Technologie Testbericht

Konkurrenz für die Apple Watch? Die Samsung Galaxy Watch im Härtetest

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Ingo Kamps hat die Samsung Galaxy Watch für uns unter die Lupe genommen. (Foto: Ingo Kamps)
geschrieben von Ingo Kamps

Seit einigen Jahren verfolge ich die Entwicklung von Smartwatches. Nach dem anfänglichen Hype kehrte jedoch Ernüchterung ein. Mit der Samsung Galaxy Watch ist nun erstmals seit langer Zeit ein spannendes Gerät auf dem Markt. Ein Testbericht.

Als sich 2014 die ersten Smartwatches ankündigten, war ich sofort Feuer und Flamme. Verschiedene Funktionen ans Handgelenk zu verlagern und dabei die Zahl der Blicke auf das Smartphone zu verringern, klang sehr spannend für mich.

Als Android-Nutzer kam für mich natürlich nur eine Uhr mit Android Wear – heutzutage Google Wear OS – in Frage und so griff ich zur ersten Smartwatch von Samsung.

Die Erfahrung war ernüchternd. Weder war Android Wear zu der Zeit wirklich ausgereift, noch konnte die Bedienung überzeugen. Außerdem war die Akkulaufzeit so knapp bemessen, dass ich manchmal unterwegs um 20 Uhr nicht einmal mehr die Uhrzeit ablesen konnte.

Auch optisch war das Gerät kein Blickfang. Meine ersten Erfahrungen habe ich seinerzeit in einem Artikel bereits festgehalten.

Also verabschiedete ich mich erst mal vom Thema Smartwatches. Die ebenfalls nicht wirklich überzeugende Apple Watch war kein Thema für mich. So beobachtete ich den Markt nur am Rande, um bei echten Durchbrüchen wieder einsteigen zu können.

Mit dem Erscheinen der Samsung Galaxy Watch im September 2018 war mein Interesse wieder erweckt. Zwar setzte Samsung nicht – wie es Gerüchte im Vorfeld vermutet hatten – auf Google Wear OS, sondern sein hauseigenes Betriebssystem Tizen.

Dennoch sah ich eine optisch sehr ansprechende Uhr, die man auch getrost zum Abendanzug tragen kann. Nachdem ich dann noch las, dass die Akkulaufzeit bei mindestens vier Tagen liegen soll, begann ich genauer zu recherchieren.

Inzwischen habe ich eine Samsung Galaxy Watch gekauft und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen wiedergeben.

Design und Bedienung

In meinen Augen ist die Galaxy Watch* eine der attraktivsten echten Smartwatches, die es auf dem Markt gibt. Sie existiert in zwei verschiedenen Größen. Ich persönlich habe mich für die größere Variante mit 46 Millimetern entschieden.

Die Display-Größen liegen dementsprechend bei 1,3 Zoll (46 Millimeter) oder 1,2 Zoll (42 Millimeter) und bestehen aus Corning Gorilla Glass DX+.

Die Uhr wird von zwei physischen Tasten auf der rechten Seite geziert. Diese hat Samsung klugerweise so positioniert, dass sie etwas versetzt zur Mitte liegen und somit unbeabsichtigtes Drücken quasi ausschließen.

Ausgeliefert wird die Samsung Galaxy Watch mit einem bequemen Silikon-Armband, das sich leicht gegen separat erhältliche Armbänder aus Leder, Edelstahl oder einem Holz-Edelstahl-Mix austauschen lässt.

Ein Großteil der Bedienung wird über die drehbare Lünette vorgenommen. Das stellt in meinen Augen die beste Lösung aller vorhandenen Smartwatches dar. Mit der Lünette lässt sich die Uhr deutlich komfortabler bedienen als beispielsweise die Apple Watch mit ihrer Digital Crown.

Alternativ zur Lünette kann natürlich auch der Touchscreen verwendet werden, der direkt und zuverlässig auf Eingaben reagiert.

