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Der Google-Friedhof: 7 Projekte, die grandios gescheitert sind

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Der Google Campus in Mountain View.
geschrieben von Marinela Potor

Google gehört zweifelsohne zu den größten und erfolgreichsten Internetunternehmen aller Zeiten. Doch neben den großen Erfolgen lag Google mit einigen Ideen auch ziemlich daneben. Wir stellen euch sieben große Google-Fails vor.

Google Maps, Android oder die berühmte Suchmaschine – ein Internet ohne Google kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Doch nicht jedes Projekt von Google war erfolgreich. Selbst der Internet-Gigant aus Mountain View ist mit einigen Ideen grandios gescheitert. Wir stellen euch sieben der größten Google-Flops vor.

Lively

Lively ist ein hervorragendes Beispiel für eine gute Idee mit schlechter Umsetzung. Du hast noch nie etwas von Lively gehört? Eben!

Lively war Googles Version von Second Life: eine virtuelle Welt im Internet. Nutzer konnten dabei Avatare erstellen, sich in Online-Räumen aufhalten, diese selbst gestalten und mit anderen (unbekannten) Nutzern chatten.

Google Lively wurde am 9. Juli 2008 gelauncht und knapp sechs Monate später, am 31. Dezember 2008, ohne wirkliche Begründung schon wieder eingestampft.

Google Answers

Google Answers hatte zwar eine längere Lebensdauer – von April 2002 bis November 2006 – allerdings war das Projekt ebenfalls nie erfolgreich.

Bei Google Answers konnten Nutzer Fragen stellen, die andere Nutzer dann – gegen Bezahlung beantworteten.

Google Answers Screenshot

Foto: Screenshot / Telenews

Tatsächlich hatten mehrere Unternehmen die gleiche Idee. Yahoo Answers oder Ask Jeeves waren sehr ähnlich strukturiert, wenn auch ohne das Bezahl-Modell.

Allerdings machte Googles eigene Suchmaschine den Dienst ziemlich überflüssig.

Warum soll ich eine Frage online posten, auf Antwort warten und dann auch noch dafür zahlen, wenn ich sie selbst googeln kann?

Auch hier hätte man mit etwas mehr Mühe und einem leicht abgewandelten Konzept ein erfolgreichere Plattform aufbauen können, wie das Beispiel Quora (vor allem auf Englisch) zeigt.

Hier tauschen sich Nutzer über so ziemlich alles aus, was man ansonsten nur sehr schwer über eine Suchmaschine finden kann. Die Tatsache, dass hier ausgewiesene Experten antworten, macht die Plattform zu einer wertvollen Fundgrube für alles Nicht-Googlebare.

Hier hat Google eindeutig ein erfolgreiches Geschäftsmodell verschlafen.

Google Allo

Google Allo war Googles Versuch, einen Instant Messenger ins Leben zu rufen. Die App war in etwa eine Mischung aus WhatsApp (Google Allo benutzte Telefonnummern zur Registrierung) und Facebook Messenger – inklusive einer smarten Assistentin.

Das klingt eigentlich nach einem Erfolgsrezept. Dennoch installierten lediglich 50 Millionen Nutzer die App (zum Vergleich: den Facebook-Messenger nutzen über eine Milliarde Menschen), was letztlich dazu führte, dass Google beschloss, das Projekt wieder einzustellen.

Am 12. März 2019 beendete Google das Projekt.

Google Allo Abschiedsmeldung

Seit dem 12. März 2019 gibt es Google Allo offiziell nicht mehr. (Foto: Screenshot / Google)

Google Dodgeball

Google Dodgeball zeigt, dass der Erfolg oder Misserfolg eines Projektes davon abhängt, wie viel Zeit, Mühe und Fokus man hineinsteckt.

Dodgeball ist kein Projekt, das Google selbst entwickelte. Dahinter steckten die beiden Studenten Dennis Crowley and Alex Rainert. Sie gründeten Dodgeball 2003. Google kaufte das Start-up – inklusive Gründer – 2005.

Nur zwei Jahre später verließen die beiden Google frustriert. Was war passiert?

Dodgeball war ein ortungsspezifisches soziales Netzwerk für Smartphones. Die Idee von Crowley und Rainert war, dass Nutzer an einem Ort per Smartphone „einchecken“ konnten. Ihre Erfahrung dazu konnten sie wiederum sofort auf die Plattform posten und so mit Freunden und Bekannten teilen.

