Posts am Tag kommt da schon was zusammen.

Und dann ist da noch das Wochenende. Da müssen Inhalte vorbereitet und zumindest in unregelmäßigen Abständen auf kritische Kommentare überprüft werden. Diese kommen übrigens gerne in der Nacht um 23 Uhr oder am Sonntagmorgen um 8 Uhr. Einen Social-Media-Shitstorm möchte man ungern ein ganzes Wochenende ungesehen lassen.

Mittelfristig kommen dann noch so kurzweilige Themen wie Kanal-Strategie oder Konzept-Entwicklung für neue Plattformen hinzu. Ein Job für den Praktikanten? Wohl kaum! Inzwischen sind wir längst bei 40 Stunden in der Woche – das könnt ihr mir glauben.

Social-SEO-Workspace-Geschäftsführungsassistenz-Manager

Aber da all diese Aufgaben ja anscheinend den meisten Führungskräften nicht bekannt sind, werden Social Media Managern in Stellenausschreibungen gerne noch weitere Aufgaben aufgehalst.

Besonders beliebt sind dabei Aufgaben und Formulierungen wie „Expertise und Fachkenntnisse in den Bereichen SEO, SEA und guter Umgang mit Google Adwords“. Zur Klarstellung: Das ist ein SEO- oder SEA-Manager. Das ist ein eigenständiger Beruf.

Mindestens genauso gerne liest man „Eigenständige Recherche und Erstellung von Artikeln für unser Magazin“. Ja, ein Social Media Manager sollte die deutsche Grammatik beherrschen und mit einem Smartphone und einer Kamera umgehen können. Ein vollwertiger Journalist muss er jedoch keinesfalls sein.

Eine meiner liebsten Stellenanzeigen, auf die ich kürzlich aufmerksam wurde, hat folgendes Anforderungsprofil:

  • Eigenständige organisatorische Unterstützung der Teammitglieder im operativen Geschäft
  • Führung des Office Managements
  • Empfang und Betreuung von Gästen
  • Assistenz der Geschäftsführung
  • Organisation des Bewerbermanagements

Und nebenbei dann nochmal eben Social-Media-Kanäle betreuen, Präsentationen bauen und Themen recherchieren. Ja, ne – is‘ klar!

Hört auf mit dem Sch***!

Ich denke es ist klar geworden, woran ich mich störe und weshalb ich mich aufrege. Social Media Manager leisten wertvolle Arbeit – sei es auf Performance- oder auf Branding-Ebene. Diese Arbeit muss endlich gewürdigt und gewertschätzt werden. Denn so wie es jetzt ist, kann es keinesfalls weitergehen!

PS: Wer gerne selbst absurde Job-Ausschreibungen für Social Media Manager lesen möchte, sollte der Facebook-Gruppe „Worst Case Social Media Manager Stellenausschriebe“ beitreten. Da weiß man echt nicht, ob man noch lachen oder weinen soll.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

8 Kommentare

  • „Bei fünf Posts am Tag kommt da schon was zusammen.“

    Bei welchem „Manager“ ist das schon der Fall?!

    Der Großteil gammelt doch nur rum. Und dann aufregen wenn einem wirklich geistintensive Arbeiten wie SEO „aufgehalst“ werden…

    • Bei mir ist es z.B. der Fall. Ich betreue 3 Webseiten und komme über alle Social-Media-Kanäle auf ca. 200 Postings pro Woche. Und da kommen noch Recherchearbeiten dazu. Das ist schon ein Vollzeit-Job.