Hardware

Angetrieben wird die Samsung Galaxy Watch vom hauseigenen Exynos 9110 Dual Core 1.15 Gigahertz Prozessor. Die LTE-Variante der Uhr verfügt über 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher und über 4 Gigabyte Speicherplatz für Apps. Die hier getestete Bluetooth-Variante kommt mit 768 Megabyte Arbeitsspeicher aus.

Software

Als Betriebssystem setzt Samsung anders als bei seinen Smartphones nicht auf die Android-Variante Google Wear OS, sondern auf die Eigenentwicklung Tizen. Aktuell kommt dabei die Version 4.0.0.1 zum Einsatz.

Die Samsung Galaxy Watch ist mit allen Android-Smartphones kompatibel, auf denen mindestens die Version 5.0 (Lollipop) installiert ist. Es können aber auch iPhones angeschlossen werden, die auf iOS 9 oder höher laufen.

Apps

Während die Entscheidung für das hauseigene Betriebssystem Tizen große Vorteile für die Akkulaufzeit und Bedienbarkeit mit sich bringt, hat die Sache auch einen großen Pferdefuß: Die Zahl der Apps von Drittherstellern ist sehr begrenzt.

Während für die Apple Watch beispielsweise Handgelenk-Versionen von Evernote oder Shazam existieren und es für das Google Wear OS unter anderem Umsetzungen von Uber, Google Keep, Google Maps und DB Navigator gibt, sieht es bei Samsung dahingehend etwas dünner aus.

Vor allem Google Pay vermisse ich schmerzlich. Erschwerend kommt hinzu, dass Samsung Pay ebenfalls nicht in Deutschland verfügbar ist.

Zwar gibt es im Galaxy Store zahlreiche kostenlose und kostenpflichtige Watchfaces, von denen einige auch richtig schick aussehen. Die Zahl offizieller Smartwatch-Versionen beliebter Apps ist aber sehr überschaubar.

Immerhin sind Spotify, Uber und verschiedene Drittanbieter-Apps für Google Maps, Tasks, Podcasts und Notizen vertreten. Ansonsten verlässt sich Samsung auf eigene – und dadurch hervorragend funktionierende – Lösungen für den Kalender, das Wetter, die Steuerung des Musik-Players und das Fitness-Tracking.

Gäbe es noch eine App zur Übertragung von Bordkarten auf das Smartphone-Display, wäre ich grundsätzlich zufrieden. Allerdings geht mir das Fehlen einer solchen App schon ein bisschen ab.

Benachrichtigungen

Eines der spannendsten Features einer Smartwatch ist die Möglichkeit, sich Push-Benachrichtigungen zu neuen WhatsApp-Nachrichten, E-Mails oder Facebook Messages direkt auf die Uhr senden zu lassen und die Nachrichten dort zu lesen.

Schließlich wird erst dadurch die Notwendigkeit eliminiert, für jede Benachrichtigung das Smartphone aus der Tasche zu ziehen. Das Benachrichtigungs-Management hat Samsung gut gelöst.

Durch eine kurze Drehung des Rahmens nach links werden Teaser der letzten eingegangenen Nachrichten angezeigt. Ein Druck auf „Weiterlesen“ genügt, um die Nachrichten komplett zu sehen.

Das große Display ist gut geeignet, um auch längere Nachrichten auf der Uhr zu lesen. Die Beantwortung der Mails über die Uhr ist möglich: Entweder über die integrierte Tatstatur oder – deutlich komfortabler – über den integrierten Bixby-Sprachassistenten.

Die Funktion verwende ich häufig und bin relativ zufrieden mit der Erfolgsquote. Leider versteht Bixby nicht jede Antwort richtig, sodass es ab und zu einen zweiten Versuch braucht. Für kurze Antworten erfüllt die Funktion ihren Zweck. Bei längeren Nachrichten greife ich jedoch trotzdem lieber zum Smartphone.

