Social Media Unternehmen

Rassismus bei Facebook? Ex-Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe

Facebook Unternehmenssitz Außenansicht Menlo Park Kalifornien
Ein ehemaliger Mitarbeiter wirft Facebook Rassismus vor. (Foto: Facebook)
geschrieben von Marinela Potor

Hat Facebook ein Rassismus-Problem? Genau das wirft ein ehemaliger Mitarbeiter dem Unternehmen jetzt vor – und zeigt damit auch gleichzeitig, wie stark Minderheitengruppen in Silicon Valley ignoriert werden.

Wie ist es eigentlich, als Afroamerikaner bei Facebook zu arbeiten? Wenn man Mark Luckie, dem ehemaligen Strategic Partner Manager for Global Influencers for Underrepresented Voices glauben darf: einsam, traurig und frustrierend.

Facebooks ehemaliger „Minderheitenbeauftragter“, um das mal ganz vereinfacht zu übersetzen, hat seinem Ärger vor Kurzem mit einem Facebook-Post Luft gemacht.


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Darin wirft er Facebook vor, systematisch Minderheiten zu ignorieren, sowohl unter Mitarbeitern als auch unter Nutzern.

Afroamerikaner: engagierteste und am häufigsten ignorierte Nutzer

Afroamerikaner sind die engagierteste Nutzergruppe bei Facebook.

Während 53 Prozent der Durchschnitts-User in den USA Facebook nutzen, um mit ihrer Familie zu kommunizieren, liegt die Quote bei Afroamerikanern bei 63 Prozent.

Schwarze* Millennials verbringen mehr Zeit auf Facebook als alle anderen Bevölkerungsgruppen, und insgesamt 70 Prozent der Schwarzen in den USA haben ein Facebook-Profil.

Afroamerikaner teilen, kommunizieren, tauschen sich aus und diskutieren eifrig – und das alles auf Facebook. Damit sind die so etwas wie der Traum eines jeden sozialen Netzwerkes und sollten eigentlich vom Unternehmen besondere Beachtung bekommen.

Dennoch scheint es gerade Facebook seinen Schwarzen Nutzern besonders schwer zu machen, ihre Inhalte zu teilen, kritisiert zumindest Mark Luckie.

Als Beispiel nennt der dafür Facebook-Gruppen für Schwarze. Diese sollten eigentlich einen sicheren (virtuellen) Raum für den Austausch ihrer Mitglieder bieten.

Eigentlich sind solche Gruppen Alltag bei Facebook. Dennoch diskriminiere Facebook besonders häufig gegen Gruppen von Schwarzen, sagt Mark Luckie: „Nicht-Schwarze melden das, was eigentlich als positive Anstrengung gedacht ist, als Hassrede, auch wenn [die Inhalte] nicht gegen Facebooks AGB verstoßen.“

Dennoch lösche Facebook die Inhalte solcher Gruppen häufig ohne Vorwarnung und blockiere Nutzerkonten auf unbestimmte Zeit.

Lediglich, wenn solche Aktionen bekannte Persönlichkeiten treffen und die Medien das aufgreifen, passiert etwas.

Viele Schwarze Facebook-Nutzer in den USA glauben deshalb, Facebook entferne gerade ihre Inhalte besonders häufig. Das stimme zwar nicht, sagt Luckie. Dennoch bemühe sich Facebook auch nicht darum, dies öffentlich klarzustellen.

Bei Afroamerikanern auf Facebook kommt also an: Wir sind dem Unternehmen egal. Keine besonders positive Botschaft für die engagiertesten Nutzer der Plattform.

Algorithmus klammert Minderheiten aus

Mark Luckie glaubt nicht, dass das Einzelfälle sind. Er sieht eine systematische Diskriminierung gegen Minderheiten im Allgemeinen und gegen Schwarze im Besonderen.

Luckie verweist dafür auf den Algorithmus von Facebook (und Instagram). Dieser ist so ausgelegt, dass besonders einflussreiche Profile, Marken und Hashtags besonders stark gepusht werden. Dummerweise sind dies im seltensten Fall Minderheiten.

Tatsächlich ließe sich dies ziemlich einfach technologisch lösen. Es gebe Algorithmen, die inklusiv arbeiten und auch Minderheiten dadurch auf Social Media sichtbarer machen. Nur: Facebook nutze diese nicht, kritisiert Luckie.

Doch Facebooks Diskriminierung hört nicht bei Nutzern und Algorithmen auf. Sie betrifft auch die eigenen Mitarbeiter.

„Ich wusste gar nicht, dass hier auch Schwarze arbeiten.“

Das zeigt sich schon darin, dass das Unternehmen kaum Schwarze Angestellte hat. Facebook verzeichnete 2018 vier Prozent Schwarze Mitarbeiter. Auch wenn sich die Zahl damit seit 2016 verdoppelt hat, ist sie verhältnismäßig verschwindend gering.

Es mutet außerdem ein wenig merkwürdig an, dass die aktivste Nutzergruppe auf Facebook im Unternehmen bei den Mitarbeitern so unterrepräsentiert ist.