Diese wiederum könnten künftig, aufgrund dieser Empfehlungen und Bewertungen, entscheiden, ob sie selbst in diesem Restaurant essen würden. Wie erfolgreich diese Idee ist, zeigen Netzwerke wie Tripadvisor.

Doch Google ließ das Projekt links liegen, zwei Jahre lang passierte gar nichts mit Dodgeball bei Google. Die frustrierten Gründer verließen 2007 Google – und gründeten selbst das viel erfolgreichere Foursquare.

Dann startete Google 2009 mit Latitude ein ähnliches Feature, das ebenfalls nicht erfolgreich war und 2013 vom Markt genommen wurde.

Wie viel erfolgreicher hätte das ursprüngliche Dodgeball werden können, wenn Google das Potenzial früher erkannt hätte?

Google Notebook

Google Notebook oder Google Notizbuch, wie der Dienst auf Deutsch hieß, erschien am 14. Mai 2006. Drei Jahre später gab Google bekannt, dass der Service nicht weiter entwickelt würde. Seit 2011 gibt es Notebook offiziell nicht mehr. Die Funktionen gingen zu Google Docs über.

Auch hier scheint Google eine gute Idee nur halbherzig umgesetzt und zu früh aufgegeben zu haben. Beim Google Notizbuch konnten Nutzer, zunächst bei Suchergebnissen über Google, Notizen dazu im Browser anlegen.

Dazu gehörten eigene Texte, Links oder Informationen von anderen Websites. User konnten beliebig viele Notizbücher anlegen und diese mit ihrem Google-Konto verknüpfen.

Google Notebook Screenshot

Ein Faktor, an dem das Google Notizbuch scheiterte war die Nutzerfreundlichkeit. (Foto: Screenshot / Googlesystems)

Leider war die Interface nie wirklich nutzerfreundlich, es gab technische Probleme – und dann gab es zu viele Dienste, die all dies besser machten, wie etwa Evernote.

2013 hat Google mit Google Keep einen neuen Versuch in diese Richtung gestartet, der allerdings ebenfalls nicht besonders durchdacht zu sein scheint.

Google Catalogs

Vier Jahre lang probierte sich Google an diesem Projekt. Google Catalogs wurde im August 2011 gelauncht und im August 2015 wieder eingestellt.

Catalogs wurde von Google als eine nachhaltigere Option zu den gängigen Papier-Katalogen vermarktet. Anstatt einen Katalog aus Papier anzuschauen, sollten Nutzer stattdessen über ihr Tablet bei Google Catalogs einkaufen.

Marken wie Nordstrom, Macy’s oder Pottery Barn lieferten Fotos und Informationen zu ihren Produkten. Ein Team von Google-Mitarbeitern ging diese dann durch und stellte sie online. Nutzer konnten daraufhin Produkte als „interessant“ markieren oder direkt kaufen.

2015 stellte Google den Dienst ein. Die Begründung: Catalogs sei nicht so erfolgreich gewesen wie andere Projekte. Daher wolle man sich lieber darauf konzentrieren.

Auch hier könnte man sich vorstellen, dass Google Catalogs mit etwas mehr Mühe eine Plattform wie Pinterest hätte werden können.

Google Plus

2011 stellte Google sein eigenes soziales Netzwerk vor: Google Plus. Es sollte eine Konkurrenz für andere Social-Media-Netzwerke wie Facebook und Twitter werden.

Nun ja, um es mal nett auszudrücken: Das hat nie so wirklich geklappt. Obwohl Google tatsächlich von Redesign über Ausgliederung von Funktionen wirklich sehr viel versucht hat, konnte Google Plus sich nie durchsetzen.

Anders als bei den meisten gescheiterten Google-Projekten kann man dem Unternehmen hier nicht mangelnde Bemühung vorwerfen. Vielmehr fällt Google Plus eher in die Kategorie „viel gewollt, schlecht gekonnt“.

Anstatt sich auf ein Feature zu konzentrieren und daraus ein technisch hochwertiges und nutzerfreundliches Produkt zu bauen, wollte Google Plus alles in einem sein. Google Plus war Chat, soziales Netzwerk, Newsreader und vieles mehr.

Das war zu viel. Schließlich musste auch Google einsehen, dass das Projekt gescheitert war. Zum 2. April 2019 wird Google Plus für Nutzer eingestellt.

Selbst erfolgreiche Internet-Unternehmen wie Google können mit ihren Ideen also grandios scheitern. Tatsächlich gibt es noch viele weitere Projekte von Google, die nie erfolgreich waren. Welche davon sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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