Fitness und Gesundheit

Eine der zentralen Funktionen einer Smartwatch ist natürlich das Vermessen der eigenen Fitness, Gesundheit und sportlichen Aktivitäten. Hier leistet sich die Samsung Galaxy Watch keine Schwächen. Auf einen Blick werden die gelaufenen Schritte, verbrauchten Kalorien und erklommenen Stockwerke angezeigt.

Sportliche Aktivitäten erkennt die Uhr automatisch. Sie zeichnet sie auf und synchronisiert sie mit der Samsung Health App auf dem Smartphone. Insgesamt können 21 verschiedene Indoor-Aktivitäten und 39 Workouts getrackt werden. Alternativ lassen sich diese auch manuell in die Samsung Health App eintragen.

Die Genauigkeit ist für normale Nutzer vollkommen ausreichend. Wer hingegen für einen sportlichen Wettkampf trainiert, bei dem es auf jede Zehntelsekunde ankommt, findet wahrscheinlich bei Anbietern wie Garmin oder Polar bessere Alternativen.

Neben sportlichen Aktivitäten bietet die Samsung Galaxy Watch verschiedene weitere Tracker an. Dazu gehören beispielsweise ein Pulsmesser, ein Stress- und Atem-Monitor und ein Schlaf-Tracker. Alle funktionieren gut. Ich selbst nutze den Schlaf-Tracker aber nicht wirklich, da ich lieber ohne Uhr am Handgelenk schlafe.

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit kann im Vergleich zu anderen intelligenten Uhren nur als hervorragend bezeichnet werden. Bei intensivem Gebrauch – viele Push-Benachrichtigungen und sportlicher Aktivitätsmessung – komme ich immer vier Tage lang durch. Bei etwas geringer Nutzungsintensität sind es sogar fünf Tage.

Das ist ein absoluter Spitzenwert. Die Laufzeit der 42-Millimeter-Variante soll wegen des kleineren Akkus etwas kürzer ausfallen, aber immer noch sehr gut sein. Fällt der Batteriestand auf 15 Prozent, fragt die Uhr nach, ob sie sich in den Energiesparmodus schalten soll.

Schritte und Kalorien werden dadurch weiterhin aufgezeichnet. Nur das Display schaltet vom Farb- in den Schwarz-Weiß-Modus. Zum Aufladen legt der Nutzer den Akku auf die beiliegende Induktions-Ladestation. Eine komplette Ladung benötigt etwa drei Stunden.

Fazit zur Samsung Galaxy Watch

Besonders positiv fallen bei der Samsung Galaxy Watch die lange Akkulaufzeit – mindestens vier Tage – und die drehbare Lünette auf, die die Benutzung der intelligenten Uhr äußerst komfortabel macht und seinen Pendants von Apple und Google deutlich überlegen ist.

Dazu gehört die Galaxy Watch eindeutig zu den schicksten Smartwatches, deren Optik klassischen Analoguhren am nächsten kommt. Die schicken Watchfaces tun ihr Übriges, damit die Samsung Galaxy Watch auch sehr gut zu besonderen Anlässen getragen werden kann.

Für Android-Nutzer ärgerlich ist hingegen das Fehlen einiger Smartwach-Apps, für die Samsung in vielen Fällen zwar Alternativen bereitstellt, aber eben nicht für alles.

Für mich persönlich fehlt vor allem Google Pay, denn grundsätzlich ist die Uhr hervorragend zum Bezahlen geeignet. Ich würde mich freuen, wenn Google eine Version der App bereitstellen könnte.

Ansonsten gibt sich die Galaxy Watch aber keine große Blöße. Der Fitness- und Gesundheits-Tracker, die Benachrichtigungen und das Betriebssystem Tizen sorgen dafür, dass Käufer mit Android-Smartphone viel Spaß mit ihrer Smartwatch haben.

Das gilt grundsätzlich auch für Apple-Fans. Aber die greifen wahrscheinlich sowieso zur Apple Watch.

