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Mark Zuckerberg, wie lange willst du uns eigentlich noch verarschen?

Philip Bolognesi

Das Marketing ist dynamisch und bringt immer wieder Phänomene zum Vorschein, die uns irritiert zurücklassen – ob analog oder digital. Was also tun? Die Luft rauslassen! Aus diesem Grund gibt es an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen unsere Kolumne: Einer geht noch – Der Marketing-Nachtritt zum Sonntag. Heute: Facebook und Mark Zuckerberg, der langsam aber sicher das Netz verlassen sollte.

Wer kann diesem Mann noch Glauben schenken? Oder anders gefragt: Wer will diesem Unternehmen noch vertrauen?

Wenn ich mir die neueste Meldung unseres verschrobenen und größenwahnsinnigen Unternehmer-Burschen Mark Zuckerberg so anschaue, muss man sich fragen: Ist eigentlich heute der 1. April? Oder ist es eine Meldung des Postillion?

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Nein, hier schreibt Mark „Ich will die Welt besser machen“ Zuckerberg selbst.

https://www.facebook.com/notes/mark-zuckerberg/a-privacy-focused-vision-for-social-networking/10156700570096634/

Mit Verlaub: Wen will Zuckerberg eigentlich hier verarschen? Ein Milliarden-schweres börsennotiertes Unternehmen möchte das Eldorado für Datenschützer werden? Und das, obwohl es durch die Verarbeitung und Bereitstellung von Daten sein Geld verdient. Finde den Fehler.

Flucht nach vorn

In den letzten Tagen und Wochen kam die gefühlt – ja, ich weiß auch nicht mehr, welche absurde Zahl hier passt – millionste Meldung zu Facebooks nächstem Datenschutzskandal herein. Worum ging es?

Das soziale Netzwerk Facebook nutzt die für die Zwei-Faktor-Authentifizierung hinterlegte Telefonnummer für Werbezwecke – ohne uns Nutzer davon rechtzeitig in Kenntnis zu setzen.

Eine weitere Nachricht: Nach wie vor geben immer noch einige Android-Apps mit Millionen von Nutzern nonchalant gesammelte Nutzerdaten an Facebook weiter – selbst wenn diese Nutzer keinen Facebook-Account besitzen.

Warum denn auch nicht? Schließlich will der Narzist aus Menlo Park die Welt jeden Tag ein Stück besser machen.

Aus Fehlern lernen? Ist Mark Zuckerberg dazu überhaupt fähig?

Ich sehe eindeutige Parallelen zu Jürgen Klinsmann, der damals bei seinem Antritt bei den Münchner Bayern große Töne spuckte und dann auch grandios scheiterte.

Ob Mark Zuckerberg wie seinerzeit Klinsi seine Lehren aus den vergangen Eskapaden, Skandalen, Betrügereien, Mauscheleien, Täuschungen und Lügen zieht?

Meine Antwort: Nein. Er kann es einfach nicht. Er kann kein „soziales“ Online-Netzwerk – ist das eigentlich eine Katachrese? – schaffen, in dem ehrlich, transparent und offen mit den Nutzern umgegangen wird.

Ich habe wunderbare Erlebnisse mit Facebook geteilt. Alte Bekannte, neue Freunde und wunderbare Menschen über diese Plattform getroffen.

Doch dieser Gedanke, dass meine Handynummer von Facebook genutzt und weitergeleitet wird, lässt mich nicht los. Und wenn das irgendwann passiert, ist mich Facebook endlich los. Ende im Gelände.

Vielleicht sollte die Idee des Erfinders des Internets – Tim Berners-Lee – umgesetzt werden: eine „Magna Charta“ für das Internet. Mit diesem Grundgesetz sollen die großen Online-Konzerne Facebook, Amazon und Google zerschlagen und den Nutzern die Hoheit über ihre Daten zurückgegeben werden.

Und was richtig lustig, fast sarkastisch anmutet: Facebook hat das Positionspapier von Berners-Lee unterzeichnet. Da brät mir doch einer nen Storch!

Facebook, das wirklich sämtliche Regeln mehrfach brach, will ein Internet-Grundgesetz unterzeichnen, das unsere Rechte vor Datenmissbrauch, Hassbotschaften und Zensur schützt?

Wenn sich Facebook neu erfinden will, sollte es konkret werden: Wie will das Netzwerk künftig Umsatz generieren? Welche Aufgaben haben dann dabei unsere Daten? Rede einfach mal Tacheles, Mark. Und wenn du es nicht kannst, verschwinde einfach. Ein für allemal.

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Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.