Die wenigen Schwarzen Mitarbeiter bei Facebook müssen sich dann, laut Luckie, auch noch Kommentare anhören wie: „Ach, ich wusste gar nicht, dass hier auch Schwarze arbeiten.“ Luckie berichtet von vielen negativen Erfahrungen, die er und seine Schwarzen Kollegen mitgemacht haben.

Das beginnt damit, dass sie besonders häufig von Sicherheitskräften gestoppt werden und geht damit weiter, dass Kollegen ihnen als „Repräsentativ-Schwarze“ seltsame Fragen stellen.

Besonders beschwert sich Luckie aber über die Personalabteilung, die Beschwerden über Rassismus bei Facebook regelmäßig ignoriere.

Facebook könnte Glaubwürdigkeitsproblem bekommen

Mark Luckie macht in seinem Post deutlich: Facebook hat nicht nur ein Rassismus-Problem. Es ist gleichzeitig auch ein Geschäftsproblem.

Erstens verscheucht die Plattform damit langsam aber sicher ihre treuesten User und damit potenzielle Geldquellen. Zweitens ist es für Schwarze Mitarbeiter extrem frustrierend bei Facebook. Damit sinkt auch ihre Motivation und schließlich auch die Produktivität.

Langfristig bekommt Facebook damit auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, sagt Luckie: “Facebook kann kein Vertrauen bei seinen Schwarzen Nutzern schaffen, wenn es nicht das Vertrauen seiner Schwarzen Angestellten erhalten kann.”

Facebooks Reaktion: Post löschen

Zusammengenommen sind das natürlich starke Vorwürfe, die Mark Luckie gegen Facebook ausspricht. In einer ersten Reaktion nahm Facebook den Post kurzfristig von der Plattform.

Das ist natürlich etwas ironisch, wenn man bedenkt, dass Luckie genau dieses Verhalten kritisiert. Mittlerweile ist der Post aber wieder online und hat unterschiedliche Reaktionen bei Facebook hervorgerufen.

Ime Archibong, einer der hochrangigsten Schwarzen Mitarbeiter bei Facebook sagte, dass er die Vorwürfe von Luckie gar nicht nachvollziehen könne. Seiner Meinung nach, sei dies Luckies persönliche Erfahrung, die aber nicht unbedingt die Mehrheitserfahrung von Afroamerikanern bei Facebook repräsentiere.

Facebook selbst sagte lange erstmal nichts und veröffentlichte dann ein offizielles Statement: “Wir haben gewissenhaft daran gearbeitet, die Reichweite der Perspektiven unter denen zu vergrößern, die unsere Produkte schaffen und den Menschen helfen, die diese weltweit nutzen.”

Facebook-Sprecher Anthony Harrison sagte: “Das Wachstum in der Repräsentation von Menschen aus Gruppen, die divers sind und, die in vielen verschiedenen Funktionen im Unternehmen arbeiten, ist einer der Schlüsseltreiber in unserer Fähigkeit erfolgreich zu sein.

Demgegenüber stehen einige Aussagen von anderen Schwarzen Mitarbeitern bei Facebook, die die Zeitung USA Today zitiert.

Viele haben demnach ähnliche Erfahrungen wie Luckie gemacht. Auch sie sehen dies nicht als Einzelerfahrung, sondern als Verhaltensmuster bei Facebook.

Ein Beispiel: Facebook-Mitarbeiter strichen den Slogan „Black Lives Matter“ durch und ersetzten ihn mit „All Lives Matter“. Das zeigt, dass die Lebensrealitäten von Schwarzen von ihren Kollegen bei Facebook wenig bis gar nicht verstanden werden.

People of Color fehlen in Silicon Valleys Tech-Unternehmen

Doch Facebook ist nicht das einzige Unternehmen aus Silicon Valley mit diesem Problem. Schwarze sind in Technologie-Unternehmen durchweg unterrepräsentiert. Bei Google sind 2,5 Prozent der Angestellten Schwarz, bei Twitter – wo Luckie übrigens vor Facebook arbeitete – 3,5 Prozent.

Das US-Zensus-Büro schätzt, dass in Silicon Valley Schwarze und Hispano-Amerikaner drei bis sechs Prozent der Mitarbeiter ausmachen, bei den Frauen in dieser Bevölkerungsgruppe sind es maximal ein Prozent.

Auch wenn Technologie-Unternehmen in Silicon Valley immer wieder behaupten, Inklusion sei ihnen wichtig, der Weg dahin ist offensichtlich noch sehr lang.

Mark Luckie hat übrigens mittlerweile Facebook und Kalifornien enttäuscht den Rücken gekehrt. Er lebt nun in Atlanta und betreibt von hier seinen eigenen Podcast Sumeria – mit ausschließlich Schwarzen Darstellern.

