Technologie

Von Scootern bis zum Spirit: Was wir von der SXSW 2019 mitnehmen sollten

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Das prägende Bild der SXSW 2019 in Austin: elektrische Scooter. (Foto: Nico Lumma)
geschrieben von Sachar Klein

Die South by Southwest oder kurz SXSW hat sich im Laufe der letzten Jahre zum weltweit bedeutenden Digital-Festival entwickelt. Nun ist die SXSW 2019 Geschichte, sodass es sich lohnt, Bilanz zu ziehen und vor allem die Trends zu beleuchten.

Scooter

Schaut man sich die Finanzierungsmeldungen der letzten Monate an, weiß man, was auf uns in Deutschland zurollt: elektronische Scooter. In Austin war man schon einen großen Schritt weiter: Scooter so weit das Auge sehen kann.

Zahlreiche Anbieter platzierten die Roller in der kompletten Innenstadt. Die Anmeldung war kinderleicht und bis auf einen Anbieter – Bird – hat es niemanden interessiert, ob man einen Führerschein hat, oder nicht. Alle Anbieter mahnten zur Helmpflicht.

Tatsächlich aber interessierte es niemanden, ob man mit Helm fuhr. Auch nicht die Polizei. Im Einsatz waren die Scooter unfassbar praktisch. Speziell kurze Distanzen von bis zu zwei Kilometern lassen sich damit innerhalb weniger Minuten zurücklegen.

Die Kosten belaufen sich für eine solche Strecke in der Regel auf unter einen US-Dollar. Eindeutig positiv bin ich trotzdem nicht mit meinem Urteil und das hat sehr viel mit dem Faktor Sicherheit zu tun. Ich fahre viel Fahrrad und Roller in Deutschland und bin somit einigermaßen versiert, was Mobilität auf zwei Reifen angeht.

Scooter aber sind noch mal eine ganz andere Sache, sodass es mit dem Teufel zugehen sollte, wenn diese nicht für eine Menge Verkehrsunfälle – speziell in Berlin, wo der Straßenverkehr besonders aggressiv ist – sorgen sollten.

Auf der Habenseite können Scooter – noch viel mehr als Carsharing – tatsächlich aber dafür sorgen, dass weniger Autos auf der Straße fahren.

Politik

In den letzten Jahren kamen immer wieder prominente Politiker nach Austin zur SXSW. Selten aber war die Dichte so hoch wie 2019. Nicht nur traten fast alle designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten auf – und forderten dabei gerne die Zerschlagung der Digital-Konzerne.

Auch deutsche Spitzenpolitiker wie Dorothee Bär und Lars Klingbeil mischten sich unter die Besucher. Längst ist das Digitale kein Spielball der Nerds und Geeks, sondern ein elementarer Bestandteil im Leben der Gesamtbevölkerung.

Da macht es auch als Staatsministerin für das Digitale oder als Generalsekretär der SPD Sinn, sich über internationale Entwicklungen zu informieren.

Purpose und New Work

Gefühlt jede dritte Session bei der SXSW beschäftigte sich mit der Frage, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen.

Die unausweichliche Transformation und auch Automatisierung von Jobs und ganzen Industrien ist im vollen Gange, sodass man wahrlich kein Prophet sein muss, um zu verstehen, dass wir Menschen früher oder später anders mit dem Großteil unserer Zeit werden umgehen müssen.

Schon jetzt denken viele Arbeitgeber um und stellen sich nicht nur die Frage, wie sie Prozesse effizienter gestalten können, sondern auch, wie sie es schaffen, die Arbeitswelt so zu strukturieren, dass Mitarbeiter sich erfüllt sehen.

„Was ist meine Bestimmung?“ Diese Frage und die Suche nach Erfüllung oder neudeutsch nach dem Purpose trieben viele Speaker um. Konkrete Antworten boten wenige. Vielleicht ist das aber auch zu viel verlangt. Vielleicht ist das Ganze vielmehr ein philosophischer Prozess, bei dem die Fragen im Vordergrund stehen und weniger die Antworten.

Artificial Intelligence

Ja, ja, tatsächlich kam auch die vielbemühte Künstliche Intelligenz (KI) immer wieder zur Sprache. Allerdings so selbstverständlich und natürlich, dass man sich um uns Deutsche, die noch immer darüber streiten, ob der Einsatz von KI Sinn macht, Sorgen machen muss.

Anscheinend sind zahlreiche Nationen deutlich weiter – vor allem, was die Einstellung zu KI angeht.

Der Spirit der SXSW

Tatsächlich kein Trend, sondern eine Konstante ist der Geist der SXSW. Ich kenne viele Konferenzen – nicht nur vom Hörensagen. Aber ich kenne kein zweites Event wie die SXSW. Und zwar nicht wegen der Fülle der großartigen Sessions, sondern vor allem auch wegen der Besucher.

In Austin sind alle weit weg von daheim – und haben Zeit. Menschen, die wie ich in Berlin wohnen und die hierzulande ständig beschäftigt sind, nehmen sich in Austin gerne Zeit. Für ein Gespräch, für ein gemeinsames Mittag- oder Abendessen oder auch schlicht, um zusammen eine Session anzuschauen.

Kritiker sagen: Du fährst echt nach Austin, um die ganze Zeit mit Deutschen abzuhängen? Ich sage: Wo ist das Problem? In Austin treffe ich sie alle. Dafür müsste ich in Deutschland wochenlang durch die Republik touren.

Daher kann ich all denen, die noch nie zur SXSW gefahren sind, den Trip nur wärmstens empfehlen. Um inspiriert zu werden und zu lernen, vor allem aber um Menschen kennenzulernen und sein Netzwerk zu pflegen.

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Über den Autor

Sachar Klein

Sachar Klein führt die Kommunikationsagentur hypr in Berlin. hypr löst mithilfe von Kommunikation die Herausforderungen von Unternehmen wie Visual Statements, Foodboom, sisterMAG oder auch Persönlichkeiten wie Wladimir Klitschko.

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