Wirtschaft

Tagelang Schlangestehen fürs neue iPhone? Dafür gibt’s jetzt Apps!

STL Skip the Line Agentur professionelle Ansteher
Foto: Screenshot / STL Skip the Line US
geschrieben von Marinela Potor

Warum sollte man selbst tagelang in einer langen Schlange stehen und auf das neue iPhone warten, wenn man dafür auch professionelle Ansteher bezahlen kann? Kein Scherz! Dafür gibt es jetzt sogar Apps.

Robert Samuel war möglicherweise der erste professionelle Ansteher. Es war im Jahr 2012. Robert Samuel hatte gerade seinen Job verloren und war knapp bei Kasse.

Also schaltete er ein Inserat bei Craigslist: 100 US-Dollar, um für das neue iPhone 5 vor dem Apple-Store in New York anzustehen. Er fand tatsächlich einen Kunden. Das Konzept der professionellen Ansteher war geboren.

Von iPhone bis Musical-Ticket: Großstädter müssen für alles anstehen

Das Modell verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Gerade in den großen US-Metropolen wie New York City, Los Angeles und Washington D.C. lohnt sich das bezahlte Schlagestehen.

Denn für alles, was neu oder beliebt ist, muss man mehrere Stunden anstehen: iPhones, Cronuts, Restaurants, Turnschuhe, Musical-Tickets, aber auch Kongresssitzungen und Termine beim Supreme Court.

Die vielbeschäftigten Großstädter haben dafür keine Zeit oder wollen schlichtweg ihre Zeit nicht dafür opfern – und heuern deshalb professionelle Ansteher an. Diese sind entweder gerade wie Robert Samuel auf Jobsuche, meist aber Studenten oder Rentner.

Das Geschäft als „Line Sitter“ ist so profitabel, dass es dafür mittlerweile professionelle Agenturen gibt. Sie heißen In Line 4 You, Line Angel oder Skip the Line – und vermitteln Ansteher per App.

Auch in Europa gibt es erste Agenturen, die an berühmten Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel dem Petersdom im Vatikan oder der Sagrada Familie in Barcelona, für Touristen anstehen.

Robert Samuel hat ebenfalls aus seinem ersten Inserat bei Craigslist ein Geschäftsmodell gemacht. Sein Unternehmen nennt sich Same Ole Line Dudes.

Professionelle Ansteher: Schlechtes Wetter kostet extra

Die Line-Sitter-Dienste funktionieren fast alle nach dem Uber-Prinzip. Auf der einen Seite möchte ein Nutzer einen Ansteher anheuern. Auf der anderen Seite steht ein Line Sitter, auch „Spotter“ oder „Hopper“ genannt, der seine Dienste anbietet. Dazwischen vermittelt die App.

Bei Same Ole Line Dudes müssen Nutzer einen Spotter für mindestens zwei Stunden buchen. Kostenfaktor: 45 US-Dollar. Vier Stunden kosten 85 US-Dollar und für 24 Stunden bezahlt man 485 US-Dollar.

Daneben gibt es eine Reihe von Aufschlägen. Wer mehr als vier Tickets auf einmal braucht, muss draufzahlen. Restaurant-Reservierungen kosten ebenfalls extra.

Und dann gibt es natürlich noch Sondergebühren für extremes Wetter. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder über 100 Grad Fahrenheit (circa 38 Grad Celsius) erhöhen den Anstehpreis um fünf US-Dollar pro Stunde.

Auch kann man sich die Tickets anschließend nach Hause liefern lassen – gegen einen Aufpreis, versteht sich. Für die Spotter selbst springt dabei zum Teil ein Lohn von 150 US-Dollar an einem Morgen heraus.

Der nächste Trend kommt bestimmt

Besonders lukrativ sind neben Klassikern wie dem neuen iPhone auch saisonale Angebote, wie zum Beispiel Karten für die Thanksgiving Day Parade oder Sonderangebote zum Black Friday.

Denn selbst wenn ein Kunde 100 US-Dollar fürs Anstehen bezahlt, sind die Deals oft so gut, dass es sich selbst dann noch lohnt. Außerdem spart man sich dadurch das Frieren und so manchen physischen Kampf.

Einen professionellen Ansteher anzuheuern, ist in den großen Städten beinahe normal geworden und auch wenn es für die Vermittlungsagenturen immer mehr Konkurrenz gibt, lohnt sich das Geschäft. Denn der nächste Trend, für den man anstehen muss, kommt bestimmt!


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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