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Yuval Noah Harari: „Wir brauchen kein europäisches Google“

Christian Erxleben
Der israelische Historiker Yuval Noah Harari ermuntert Europa dazu, einen eigenen Weg einzuschlagen.

Kann ein israelischer Historiker und Buch-Autor knapp 8.000 Marketing-Experten etwas Relevantes beibringen? Und wie ist es um die deutsche Digital-Szene bestellt? Antworten darauf lieferten Yuval Noah Harari und Philipp Westermeyer auf den OMR 2019.

Welche Chancen, Konsequenzen und möglichen Szenarien entstehen durch den Aufstieg von Künstlicher Intelligenz (KI)? Wann können Maschinen und Programme unser Verhalten und unsere Gefühle besser vorhersagen als unser Partner? Wann ist das „Human Hacking“ mehr als nur ein Gedankenspiel?

Eine konkrete Antwort auf diese Fragen hat auch Yuval Noah Harari nicht. Trotzdem gibt der israelische Buchautor und Vordenker unserer Generation ein paar interessante Denkanstöße zum Umgang mit diesen Fragen.

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Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass früher oder später die Algorithmen in unserem Leben uns besser kennen als wir selbst. Wir Menschen selbst treffen meistens nicht die besten Entscheidungen.

Wie beeinflusse ich den Algorithmus?

Wir agieren häufig spontan und analysieren nicht Tausende von Daten und Faktoren, die bei der Entscheidungsfindung nützlich sein könnten.

Deswegen könnte unser Smart Home durch die Analyse von Gesichtsausdrücken und Körperwerten beispielsweise schon beim Betreten der Wohnung wissen, dass wir innerlich wütend oder aufgebracht sind. Vor unserem Partner können wir diese Gefühle womöglich verstecken. Aber eine Analyse offenbart die Hintergründe.

Zweifelsohne entstehen durch derartige Algorithmen und Künstliche Intelligenzen Gefahren. Wenn wir nicht mehr selbst wissen, was am besten für uns ist, ändert sich jedoch auch das Marketing.

Dann geht es für den Marketing-Verantwortlichen nicht mehr darum, einen Menschen zu beeinflussen. Vielmehr geht es darum, die Algorithmen, die uns beeinflussen, zu beeinflussen.

Der eigene digitale Weg für Europa

Und wer baut diese Algorithmen? Hauptsächlich arbeiten derzeit chinesische Unternehmen in diesem Gebiet. Alleine in der chinesischen Stadt Tianjin gibt es für KI-Projekte Fördermittel in Höhe von 13 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In der gesamten europäischen Union sind es gerade einmal 1,5 Milliarden Euro.

Und auch die USA haben ihr Zukunftsprojekt bereits gefunden. Es heißt: Voice. Das legte Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars, in seiner Keynote beeindruckend dar.

Alleine Amazon beschäftigt derzeit bereits 10.000 Menschen im Voice-Sektor. Hinzu kommen nochmal 2.000 offene, noch ausgeschriebene Stellen.

Für die deutsche Marketing-Szene wird es laut Westermeyer im kommenden Jahr relevant, eine Antwort auf folgende Antwort zu finden:

How do we make people care?

Denn die klassischen Werbe-Modelle erzeugen bei immer weniger Nutzern eine Reaktion.

Dazu passt auch die Forderung von Yuval Noah Harari: „Wir brauchen kein europäisches Google“, sagt der Historiker und Autor. Vielmehr muss Europa neben China und den USA seinen eigenen Weg in der digitalen Welt finden.

Womöglich könnte die kritische Haltung auf dem Kontinent schon einen Ansatz liefern. Vielleicht werden in Europa in Zukunft ja Algorithmen dazu genutzt, um Regierungen zu kontrollieren – und nicht die Nutzer. Aber das ist nur ein Gedankenspiel.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.