Auch interessant:

 

*Wir richten uns bei der Bezeichnung „Schwarze“ nach dem „Glossar für diskriminierungssensible Sprache“ von Amnesty International. Der Begriff „Schwarz“ (stets groß geschrieben) bezeichnet demnach keine „biologische Tatsache“, sondern verweist auf ein Gesellschaftskonstrukt, das die unterschiedliche Lebensrealität einer Bevölkerungsgruppe – im weitesten Sinne einer „ethnischen Gruppe“ – benennt.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

2 Kommentare

  • Die Schwarzen sind ja die rassistischste Bevölkerungsgruppe in den USA – was sie natürlich nicht daran hindert, ständig mit haltlosen Rassismus-Vorwürfen um sich zu werfen, rassistische Privilegien für sich zu beanspruchen und grundsätzlich immer alle anderen für die ja restlos selbst verschuldeten Probleme dieser gewalttätigsten Community verantwortlich zu machen … und damit von vornherein eine Lösung zu vereiteln, die ja nur bei einem selber beginnen kann!
    So auch die perfiden Vorwürfe dieses Herrn, überall Rassismus zu verorten, nur weil man keine Sonder-Privilegien zugestanden bekommt! Ja als Minderheit kann man nunmal nicht verlangen, dass der Hund mit dem Schwanz wedelt … und keine Sonderlocken für virale Trends beanspruchen – oder Immunität bei Hatespeech geniessen: ich finde es eher bezeichnend, dass diese Bevölkerungsgruppe hier offenbar überproportional in negative Erscheinung tritt! Genau das gleiche mit diesem rassistischen „Black lives Matter“ – das sich ja wenn überhaupt dann in erster Linie an Schwarze selber richten sollte: Schwarze werden fast ausschließlich von Schwarzen ermordet (abgesehen davon, dass diese 13%-Minderheit ja sogar die absolute Mehrheit aller Morde begeht). Einfach unverschämt, hier den ungleich inklusiveren Slogan „ALL lives matter“ zu attackieren – wobei ja eine ädaquate Reaktion z.B. weißer Kollegen sogar eher „White lives matter“ gewesen wäre! Dem Topf den Boden schlägt schließlich sein ausschliesslich schwarz besetzter Podcast aus: wo ist dort „Affirmative Action“ für ca. 67% weiße Mitarbeiter? Wo ist dort die inklusive Differsivität!!? Immer frech von anderen fordern, aber selber nichts zugestehen: wie auch andere Minderheiten sind auch Schwarze bei ihrer eigenen Stellenbesetzung weitaus rassistischer als Weiße, falls die nicht sowieso auch selber schon Weisse benachteiligen! Aber bisher scheinen Tech-Unternehmen noch vornehmlich nach Leistung einzustellen, was auch der hohe Anteil an Asiaten zeigt: statt’rumzuflennen, sollten Schwarze endlich an ihren Qualifikationen arbeiten – das kann man notfalls auch in Eigenregie wie viele Autodidakten beweisen! Nicht überraschend, dass auch dieser Typ kein Programmierer ist, sondern wasserköpfiger „Minderheitenbeauftragter“ – und damit seinen offenkundigen Rassismus sogar beruflich ausleben konnte!

    • Das Thema Rassismus in den USA ist sehr komplex und kann hier nicht in der Form und Breite diskutiert werden, die es verdient. Zur weiteren Diskussion daher nur ein paar Anmerkungen und Anregungen zum Nachlesen.

      US-Gesetze, die Minderheiten schützen, gehen auf eine jahrhundertelange systematische Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen zurück. Insbesondere Afroamerikaner wurden lange Zeit gesetzlich noch schlechter eingeordnet als Nutztiere und galten gar nicht als Menschen. Das ist der Hintergrund vieler Schutz-Gesetze. [Lese-Tipp zum Einstieg: Dieser Wikipedia-Artikel und dann weiterführend die Fußnoten dazu.]

      Wie effektiv diese Maßnahmen im einzelnen sind, kann man natürlich diskutieren. Aber Vorsicht. Affirmative Action mit bestimmen Quoten gilt nur für staatliche Institutionen, nicht für Privatunternehmen, also weder für Facebook noch für einen Podcast. Ob der Podcast von Luckie eine gute Idee ist oder nicht, weiß ich nicht. Um hier weiter zu urteilen, sollte man ihn zunächst mal anhören (was ich noch nicht getan habe).

      „Black on Black Violence“ ist wiederum in der Tat ein Thema, das viel zu wenig diskutiert wird – und wenn, dann leider aus den falschen Gründen. Für eine kritische Sicht von allen Seiten zum Thema finde ich diesen Artikel sehr hilfreich. Tatsache ist aber, dass das nicht das Anliegen von „Black Lives Matter“ ist. Das ist ein bisschen so, wie dem „Verein zur Rettung der Meerschweinchen“ vorzuwerfen, dass er sich nicht um Zebras kümmert.

      Was hier zum unglücklichen Anti-Slogan von „Black Lives Matter“ gesagt wird, kann ich wiederum überhaupt nicht nachvollziehen. Wer angeblichen / gefühlten / missverstandenen / erlebten / tatsächlichen Rassismus mit Rassismus beantwortet oder in diskriminierende Argumentationsmuster verfällt, sollte seine eigenen Motive mal hinterfragen.

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