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Zuckerbergs trojanisches Pferd

Philip Bolognesi

Das Marketing ist dynamisch und bringt immer wieder Phänomene zum Vorschein, die uns irritiert zurücklassen – ob analog oder digital. Was also tun? Die Luft rauslassen! Aus diesem Grund gibt es an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen unsere Kolumne: Einer geht noch – Der Marketing-Nachtritt zum Sonntag. Heute: Facebooks Neuerfindung und die Privatsphäre seiner Nutzer. 

Nach Jahren der Skandale und unsäglicher Datenschlamperei steht Facebook mit dem Rücken zur Wand. Mark Zuckerberg versucht die Flucht nach vorn und erfindet Facebook neu. Privatsphäre ist das Zauberwort.

Die Zukunft soll privat werden! Mit diesem Mantra will der ehemals blaue Riese – bald mehr weiß als blau – verloren gegangenes Vertrauen und abtrünnige Werbepartner wieder zurückgewinnen.

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Facebook und privat. Sogar vielleicht noch datenschutzkonform. Zu schön, um wahr zu sein? Oder doch eher ein schlechter Scherz?

Auf Facebooks Entwicklerkonferenz F8 haben Facebooks Mannen und Frauen zwei Tage lang das Private thematisch penetriert. Gruppen und Stories werden verschlüsselt und erhalten eine sicheren Schutz.

Privatsphäre und Schutz: Aber vor wem?

Und wovor? By the way: Die Dienst-Geschwister Instagram und WhatsApp erhalten wie angekündigt neue Shopping-Funktionen.

Dort können Werbungtreibende die eigenen Produkte ins Online-Schaufenster stellen und in den Apps diese direkt zum Kauf anpreisen. Der eigentliche Kaufvorgang läuft dann isoliert und vollständig innerhalb der jeweiligen App ab.

Adress-Eingabe, Auswahl der Versand-Modalitäten, bevorzugte Größen und so weiter: Alles wird in der App gespeichert. Im Facebook-Universum. Der gläserne Kunde erfährt durch die neuen Funktionen und In-App-Käufe eine ganz neue Dimension. Privatsphäre gibt es nur im Sinne des exakt zugeschnittenen Angebots.

Private Gruppen als neuer Ort für geschaltete Ads

Das Ende des Facebook Newsfeeds. Er kann wirklich real werden. Dem nachrichtlichen Charakter wird die Grundlage entzogen und alle Werbungtreibenden müssen sich darauf einstellen.

Aber müssen sie das wirklich grundlegend? Daten sammelt Facebook weiterhin. Und vielleicht noch genauer, weil Nutzer in pseudo-privaten Online-Chats und Gruppen eher bereit sind, mit bekannten Freunden und Kollegen Informationen zu teilen und Daten über sich preiszugeben.

Das neue Facebook: Ein Eldorado für die Werbung

Irritiert sollten wir Nutzer nicht sein, wenn uns künftig noch genauer zugeschnittene Werbung untergejubelt wird. So blauäugig sollte eigentlich kein Nutzer sein. Aufgrund unseres emotionalen Engagements und unserer Aufladung ist uns das jedoch womöglich nicht bewusst.

Es wird mitgelesen.

Denn mal unter uns: Wenn Amazon-Mitarbeiter private Gespräche von Alexa-Nutzern mithören, wird Zuckerbergs Bot-Kompanie sukzessive alles sezieren, was nach Produkten, Interessen oder Hobbys aussieht.

Am Ende bleibt also alles so, wie es war und ist. Am Geschäftsmodell wird sich nichts ändern. Nur die Nutzerräume erfahren einen werberelevanten Fokus. So wie Instagram und WhatsApp. Werden alle Messenger zusammengelegt, entsteht ein einheitlicher Datenbestand, der faszinierend und erschreckend zugleich ist.

Die Zukunft ist privat? Facebook definiert sie nur neu für sich.

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Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.