  • Ich denke da eher, wie der Geschäftsführer oder der Personaler: aus meiner Sicht ist Social Media ein vollkommen überbewertetes Geschäftsfeld – zumindest für ein produzierendes Mittelstandsunternehmen. Sicher ist es wichtig, sich mit den neuen Medien zu befassen und sicher ist es falsch, dem mit Aufgaben überfrachteten Marketing-Menschen noch mehr Aufgaben (mach mal bitte die Facebook-Seite) zukommen zu lassen.
    Aber wie der Autor es schon schrieb: es ist eine Blase und sie wird irgendwann platzen. Weil sich mit Social Media (im produzierenden Gewerbe) eben nicht wirklich Geld verdienen lässt sondern im Gegenteil, wichtige Arbeitszeit bindet.
    Ja, unser Unternehmen war sehr früh bei Facebook und Co und ja, wir haben Leute, die sich zu fast 100% ausschließlich um diese Themen kümmern. Aber das Einzige, was ich sehe, sind (Sponsoring)-Partnerschaften mit weiteren Social-Media-Seiten. Da wird eine Unmenge Geld umhergeschoben und alle haben ihr Reality-Distortion-Field aktiviert und meinen, dass sie unglaublich wichtig sind. Wie viele Likes haben wir für diesen Beitrag bekommen? Geil – mein Beitrag ist erfolgreicher als deiner!
    Aber das Leben passiert nun mal in der realen Welt: dort werden die produzierten Produkte benötigt. Und von Likes kann ich mir nichts kaufen.
    Selbst wenn – was ich für sehr unwahrscheinlich erachte – dadurch etwas mehr Produkte verkaufe, muss ich das Kosten-Nutzen-Verhältnis beachten.

    • Sehr schade Ihre Ansicht.
      Wer wie Sie Social Media als reine Blase sieht, denkt auch das Internet sei eben nur ein Hype…
      Schade dass Sie sich da solche schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie liefern gerade auch das richtige Wort ganz am Ende. Stichwort : Kosten – Zeit Verhältnis. Hier ist nun mal alles Planbar und am Ende wesentlich günstiger zu den herkömmlichen Marketing Aktionen.
      Es gibt sehr viele schöne cases im Mittelstand, die Social media effektiv nutzen.

      Ihre Einstellung ist eher symptomatisch für Ihre Generation. Die gerne Dinge, die sie nicht versteht, für eine blase oder einen hype deklariert.

      Gutes Gelingen

  • Wir machen auch die Erfahrung, dass unsere Social-Media-Absolvent/innen häufig in „eierlegenden Wollmilchsau“-Jobs einsteigen. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen können ja auch gar nicht anders. Das ist der SoMeMa dann gleichzeitig Redakteur, Online Marketing Manager, macht Marketing und PR. Deswegen haben wir auch bei uns die Möglichkeit, Weiterbildungen in SoMe, Online-Redaktion und Online-Marketing zu kombinieren.

    Aber ehrlich? Es war auch schon vor Social Media so, dass in KMU solche Querschnittsaufgaben erfüllt wurden. Social Media ist nur ein guter Türöffner für Allrounder.

  • Hallo Christian,

    ein schöner Artikel zu dem Thema. Erst am Wochenende habe ich auch zu dem Thema eine Seite veröffentlicht: Aufwand einer Facebook Fanpage. Du triffst den Nagel genau auf den Kopf, das lässt sich doch nebenbei machen… ab und an mal was posten, das wars! Das Beste ist, wenn Facebook aufgegeben wird: Wir haben es mal mit Facebook probiert, hat uns nichts gebracht… Herrlich! Viele haben von diesen Arbeiten keinen Plan, welcher Aufwand und Arbeit dafür von Nöten ist.

    Dabei lässt es sich doch leicht runterbrechen: Welches Ziel soll erreicht werden, welcher Aufwand verbirgt sich dahinter. Aufwand ist mit Kosten verbunden, diese müssen gedeckt werden. Bestenfalls noch mit Gewinn. Es wird immer wieder welche geben, die nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. In diesem Bereich kann man nur versuchen Aufklärungsarbeit zu leisten.

    Viele Grüße aus Lübeck
    André

    • Hi Martin,

      pauschal fällt da die Antwort schwer. Das stimmt. Es kommt auf das Arbeitsvolumen an. Wenn du bei drei Seiten drei Posts in der Woche hast, ist das machbar – zweifelsohne. Wenn du jedoch über 200 Posts ersteinmal mit den Grundlagen hast, sieht das natürlich schnell anders aus.

      Liebe Grüße
      Christian

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