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Über den Autor

Ingo Kamps

Bereits 1999 – während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre – kam Ingo Kamps im Rahmen eines Praxissemesters bei der Nintendo of Europe GmbH mit dem Online-Marketing in Berührung. Im Jahr 2004 gründete er in Berlin das Performance-Marketing Unternehmen cayada GmbH, das seit 2012 in München firmiert.

Im Mai 2014 übernahm das zum Mobilfunkunternehmen Drillisch Online AG Teile der zu cayada gehörenden Online-Assets. Ingo Kamps verantwortete diese Assets bis 2016 innerhalb der Drillisch AG und war darüber hinaus für die Bereiche Multichannel, Mobile Marketing und Programmatic Advertising verantwortlich. Seit Juni 2016 berät er Unternehmen wie die MediaMarktSaturn Retail Group und die Vodafone GmbH in verschiedenen Bereichen des Online-Marketings und verantwortet die Performance-Vermarktung des Axel-Springer-Inventars (Contact Impact GmbH).

Als Speaker und Panel-Teilnehmer hat er über die Jahre an diversen Konferenzen teilgenommen. Mit „Einstieg in erfolgreiches Mobile Marketing“ und „Performance-Marketing (Springer-Gabler-Verlag)“ hat er außerdem schon zwei eigene Bücher veröffentlicht und an weiteren Büchern partizipiert.

9 Kommentare

  • Hi Ingo,

    seh ich komplett genauso. Ich testete damals eine der ersten Samsung Smartwatches und war absolut enttäuscht. Vor allem vom aussehen. Ich hab damals schon nicht verstanden warum man nicht moderne runde produziert. Und dann noch diese schrecklich kurze Akkulaufzeit…

    Jetzt bei der aktuellen Galaxy Watch habe ich lange gegoogelt und durchweg nur positives gefunden und dann auch zugegriffen. Und ja, ich bin auch mehr als begeistert!

    Kannst Du mir eine Podcastalternative nennen? Ich konnte nur Spotify finden, das funktioniert aber irgendwie noch nicht richtig.

    • Ich höre Podcasts auf meinem Galaxy S10 über die Google Podcasts App. Wenn Du die Podcasts herunterlädst, kannst Du sie auch über den Samsung Music Player abspielen und mit der Uhr bedienen. Ist nicht ideal, aber leider gibt es keine Watch-Variante von Podbean oder eben Google Podcasts.

  • Laut Testbericht kann das Ding also fast genau so viel wie die Apple Watch aber nur mit längerer Akkulaufzeit und es ist halt mit Android kompatibel, Respekt endlich hat Android auch eine gute Smartwatch zu bieten.

    Bin mal gespannt wie Apple mit dem nächsten Watch OS (Ende des Jahres) aber wieder der Konkurrenz vorraus sein wird.

    • Insgesamt tut es allen gut, wenn es Konkurrenz gibt. Monopole sind für keinen Verbraucher gut, egal ob er Android oder iOS bevorzugt. Das erste größere Redesign des iPhones war wohl auch eher dem Erfolg von Galaxy S und Co. geschuldet.

  • Eigentlich alles richtig im Artikel. Die Gw ist die schönste Smartwatch. Aber auch die mit der schlechtesten Software. Und damit meine ich nicht die fehlenden apps. Sondern die nicht richtig funktionierenden apps von samsung selbst. Schlaftracking seit Monaten fehlerhaft. Stockwerke zählen in Deutschland nicht richtig da 3,x Meter Raumhöhe im Algorithmus hinterlegt ist. Pulsmesser funktionierte Monate lang nicht richtig. Und das letzte Betriebssystemupdate ist Monate her… so wird die samsung uhr niemals ein ebenbürtige Produkt zur nahezu perfekten Apple watch. eben nur eine schönere Uhr. Schade samsung, ich bereue den kauf der teuren lte Version inzwischen

  • Den Hinweis mit den Stockwerken kann ich bestätigen. Das stört mich aber selbst nicht, da ich mein Tagesziel entsprechend definiert habe und einfach so lange Treppen gehe, bis ich es erreicht habe. Bergwandern bringt übrigens viele Stockwerke 🙂

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