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Start-up-Check! Recyclehero: Das sind die Altglashelden mit sozialem Engagement

Recyclehero, Recycling, Altglas
Recyclehero setzt sich für das Klima und die Gesellschaft ein. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Recyclehero aus Hamburg.

Start-ups. Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten. 

Dabei gibt es sie durchaus: Die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Diese zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: Recyclehero aus Hamburg.


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Wer steckt hinter Recyclehero?

Wer kennt sie nicht, die Schmuddel-Ecke in Küche, Flur oder Abstellkammer, in der sich Altglas, Pfandflaschen oder alte Prospekte und Zeitungen stapeln. Die Entsorgung ist unhandlich, frisst Zeit und die nächsten Container sind meist viel zu weit entfernt.

Ein Szenario, das auch Nadine Herbrich und Allessandro Cocco aus Hamburg mehr als bekannt vorkam. Das Paar beschloss deshalb, Deutschlands ersten nachhaltigen Abholservice für recyclebare Wertstoffe zu gründen.

Das Besondere dabei: Altglas, Pfandflaschen und Altpapier werden von sozial und finanziell Benachteiligten – vom Start-up liebevoll Heroes genannt – klimafreundlich mit dem Elektro-Lastenrad abgeholt und entsorgt.

Aktuell können bereits Privathaushalte und Betriebe aller Art in den Hamburger Stadtteilen Eimsbüttel, Harvestehude, Schanze, St. Pauli, Rotherbaum und der Innenstadt auf den Service zugreifen. Vor allem Restaurants, Bars und Cafés zählen zu den begeisterten Kunden.

Die Gründer möchten mit Recyclehero nicht nur die Recycling-Quote in Hamburg erhöhen. Sie leisten auch Pionierarbeit im Bereich Elektro-Mobilität in der Stadt. Zuletzt vereinfachen sie Obdachlosen, Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen durch eine geregelte Beschäftigung mit angemessener Entlohnung die Rückkehr in ein strukturiertes Arbeitsleben.

Mit der Idee gewann das Paar bereits 2017 ein Stipendium und ein Coaching. Nach einer kleinen Auszeit und der Planungsphase erfolgte die Gründung von Recyclehero im August 2018.

Mittlerweile haben Nadine Herbrich und Alessandro Cocco ihre Bürojobs im Immobiliengewerbe und bei einer Hamburger Privatbank an den Nagel gehängt und kümmern sich Vollzeit um ihr junges Unternehmen.

Um weitere Teile von Hamburg abzudecken und zusätzliche Lasten-E-Bikes – jedes hat einen Wert von 6.000 Euro – zu finanzieren, starteten die Gründer dieses Jahr eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext.

Dank 532 Unterstützern konnte Recyclehero 17.070 Euro sammeln. Durch die Top-10-Platzierung im Crowdfunding-Contest des Deutschen Integrationspreises erhielt das junge Unternehmen von der Hertie-Stiftung zusätzlich ein Fördergeld in Höhe von 7.500 Euro.

Was macht Recyclehero?

Das Prinzip hinter Recyclehero ist einfach. Das Unternehmen arbeitet mit grünen Kisten, die an die Kunden ausgegeben werden. Wie bei der klassischen Müllabfuhr werden diese am Abholtag vor die Tür gestellt und durch eine leere Kiste ersetzt.

Die Wertstoffe werden entweder regelmäßig im Abonnement abgeholt – die Preise starten hier bei 7,90 Euro bis 20 Kilogramm – oder auf Abruf innerhalb von 48 Stunden. Hier fällt zusätzlich eine Gebühr von 3,90 Euro an.

Das Motto lautet dabei stets „Null Emissionen und 100 Prozent Recycling“, denn die Heroes kümmern sich nicht nur um den CO2-freien Abtransport der Kisten auf den Lasten-E-Bikes, sondern auch um die ordnungsgemäße Entsorgung der Wertstoffe.

Die Heroes selbst sind auf Minijob-Basis angestellt und erhalten zehn Euro pro Stunde. Die Pfandflaschen gibt es als Trinkgeld obendrauf.

Recyclehero gibt jedem, der motiviert ist und gerne arbeiten möchte, eine Chance. Ganz besonders diejenigen, die einen schweren Zugang zum Arbeitsmarkt haben, bekommen hier die Möglichkeit, einem Job nachzugehen, der Spaß macht und sie persönlich weiterbringt.

Heroes müssen dafür weder perfekt Deutsch sprechen noch einen Führerschein haben. Fahrrad fahren sowie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zählen stattdessen.

Was macht Recyclehero so besonders?

Die Gründer möchten mit ihrem Unternehmen dazu beitragen, die Kluft innerhalb der Gesellschaft zu minimieren und Vorurteile abzubauen. Recyclehero verschafft Obdachlosen, Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen deshalb nicht nur einen Job. Das Unternehmen bringt sie auch im nächsten Schritt mit den Kunden zusammen.

So entsteht zum einen durch den Abholservice Raum für die Begegnung. Zum anderen können sich alle Beteiligten aber auch durch die regelmäßig von den Gründern veranstalteten Essen, Feste oder Workshops in lockerer Atmosphäre kennen lernen.

Über den Kontakt zu interessierten und engagierten Menschen können sich so für die Heroes auch neue Arbeitsplatzchancen ergeben.

Das Start-up arbeitet zusätzlich mit Trägern, Organisationen und Flüchtlingsheimen zusammen, die sich auf die Integration von sozial und finanziell Benachteiligten spezialisiert haben. Diese verfügen über das Netzwerk, das Recyclehero mit denjenigen zusammenbringen kann, die auf diese Chance gewartet haben.

Gibt es Kritikpunkte?

Bis jetzt ist Recyclehero leider nur in wenigen Hamburger Stadtteilen aktiv. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Anschaffung der Lasten-E-Bikes sehr teuer ist. Das begrenzt natürlich auch Zahl der Menschen, die als Heroes eingestellt werden können.

Von daher bleibt dem jungen Unternehmen zu wünschen, dass es bald auf große Sponsoren zurückgreifen kann, um sich zu vergrößern und weiteren potenziellen Heroes eine Chance zu bieten. Dann klappt es vielleicht nicht nur mit ganz Hamburg, sondern auch mit der Ausweitung auf andere Städte.

Fazit

Recyclehero ist ein Unternehmen, das mich wirklich beeindruckt hat. Das ist vor allem der Fall, weil die Mission dahinter so viel mehr beinhaltet als den umweltfreundlichen und klimaneutralen Abtransport von Altpapier und Altglas.

Denn das erleichtert eigentlich nur unseren – sind wir einmal ehrlich – ohnehin schon sehr bequemen Alltag.

Wir leben in einer Zeit, in der wir hauptsächlich durch die Medien von Flüchtlings-Schicksalen oder dem Leben auf der Straße erfahren. Gerade jetzt ist es daher spannend, dass es Recyclehero ermöglicht, die Menschen hinter der Berichterstattung kennen zu lernen. Nur durch den Austausch lassen sich Vorurteile abbauen.

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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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